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Länderspiegel

Michael Turgut muss ins Gefängnis

Der Hofer Finanzmakler muss unter anderem wegen vorsätzlichen Bankrotts vier Jahre in Haft. Eine vorzeitige Entlassung ist wegen der Vorstrafen nicht möglich.



Der Hofer Finanzmakler Michael Turgut (Mitte) muss für vier Jahre ins Gefängnis. Einen Revisionantrag gegen das Urteil des Hofer Landgerichts verwarf jetzt der Bundesgerichtshof. Foto: Archiv
Der Hofer Finanzmakler Michael Turgut (Mitte) muss für vier Jahre ins Gefängnis. Einen Revisionantrag gegen das Urteil des Hofer Landgerichts verwarf jetzt der Bundesgerichtshof. Foto: Archiv  

Hof – Michael Turgut muss für die nächsten Jahre umplanen: Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der umstrittene Hofer Finanzjongleur im August 2016 vom Hofer Landgericht zu Recht eine Freiheitsstrafe von vier Jahren wegen vorsätzlichen Bankrotts und falscher Versicherung an Eides statt erhalten hat. Die Revision von Turgut wurde verworfen. Nach Überzeugung der Bundesrichter sind der vierten Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hof keine Rechtsfehler unterlaufen. Damit ist dieses Urteil rechtskräftig, Turgut muss die Strafe demnächst antreten. Als Vorbestrafter kann er auch nicht damit rechnen, schon zur Hälfte der Haftzeit auf Bewährung entlassen zu werden. Hinzu kommt, dass er die dem Urteil zugrunde liegenden Straftaten während laufender Bewährungsfristen und teilweise sogar in der Untersuchungshaft begangen hat. 

03.11.2017 - Turgut-Prozess - Foto: Florian Miedl

Michael Turgut steht wieder vor Gericht Hof
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Konkret geht es darum, dass Turgut seine zahlreichen Gläubiger – darunter die Stadt Hof und den Fiskus – ins Leere kaufen ließ. Der aus Naila stammende 50-Jährige betrieb einst eines der größten Vertriebsnetze für Finanzprodukte in Deutschland. In Spitzenzeiten arbeiteten über 8000 freie Vertreter für ihn. Zeitweise war er sogar der größte Gewerbesteuerzahler der Stadt Hof. Turgut war und ist auf dem sogenannten „grauen Finanzmarkt“ tätig. Tausende Anleger haben hohe Verluste mit Anlagen erlitten, die von ihm angelernte Drückerkolonnen verkauften. Wie sich im Verfahren vor der vierten Strafkammer 2016 aus Zeugenaussagen ergab, ging gut die Hälfte aller Provisionen bei solchen Geschäften immer in die Taschen von Michael Turgut. Dennoch hatte die vierte Wirtschaftsstrafkammer unter dem Vorsitz des damaligen Vizepräsidenten Matthias Burghardt festgestellt, dass es Turgut nach einem steilen Aufstieg schon ab 2004 finanziell immer schlechter ging. Ein Grund dafür waren hohe Kosten aus Zivilprozessen, bei denen sich geschädigte Anleger durchsetzten. Gerichte bescheinigten Turgut und seinen Firmen Falschberatung und sittenwidriges Verhalten. 

Bei dem Bankrott-Verfahren ging es um Provisionszahlungen von rund 800 000 Euro eines Schweizer Anbieters von Finanzprodukten im Jahr 2011. Zu diesem Zeitpunkt war Turgut nach Aussage seines späteren Insolvenzverwalters längst zahlungsunfähig. Um das Geld vor dem Zugriff seiner Gläubiger zu sichern, hatte es Turgut zunächst auf das Konto seiner Ehefrau und später auf das Konto einer unbeteiligten Firma geleitet. Die Anweisungen erteilte Turgut zum Teil aus dem Hofer Gefängnis heraus. Dort saß er wegen des Vorwurfs des Kapitalanlagebetrugs in Untersuchungshaft. In diesem Verfahren wurde er jedoch im März dieses Jahres in Hof freigesprochen. 

Die Untersuchungshaft, aus der er nur mit strengen Auflagen entlassen wurde, führte allerdings dazu, dass für Michael Turgut in Hof ein Privatinsolvenz-Verfahren eröffnet wurde. Es ist bis heute nicht abgeschlossen. Im Oktober 2012 leistete Turgut bei einem Hofer Gerichtsvollzieher die Versicherung an Eides statt, früher Offenbarungseid genannt. Dabei unterschlug er allerdings zwei Konten mit 20 000 Euro, die er in Frankreich unterhielt.

Offiziell arbeitet Turgut heute nur noch als „Vertriebstrainer“ für Firmen, die im verschwiegenen Liechtenstein registriert sind. Das Gericht äußerte 2016 in der mündlichen Urteilsbegründung aber die Überzeugung, dass er noch immer der Kopf hinter diesen Firmen ist. Dies hatten auch Zeugen ausgesagt, die von Turgut als Strohmänner bei diesen Firmen installiert wurden. 

Für diese Annahme sprechen auch die Anzeichen seines aufwendigen Lebensstils. Zu seinen Gerichtsterminen reiste Turgut immer wieder mit einem über 200 000 Euro teuren Bentley oder gleich mit einem Geschäftsflugzeug an. Den Flieger samt Privatpiloten nutzt er auch für seine monatlichen Stippvisiten im Hofer Büro oder Reisen an die Algarve. 

Noch offen ist, wo Michael Turgut seine Strafe antreten muss. Nachdem alle Meldeauflagen aufgehoben worden waren, hat er seinen Erstwohnsitz in Tauperlitz offenbar aufgegeben. Vor Gericht hatte er zuletzt einen Wohnsitz in Berlin angegeben. 

Außerdem muss Turgut befürchten, dass die nun anstehende Strafe nicht die letzte ist. Seit geraumer Zeit ermittelt die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Mannheim gegen ihn. Dabei geht es um den millionenschweren Zusammenbruch der einst in Lörrach heimischen Firma „Life Performance“. Weitere Beschuldigte dieses Verfahrens ist seine Lebensgefährtin, eine ehemalige Bayreutherin, mit der er seit diesem Jahr ein Kind hat. Wegen dieser Schwangerschaft musste sie in diesem Jahr in Hof nicht als Zeugin antreten. 

Autor
Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
10. 08. 2018
15:12 Uhr

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10. 08. 2018
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