Topthemen: Fall Peggy KnoblochHofer Kaufhof wird HotelNeue B15-AmpelHilfe für NachbarnStromtrasse durch die RegionGerch

Länderspiegel

Mordfall Peggy Knobloch: Haftbefehl gegen Tatverdächtigen

Im Mordfall Peggy hat es am Montag eine Festnahme gegeben. Bei dem Verhafteten handelt es sich um Manuel S. (41) aus Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel. Im September 2018 sagte er aus, den leblosen Körper von Peggy aus Lichtenberg im Landkreis Hof im Wald verscharrt zu haben.



Fall Peggy Knobloch: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen. Marktleuthen/Lichtenberg
Fall Peggy Knobloch: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen.   Foto: Florian Miedl

Der verheiratete Familienvater Manuel S., der beim Haftrichter am Landgericht Bayreuth vorgeführt wurde, sitzt in Untersuchungshaft, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag mit. Der 41-Jährige ist also verdächtig, die Leiche von Peggy am 7. Mai 2001 nicht nur weggeschafft und im Wald bei Rodacherbrunn vergraben zu haben. Vielmehr steht nun im Raum, dass Manuel S. das Mädchen im Laufe jenes regnerischen Montags getötet hat oder dass er als Mittäter beteiligt war. Der Tatverdächtige habe keine Angaben gemacht, den Tatvorwurf aber durch seinen Verteidiger bestreiten lassen, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft weiter mit. In der Pressemeldung heißt es zudem: "Es steht im Raum, dass mit der Tötung eine zuvor begangene Straftat verdeckt werden sollte." Um welche Straftat es sich dabei handelt, wird in der Polizeimeldung nicht erläutert.

Im Nachgang zu den Ermittlungsmaßnahmen im September seien die gewonnenen Erkenntnisse, insbesondere die damaligen Angaben des Beschuldigten sorgfältig überprüft, sowie die bei den Durchsuchungen sichergestellten Beweismittel ausgewertet worden. Im Ergebnis seien die wesentlichen Angaben des Beschuldigten, so der behauptete Anlass und der geschilderte Geschehensablauf, nicht mit den weiteren Ermittlungsergebnissen in Einklang zu bringen. Vielmehr habe sich aus den nunmehrigen Ermittlungen ein dringender Tatverdacht gegen den 41-Jährigen ergeben, teilt die Polizei weiter mit.

S. war schon kurz nach dem spurlosen Verschwinden des Mädchens ins Visier der Ermittler geraten. Am Vatertag 2001 hatte er bei einem Ausflug im angetrunkenen Zustand  gesagt, er habe Peggy vergraben. Daraufhin wurde intensiv gegen ihn ermittelt. Sein auffallender Audi 80 wurde ebenso spurentechnisch untersucht wie seine Wohnung und das Haus, das er damals gerade renovierte. Doch weder in dem goldfarbenen Auto noch sonst fanden sich verwertbare Spuren. Es gab mehrere Vernehmungen, die alle ergebnislos blieben. 2002 wurden die Ermittlungen gegen S. wegen Totschlages gegen ihn eingestellt. Allerdings blieben bei den Ermittlern Restzweifel. Denn auch Ulvi K. hatte erzählt, dass S. die Leiche vergraben habe.

Keine Erfahrungen mit Frauen

S. hatte sich noch durch eine andere Sache verdächtig gemacht. So will er sich mit Ulvi K., der 2004 wegen Mordes an Peggy erst verurteilt, 2014 dann aber in einem Wiederaufnahmeverfahren wieder freigesprochen wurde, über das Mädchen unterhalten haben. Ulvi K. erzählte den Ermittlern, er habe S. vom sexuellen Missbrauch an der Neunjährigen erzählt. Daraufhin habe dieser gesagt, er selbst wolle das Mädchen missbrauchen. S. galt als zurückhaltend – und als ein junger Mann, der keine feste Freundin und nicht viel Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht hatte. Er gab an, mit 13 Jahren mit Ulvi K. eine seiner ersten sexuellen Erfahrungen gemacht zu haben und später in ein Bordell gegangen zu sein, ein Vorhaben, das nicht von Erfolg gekrönt war. Die Ermittler schlossen damals daraus, dass er Probleme haben könnte mit gleichaltrigen Frauen. Ein weiterer Verdachtspunkt, der sich allerdings 2001 und 2002 nicht erhärten ließ.

