Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

Länderspiegel

Masken, Verbote, Sperrstunde - Bayern stemmt sich gegen Corona-Welle

Gefühlt ist die zweite Corona-Welle in Bayern längst angekommen. Dabei stehen der kritische Herbst und Winter noch bevor. Die Staatsregierung setzt auf strenge Konzepte in betroffenen Kommunen.



Mit einem strengen Maßnahmenkatalog für besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Kommunen stemmt sich der Freistaat Bayern gegen die vielerorts stark steigenden Infektionen. Der Beschluss des Kabinetts von Dienstag soll den Städten und Kreisen klare Leitplanken bei der lokalen Eindämmung der Pandemie geben und so eine landesweite zweite Welle verhindern. Maßstab für alle Regionen ist dabei der Grenzwert von 50 Neuinfektionen in einer Region in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Sobald dieser überschritten wird, soll es auf stark besuchten öffentlichen Plätzen nicht nur eine Maskenpflicht und ein Alkoholverbot (Verkauf und Konsum) geben, zu prüfen ist dann auch eine Sperrstunde ab 23.00 Uhr.

«Wir stehen an einer ganz spannenden Weggabelung», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Man dürfe nicht die Geduld verlieren im Kampf gegen das Virus. Priorität in Bayern habe der Schutz von Arbeitsplätzen, Schulen und Kindergärten. Um für den Herbst und Winter besser gerüstet zu sein, will Bayern sich zudem zunächst zehn Millionen neuartige Corona-Schnelltests kaufen. Das Kabinett stellte den Kommunen auch 50 Millionen Euro zum Kauf von Raumlüftern und Filtern in Schulen und Kitas zur Verfügung.

Es müsse ein zweiter General-Lockdown unbedingt verhindert werden, dieser dürfte größere Schäden mit sich bringen als der Lockdown im Frühjahr, sagte Söder. Neben der Strategie sei auch wichtig, dass die Menschen vernünftig und rücksichtsvoll miteinander umgingen. Er verwies auf die Situation in anderen Ländern, wo wegen des diffusen Ausbruchsgeschehens mit einem erneuten Lockdown auf die zweite Welle reagiert werden müsse.

In Bayern sei dies glücklicherweise noch nicht der Fall. Gleichwohl gebe es auch hier wegen der aktuell hohen Corona-Zahlen Grund zur Sorge. Verantwortlich seien dafür nicht nur nach wie vor «sehr viele» Urlaubs- und Reiserückkehrer. Er sprach zudem von einem übermäßigen Leichtsinn bei vielen Menschen. «Die Zahl derer, die über Leichtsinn sich infizieren, wächst», sagte Söder. Dies zeige sich an der hohen Zahl junger Infizierter im Alter von 15 bis 30 Jahren - da gebe es bei manchen noch kein starkes Bewusstsein für die Gefahr von Corona.

Zur Eindämmung der Infektionen setzt der Kabinettsbeschluss zudem auf Aufenthaltsbeschränkungen im öffentlichen Raum. Wenn der Inzidenzwert stabil über 50 steigt, sollen sich nur noch Personen von maximal zwei Hausständen, nahe Angehörige oder Gruppen von bis zu fünf Personen versammeln können. Das soll genauso für Versammlungen auf Privatgrundstücke oder Treffen in privat genutzten Räumen gelten.

Für private Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage sieht der Beschluss eine Obergrenze auf bis zu 25 Teilnehmer in geschlossenen Räumen oder bis zu 50 Teilnehmer unter freiem Himmel vor. Zum Schutz der besonders für schwere Krankheitsverläufe anfälligen Menschen in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen oder Behinderteneinrichtungen soll hier das Besuchsrecht auf täglich eine Person - in der Regel aus dem eigenen Hausstand oder nahe Angehörige - während einer festen Besuchszeit beschränkt werden.

Prinzipiell waren den Kommunen bisher auch in Eigenregie entsprechende Einschränkungen möglich. Einzelne Städte, etwa Würzburg, Bamberg oder auch das besonders schwer betroffene München, hatten bereits entsprechende Maßnahmen angeordnet. In der Landeshauptstadt gilt ab Donnerstag unter anderem die Maskenpflicht auf vielen beliebten Plätzen in der Innenstadt. Nach Angaben eines Stadtsprechers ist dies der frühestmögliche Termin, angekündigt hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sie bereits am Montag.

