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Länderspiegel

Interesse an Denkern schwindet

Der akademische Nachwuchs scheint ungewöhnliche Fächer der Geistes- und Sozialwissenschaften zunehmend zu meiden. Diese Fachrichtungen verlieren Zuspruch.



Techniker-Nachwuchs: Studenten sitzen in einem großen Hörsaal der Technischen Universität München. Foto: Peter Kneffel/dpa
Techniker-Nachwuchs: Studenten sitzen in einem großen Hörsaal der Technischen Universität München. Foto: Peter Kneffel/dpa  

München - Alte Bayerische Landesgeschichte, Lateinische Philologie des Mittelalters oder Theoretische Linguistik haben mindestens zweierlei gemeinsam: Sie gelten als Geistes- oder Sozialwissenschaft - und sie ziehen kaum noch Studenten an. Alle drei Studiengänge hat die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) mittlerweile vom Semesterplan gestrichen.

Auch die anderen bayerischen Unis trennen sich immer wieder von Studiengängen - nicht immer spielt dabei aber mangelndes Interesse die Hauptrolle, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter mehreren bayerischen Hochschulen zeigt.

Grundsätzlich ist es schwierig, eine vollständige Übersicht über die abgeschafften Studiengänge der vergangenen 20 Jahre in Bayern zu bekommen. Schuld daran ist der sogenannte Bologna-Prozess, nach dem einige scheinbar abgeschaffte Studiengänge in neuem Gewand wiederauftauchten. Im Laufe dieses Prozesses mussten alle europäischen Unis bis 2010 ihre Studiengänge und vor allem Abschlüsse vereinheitlichen.

"Im Rahmen dieses Prozesses wurden an der Uni Würzburg zwischen 2007 und 2010 viele Teildisziplinen eines Faches, die bisher eigenständig studierbar waren, in neue Fachstudiengänge integriert", erklärt eine Sprecherin. "Beispielsweise wurden die Magisterfächer Ältere Deutsche Philologie, Neuere Deutsche Literaturgeschichte, Deutsche Sprachwissenschaft und Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur in den Bachelor- und Masterstudiengang Geschichte eingebettet."

Ein weiteres Mal gestrichen und umstrukturiert wurden einige Studiengänge dann unter dem Slogan "Wissenschaftsland Bayern 2020". Dazu gab eine Expertenkommission im März 2005 ein Optimierungskonzept zur Fächerstruktur an den Hochschulen heraus.

In Würzburg wurde daraufhin unter anderem Mineralogie, Japanologie und Slavische Philologie aus dem Programm genommen. In Bamberg hingegen wurden laut einer Sprecherin keine Studiengänge abgeschafft, sondern einzelne an benachbarte Unis verlagert.

Trotz fehlender Gesamtübersicht fällt auf: Bei den allermeisten gestrichenen Fachrichtungen handelt es sich um geistes- oder sozialwissenschaftliche Studiengänge. So hat beispielsweise die Uni Regensburg laut einer Sprecherin mittlerweile unter anderem Romanische Philologie auf Lehramt, Amerikanistik oder Evangelische Theologie und Religiöse Bildungsarbeit gestrichen.

In Passau gibt es mittlerweile keinen Master in Russian and East Central European Studies mehr. In Würzburg wurde vor rund zehn Jahren das Nebenfach Schulpädagogik eingestampft. Der Grund: fehlende Nachfrage.

Neben dem ausbleibenden akademischen Nachwuchs setzen die Unis auch aus anderen Gründen den Rotstift an, etwa weil Fördergelder wegfallen.

Die Uni Bamberg setzt dagegen ganz bewusst auf kleine Fächer. "Für die Universität Bamberg sind die kleinen Fächer eine tragende Säule ihres Lehr- und Forschungsprofils, deshalb haben wir sie in den vergangenen Jahrzehnten bewusst gestärkt", sagt eine Sprecherin. "Warum? Weil Zahlen täuschen können: Wie viele Studierende ein Fach hat oder wie viele Professorinnen und Professoren es vertreten, sagt selten etwas über die Bedeutung und Leistungsfähigkeit eines Faches aus."

Autor

Elena Koene
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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:30 Uhr

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Elena Koene

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:30 Uhr



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