12.09.2018 - Hausdurchschungen im Fall Peggy - Foto: Florian Miedl

Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen Marktleuthen/Lichtenberg
Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen Marktleuthen/Lichtenberg
Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen Marktleuthen/Lichtenberg
Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen Marktleuthen/Lichtenberg
Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen Marktleuthen/Lichtenberg
Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen Marktleuthen/Lichtenberg

Am Tag als Peggy verschwand, hatte S. Geburtstag. Auch das Alibi des damals 24-Jährigen konnten die Ermittler nicht erhärten. Etwa gegen 12.45 Uhr muss er mit einer älteren Lichtenbergerin, die am Marktplatz wohnte, über den Kauf landwirtschaftlicher Flächen gesprochen haben. Er selbst gab an, danach ins Haus seiner Eltern gegangen zu sein, um dort Blumen mit seiner Mutter umzutopfen und später mit Verwandten Geburtstag zu feiern. Auch will er Ulvi K. gesehen haben, der sich gegen 13 Uhr in der Ortsmitte aufhielt. Was er abends und den Rest des Tages machte, wurde nie ganz geklärt.

Winzige Spuren

Bakteriell kleine Spuren von Torf waren es, die die jetzige Sonderkommission wieder auf die Spuren von S. brachten. Denn solche fanden sie da, wo S. von Peggys Leiche vergraben hatte. Auch Farbspuren, wie sie bei Hausrenovierungen verwendet wurden, fanden sich. S. sagte in  seiner stundenlangen Vernehmung  im September 2018, er habe die Leiche des Mädchens am Bushäuschen in der Turnstraße von einem Mann übernommen, habe versucht, sie wiederzubeleben und dann in den Kofferraum seines Autos gelegt und sie weggebracht. Beamte fanden bei der Durchsuchung seines Hauses in einem Ortsteil von Marktleuthen weitere Hinweise, die sein Geständnis untermauerten.

Falsche Alibis?

Pikant ist, dass die Zeugenaussagen von Manuel S. und seiner Mutter 2004 mitverantwortlich waren, dass Ulvi K. damals verurteilt wurde. Denn S.' Mutter fiel nach einem Jahr plötzlich ein, dass sie Ulvi K. zur tatrelevanten Zeit in der Ortsmitte auf einer Bank sitzen gesehen hat. Und sie gab ihrem Sohn Manuel ein Alibi. Die Ermittler hielten ihre Aussage für glaubhaft. Im Wiederaufnahmeverfahren 2014 vor dem Landgericht Bayreuth sagten weder S. noch seine Mutter aus, obwohl sie geladen waren. Der damalige Vorsitzende Richter Michael Eckstein lud sie nicht mehr vor. Nach Informationen unserer Zeitung sollten auch Familienmitglieder von S. nochmals vernommen worden sein, denn ihre Aussagen könnten falsch gewesen sein.

"Hätten mehr Zeit gebraucht"

Günther Beckstein, CSU-Innenminister in der Zeit von Peggys Verschwinden, sagte in einem Interview mit dem MDR und dem Nordbayerischen Kurier, die Ermittler haben das damals Mögliche getan. Er räumte ein, in dem Fall „Druck gemacht“ zu haben. Er sagt, die Akten nicht gekannt zu haben, „es ist auch nicht meine Aufgabe“. Er sei aber laufend informiert gewesen und habe „dann natürlich  auch nach unten den Druck weiter gegeben. Man habe ihm gesagt, er könne sich darauf verlassen, dass wirklich mit großer Sorgfalt vorgegangen ist“. Doch er räumte ein, „jetzt mit dem Rückblick, hätte man da vielleicht noch ein bisschen mehr Zeit gebraucht um diesen Tatverdächtigen doch noch vielleicht rund zu kriegen und der Spur dranzubleiben.“

