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Internationale Bank-Einbruch-Serie endet in Oberkotzau

Nach dem Einbruch in eine Bank in Oberkotzau hat die Polizei im Landkreis Hof drei Verdächtige festgenommen. Sie sollen mehrere Einbrüche in Bayern, aber auch in der Schweiz und in Finnland begangen haben. Der Gesamtbeuteschaden beläuft sich auf mehr als 380.000 Euro.



Ein sichergestelltes Spreizgerät   Foto: KPI Weiden i.d. OPf » zu den Bildern

Polizeivizepräsident Thomas Schöniger spricht bei einer Pressekonferenz am Freitag im Präsidium Oberpfalz von einem Paradebeispiel für vernetzte Polizeiarbeit: "Täter machen vor Grenzen nicht halt. Umso wichtiger ist eine überörtliche Zusammenarbeit der Polizei." Die drei Kosovaren mit Wohnsitz südlich von Bremen sollen für mindestens fünf Bankeinbrüche in der Oberpfalz und Oberfranken verantwortlich sein. Schöniger geht davon aus, dass weitere Fälle hinzukommen. Die Taten ereigneten sich zwischen Heiligabend und Sonntag, 10. Februar, Immenreuth (Landkreis Tirschenreuth), Trabitz (Landkreis Neustadt/WN), Nagel (Landkreis Wunsiedel) sowie Gattendorf und zuletzt Oberkotzau (Oberfranken). Die Festnahme von zwei Männern (27 und 39 Jahre) erfolgte kurz nach dem letzten Einbruch am Sonntag bei Döhlau nahe Hof durch Spezialkräfte der bayerischen Polizei. In der Folge wurde in Niedersachsen ein 25-Jähriger festgenommen, der ebenfalls zur Bande gehören soll.

Die Täter hatten in Bankfilialen Geldautomaten und Tresore mit schwerem Gerät geöffnet. Der Beuteschaden wird auf über 380.000 Euro beziffert, der Sachschaden auf über 135.000. Laut Schöniger handelt es sich um eine "hoch professionelle und konspirativ agierende Bande". An den Wohnsitzen wurden umfangreiche Vermögenswerte beschlagnahmt, darunter ein Audi R8, der um die 200.000 Euro kosten dürfte, zwei weitere Pkw, ein Motorrad, ein Quad und Bargeld in fünfstelliger Höhe. "Verbrechen darf sich nicht lohnen", so Schönigers Botschaft.

Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Bernhard Voit (Weiden) wurden die drei Tatverdächtigen am Montag dem Ermittlungsrichter in Weiden vorgeführt und befinden sich jetzt in drei nordbayerischen Gefängnissen. Der Haftbefehl lautet auf schweren Bandendiebstahl, der mit einem bis zehn Jahren Haft bestraft werden könnte. Bei den drei kosovarischen Staatsangehörigen handelt es sich um Verwandte, die beiden Jüngeren leben seit Kindesbeinen an in Deutschland und haben eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Gegen den 39-Jährigen liegt eine nicht anfechtbare Ausweisungsverfügung vor. Einer ist in Ausbildung. Zwei sind ohne legale Berufstätigkeit. Vorstrafen in Deutschland gibt es nicht oder nur gering. Es gibt aber Hinweise auf Straftaten in der Schweiz und in Finnland. Entsprechende Auskunftsersuchen laufen. Die Tatverdächtigen machen nach Auskunft des Oberstaatsanwalts nur geringe Angaben zu den Tatvorwürfen.

Thomas Gallei, stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei Weiden, erinnerte an den Anfang der Serie an Heiligabend. Während der Christmette stiegen Einbrecher über ein Kellerfenster in eine Bank in Immenreuth ein. Sie hielten sich zwischen 22 Uhr und nach Mitternacht in der Filiale auf. Gallei: "Es bedarf offenbar doch großen Aufwandes, einen Geldautomaten zu knacken." Die Täter öffneten mit einem Spreizer die Rückseite des Automaten. Nach wie vor fehlen aus diesem Fall die Geldkassetten.  Ein zweiter Einbruch geschah vier Wochen später, in der Nacht zum Sonntag, 27. Januar, in Trabitz, Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Hier hebelten die Täter ein Seitenfenster auf und hebelten den Automaten mit hydraulischer Kraft auf. Auch hier lang die Beute im fünfstelligen Bereich.

Ein aufmerksamer Kriminalbeamter stieß nach dieser ersten Tat auf einen polizeiinternen Hinweis aus Norddeutschland auf eine Tätergruppierung mit diesem Modus operandi. In der Folge habe man eng zusammengearbeitet. Sein "herzlicher Dank" galt den Kollegen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein: "Die haben sich die Nächte genauso um die Ohren geschlagen wie wir auch." Warum reisen Tatverdächtige aus Bremen überhaupt nach Nordbayern an - immerhin eine Fahrtzeit von über sechs Stunden? "Diese Antwort muss ich schuldig bleiben", so Erster Kriminalhauptkommissar Thomas Gallei. Es hätten sich bisher keine Verbindungen in die Region ergeben.

Die Serie schwappte Anfang Februar nach Oberfranken über. Kriminaldirektor Jürgen Schlee von der Kriminalpolizei Hof an der Saale erinnerte an den ersten Bankeinbruch in die Sparkasse Nagel in der Nacht zum 3. Februar, der allerdings abgebrochen wurde. Die Täter öffneten ein Fenster und hatten bereits die Sicherheitseinrichtungen außer Kraft gesetzt. Unklar ist, ob sie gestört wurden. „Wir waren in der Folgezeit hellwach.“ Ebenfalls abgebrochen wurde ein Einbruch in die Volks- und Raiffeisenbank Gattendorf am 9. Februar.

Am Tag darauf erfolgte der Zugriff. Kurz nach Mitternacht hatten sich zwei Tatverdächtige gewaltsam Zugang zu einer Bank in Oberkotzau verschafft. Es gelang ihnen, eine Stahltür in den Befüllbereich des Geldautomaten zu öffnen. Die Täter erbeuteten einen sechsstelligen Geldbetrag. Hinter der Bankfiliale fließt laut Schlee die Saale vorbei. In einer Suchaktion am Donnerstag sei es Tauchern der Bereitschaftspolizei tatsächlich gelungen, in der Saale mehrere Geldkassetten zu finden.

Als die Männer die Bank in Oberkotzau verließen und mit ihrem Wagen in Richtung Norden starteten, wurden sie von Spezialeinsatzkräften in Döhlau gestoppt und widerstandlos festgenommen. Im Auto fanden sich die Beute aus Oberkotzau und Tatwerkzeuge, darunter ein großes Spreizgerät. Der Festnahme gingen "umfangreiche, teils verdeckte Maßnahmen" voraus, zu denen Polizeivizepräsident Schöniger keine Auskünfte geben wollte.

Die Ermittlungen liegen weiterhin in der Hand der Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Weiden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Spurensicherung in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt. Es konnten DNA-Spuren und Fingerabdrücke gesichert werden.

 

 

 

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Christine Ascherl
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Veröffentlicht am:
15. 02. 2019
12:45 Uhr

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Christine Ascherl

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15. 02. 2019
12:45 Uhr



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