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Länderspiegel

Mordanklage gegen liebestolle Ministrantin

Eine 39-Jährige aus Regensburg soll einen 64-jährigen Nagler aus Eifersucht vergiftet haben. Sein Todeskampf dauerte 17 Tage lang.



Das mutmaßliche Vergiftungsopfer Manfred J. ist auf dem Nagler Friedhof neben seiner Mutter bestattet. Foto: Joachim Dankbar
Das mutmaßliche Vergiftungsopfer Manfred J. ist auf dem Nagler Friedhof neben seiner Mutter bestattet. Foto: Joachim Dankbar  

Hof - In einem der bizarrsten Kriminalfälle der letzten Jahre hat die Staatsanwaltschaft Hof jetzt Mordanklage gegen die 39-jährige Miriam P. aus dem Raum Regensburg erhoben. Sie wird beschuldigt, im November des vorigen Jahres den 64-jährigen Manfred J., den Lebensgefährten einer Freundin in Nagel im Landkreis Wunsiedel umgebracht zu haben - wir berichteten. Die Tatwaffe war eine Flasche Likör.

Die Frau soll aus Eifersucht gehandelt haben. Sie hatte sich offenbar in ihre 61-jährige Freundin Angelika O. verschaut. Diese hatte ebenfalls bei Regensburg gelebt und war erst kurz vor der Tat zu ihrem Bekannten nach Nagel gezogen. Wie Angelika O. später mehreren Zeitungen berichtete, hatte ihr die eigentlich verheiratete Miriam P. gestanden, neuerdings auf Frauen und vor allem auf sie zu stehen. Sie habe sie mit Whatsapp-Nachrichten und Blumensträußen bedrängt.

Dennoch dachte sich niemand etwas Böses dabei, als Miriam P. bei einem Besuch in Nagel einen ganz besonderen Cocktail mitbrachte und an den Manfred J., den Lebensgefährten der Freundin ausschenkte. Der Likör war jedoch mit Glykol versetzt. Die sehr süß schmeckende Chemikalie ist sonst nur als Frostschutzmittel und vom österreichischen Weinpanscher-Skandal her bekannt. Wenige wissen: Gykol ist ein ganz besonders tückisches Gift. Ein Schluck ist für Kinder lebensgefährlich, zwei Schlucke für Erwachsene. Die Flüssigkeit ist sowohl geruchslos als auch farblos.

Die ersten Vergiftungserscheinung zeigen sich schon nach einer halben Stunde. Fatalerweise gleichen sie einem schweren Rausch. Das Opfer stirbt jedoch an einem akuten Nierenversagen. Der Todeskampf von Manfred J. dauerte 17 Tage lang. Nach und nach versagten seine inneren Organe. Am 1. Dezember erlag der inzwischen erblindete Mann im Fichtelgebirgsklinikum Marktredwitz den Folgen der Vergiftung.

Miriam P. soll gleich mehrfach am Krankenbett von Manfred J. gewesen sein und geschwiegen haben, als die Ärzte auf der Suche nach einem Gegengift immer verzweifelter danach fragten, was der 64-Jährige nur zu sich genommen haben könnte. In der Anklageschrift geht die Staatsanwaltschaft Hof davon aus, dass Miriam P. aus niedrigen Beweggründen sowie heimtückisch und grausam handelte.

Sie war vier Tage nach der Tat festgenommen worden. Man hatte die Flasche gefunden worden war, die sie als Gastgeschenk mitgebracht hatte. Seitdem sitzt sie in der Justizvollzugsanstalt Bamberg in Untersuchungshaft.

Ihre Festnahme hatte nicht nur die Freundin des Opfers erschüttert. In ihrer Heimat war Miriam P. als ein Mensch bekannt, der sich christlichen Werten ganz besonders verpflichtet fühlt. Die korpulente Frau diente als Ministrantin in einer katholischen Kirchengemeinde bei Regensburg, führte als Kreuzträgerin die Trauerzüge an und sang im Kirchenchor. Zudem gehörte sie der "Ordo Franciscanus Saecularis" (OFS), einer weltlichen Franziskanergemeinschaft, an. Den Mitteilungen der OFS zufolge hatte sie beim Regensburger Katholikentag 2014 das "lebenslange Versprechen" dieser Gemeinschaft erneuert.

Das Landgericht Hof prüft nun in den nächsten Wochen, ob es die Anklage für eine Hauptverhandlung zulässt. Ein Termin ist hierfür noch nicht bekannt.

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Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
02. 05. 2018
13:07 Uhr

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Gift-Mord im Landkreis Wunsiedel Giftstoffe Krankenhäuser Männer Polizei Staatsanwaltschaft Hof (Saale) Tod und Trauer Tötung
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