 

Warum die Ermittler S. erst in dieser Woche verhaftet haben, steht nicht fest. Wie in solchen Fällen üblich, werden Haus und Telefone eines Verdächtigen ständig überwacht. Schon einmal hätte S. nicht mehr länger dem Ermittlungsdruck standgehalten. 2003 sagte er, er werde sich umbringen, wenn die Polizei nochmal zu ihm käme.

Am Dienstag wurde der 41-Jährige im Laufe des Tages dem Haftrichter in Bayreuth vorgeführt.

Hier finden Sie die gesamte Berichterstattung zum Fall Peggy

 

Autor
Otto Lapp

Otto Lapp

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 12. 2018
14:00 Uhr

Aktualisiert am:
11. 12. 2018
22:37 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Fall Peggy
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mordfall Peggy

Aktualisiert am 14.01.2019

Fall Peggy: Staatsanwaltschaft legt Beschwerde ein

Im Mordfall Peggy hat die Staatsanwaltschaft Bayreuth ihre Ankündigung nun wahr gemacht und Beschwerde gegen die Freilassung des Tatverdächtigen eingelegt. » mehr

Dem bekannten Gutachter Hans-Ludwig Kröber, hier während des zweiten Ulvi-Prozesses im Sitzungssaal des Bayreuther Landgerichtes, droht nun eine Schadenersatzklage der Ulvi-Unterstützer. Foto: David Ebener/dpa

08.01.2019

Klage gegen Ulvis Gutachter

Ulvi-Unterstützer wollen von Hans-Ludwig Kröber 350 000 Euro Schadenersatz. Auch eine Klage gegen einen Rechtsanwalt wird erwogen. » mehr

Mordfall Peggy

02.01.2019

Staatsanwaltschaft prüft weiterhin Beschwerde im Fall Peggy

Im Fall der ermordeten kleinen Peggy prüft die Staatsanwaltschaft immer noch, ob sie Beschwerde gegen die Freilassung des Tatverdächtigen einlegen wird. » mehr

Grabstein Peggy

27.12.2018

Mordfall Peggy – Ermittler prüfen Beschwerde

Legt die Staatsanwaltschaft gegen die Freilassung des Verdächtigen Einspruch ein? Das Gericht erklärt derweil, warum der Mann wieder auf freiem Fuß ist. » mehr

Fall Peggy

25.12.2018

Fall Peggy: Ermittler prüfen Beschwerde gegen Freilassung

Wie geht es weiter im Fall Peggy? Nach der Entlassung des 41 Jahre alten Tatverdächtigen aus der U-Haft, prüfen die Ermittler nun, gegen die Entscheidung des Gerichts Rechtsmittel einzulegen. » mehr

Mordfall Peggy

Aktualisiert am 24.12.2018

Fall Peggy: Tatverdächtiger aus U-Haft entlassen

Im Mordfall Peggy ist der 41-jährige Tatverdächtige wieder auf freiem Fuß. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag berichten, hat das Amtsgericht Bayreuth erlassenen Haftbefehl wieder aufgehoben. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Verkehrsunfall in Konradsreuth Konradsreuth

Unfall in Konradsreuth | 15.01.2019 Konradsreuth
» 5 Bilder ansehen

90er-Party in Schwingen Schwingen

90er-Party in Schwingen | 12.01.2019 Schwingen
» 66 Bilder ansehen

U17-Kreismeisterschaft |
» 137 Bilder ansehen

Autor
Otto Lapp

Otto Lapp

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 12. 2018
14:00 Uhr

Aktualisiert am:
11. 12. 2018
22:37 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".