Die neuen Regelung der Staatsregierung sieht aber nun vor, dass die Kommunen klarer angehalten werden, die Maßnahmen entsprechend der Leitplanken der Staatsregierung auch in der Praxis umzusetzen. Nach dem Beschluss des Kabinetts können die Kommunen aber unter bestimmten Umständen weiter auf die aufgelisteten Maßnahmen verzichten, etwa wenn das Ausbruchsgeschehen kontrolliert abläuft, also beispielsweise auf ein Unternehmen oder eine Schule beschränkt ist.

Söder betonte, derzeit gebe es in Bayern noch keinen sprunghaften Anstieg der Zahlen in den Krankenhäusern - man habe aber die Sorge, dass die Infektionen wieder in die Krankenhäuser hineinwachsen könnten. «Wenn wir das jetzt nicht alles machen, besteht die Gefahr, dass die Zahlen explodieren», sagte er. Erst in zwei, drei Wochen werde sich zeigen, wie die Maßnahmen gegriffen haben. Zugleich unterstrich Söder, dass ein Strategiewechsel hin zu einer Durchseuchung der Gesellschaft für Bayern nicht in Frage komme, das sei ethisch nicht zu verantworten.

Mit Blick auf das anstehende Fußballspiel des FC Bayern München beim Supercup-Finale in Budapest am Donnerstag verschärfte das Kabinett auch noch seine Einreise-Quarantäneverordnung und strich eine Ausnahmeregel für Kurzreisen unter 48 Stunden. Demnach müssen die mitreisenden Fans nach ihrer Rückkehr - genau wie Besucher von Kulturveranstaltungen - in Quarantäne.
 

Die Pressekonferenz von diesem Dienstag mit Ministerpräsident Markus Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Gesundheitsministerin Melanie Huml können Sie hier noch einmal anschauen.

 

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 09. 2020
07:58 Uhr

Aktualisiert am:
22. 09. 2020
16:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
CSU Gesundheitsminister Hubert Aiwanger Infektionszahlen Markus Söder Melanie Huml Ministerpräsidenten Neuinfektionen Wirtschaftsminister
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Von diesen Montag an dürfen Friseure in Bayern wieder öffnen. Die Branche erwartet einen wahren Ansturm.

03.05.2020

Friseure öffnen wieder

Wachsen lassen oder doch selber schneiden? In den vergangenen Wochen standen auch bayerische Minister vor dieser Frage. » mehr

Die Teststationen an den Autobahnen werden ab dem 30. September außer Dienst gestellt. Dafür sollen mehr kommunale Testzentren entstehen.	Fotos: Sven Hoppe/dpa

08.09.2020

Bayern setzt auf eine neue Teststrategie

Pannen an Corona-Teststationen an Autobahnen und Flughäfen stürzten Markus Söders Regierung in eine kurze, heftige Krise. Nun verkündet er deren Schließung. Getestet werden soll stattdessen anderswo. » mehr

Melanie Huml (l, CSU) und Markus Söder (CSU)

13.08.2020

Corona-Chaos in Bayern und in Söders Staatsregierung

Die Panne mit Corona-Tests in Bayern hat dramatische Ausmaße - und erschüttert mitten in der Sommerpause die Staatsregierung von Markus Söder. An seiner Gesundheitsministerin hält er erst einmal fest. » mehr

Coronavirus - Bayern

07.10.2020

Melanie Huml muss Amt bei „Oberfranken Offensiv“ aufgeben

Die Regional-Marketing-Initiative „Oberfranken Offensiv“ verliert ihr prominentestes Gesicht: Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) muss bis zum Jahresende ihr Amt als Vorsitzende abgeben. » mehr

Ein Sticker weist auf das Tragen einer Maske hin

Aktualisiert am 01.09.2020

Maskenpflicht für Grundschüler im Unterricht bei hohen Corona-Zahlen

Bei stark steigenden Corona-Fallzahlen in Bayern könnte auch den Grundschülern eine Maskenpflicht im Unterricht drohen. » mehr

Noch sind die Klinikbetten für Corona-Patienten leer. Foto: R. Weihrauch/dpa

24.03.2020

Bayerns Krankenhäuser im Corona-Stress

Die Krankenhäuser rüsten sich für eine größere Zahl an Corona-Patienten. Das kostet zusätzlich, während anderswo Einnahmen ausfallen. Doch nicht nur hierbei soll es Lösungen geben. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hof

Eröffnung der 54. Hofer Filmtage | 20.10.2020 Hof
» 48 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Herforder EV 8:1 Selb

Selber Wölfe - Herforder EV 8:1 | 18.10.2020 Selb
» 38 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 09. 2020
07:58 Uhr

Aktualisiert am:
22. 09. 2020
16:00 Uhr



^