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Mordfall Sophia: Obduktion stützt Aussage des Angeklagten

Bei der Untersuchung der Leiche von Sophia Lösche findet der Gerichtsmediziner keine Hinweise auf eine Vergewaltigung. Das Opfer war nach den Schlägen schnell bewusstlos.



Am 21. Juni 2018 wurde die Leiche der Anhalterin Sophia Lösche nahe der Autobahn bei der spanischen Ortschaft Asparrena gefunden. Da war die junge Frau aus Amberg nach Ansicht des Gerichtsmediziners bereits seit mehreren Tagen tot.
Am 21. Juni 2018 wurde die Leiche der Anhalterin Sophia Lösche nahe der Autobahn bei der spanischen Ortschaft Asparrena gefunden. Da war die junge Frau aus Amberg nach Ansicht des Gerichtsmediziners bereits seit mehreren Tagen tot.   Foto: Jesus Andrade/El Correo/dpa

Bayreuth - Wann und wie starb Sophia Lösche? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Gutachtens des Erlanger Rechtsmediziners Professor Stephan Seidl vor dem Landgericht Bayreuth. Eine Theorie, die besonders für die Angehörigen qualvoll ist: Die 28-Jährige erlitt ein langes Martyrium, wurde gefesselt und bei lebendigem Leib im Laster des wegen Mordes angeklagten Boujeema L. durch Deutschland transportiert und womöglich erst in Südfrankreich umgebracht, um eine Vergewaltigung zu vertuschen. Dafür hat die Obduktion jedoch keine Anhaltspunkte ergeben. Seidl sagte vielmehr, dass die Ergebnisse der Obduktion zu der Erzählung des Angeklagten passen - wenngleich nicht in allen Punkten.

Seidl erstattete sein Gutachten in dem Fall am 8. Verhandlungstag am Freitag. Er hatte auch das Gutachten der Rechtsmedizinerinnen aus Spanien einzubeziehen und zu bewerten. Dort war Sophia Lösches Leichnam am 21. Juni 2018 in einem Gebüsch gefunden worden. Wie auch die spanischen Kolleginnen stellte Seidl fest, dass der Schädel des Opfers durch mehrere Schläge zertrümmert worden war. Für die linke Kopfseite konnte Seidl mindestens vier Schläge feststellen, für die rechte Kopfseite mindestens einen. Auf der linken Seite fanden sich noch passende Schlagspuren in der Kopfhaut. Der Interpretation seiner spanischen Kollegen, die Verletzungen seien möglicherweise durch unterschiedliche Werkzeuge verursacht worden, konnte Seidl sich nicht anschließen. Beide Verletzungen können seiner Ansicht nach auf den vom Angeklagten Boujeema L. als Tatwerkzeug beschriebenen Radmutterschlüssel zurückgeführt werden.

Seidls Interpretation der Schläge: Das Opfer starb in kurzer Zeit, Schmerzen dürfte Sophia Lösche kaum gespürt haben, denn wegen der Massivität der Schläge war die junge Frau schnell bewusstlos. Der Behauptung des Angeklagten, er habe nach einer ersten Schlagfolge kein Blut gesehen, widersprach Seidl: "Sophia Lösche muss stark geblutet haben." Auch die Einlassung des Angeklagten, er habe Sophia Lösche in einer zweiten Tatphase erneut geschlagen, weil die junge Frau den Kopf gehoben und versucht habe ihn zu packen, ist für den Rechtsmediziner nicht möglich. Jeder einzelne der Schläge gegen den Schädel habe für sich genommen das Opfer bewusstlos und regungslos gemacht.

In seinem Gutachten erläuterte der Rechtsmediziner auch Erwägungen zum Todeszeitpunkt. Die Obduzentinnen in Spanien hatten in ihrem Gutachten den 16. oder den 17. Juni als "frühesten" Todeszeitpunkt bezeichnet. Die Berechnung erfolgt üblicherweise anhand des Entwicklungsstadiums von Fliegenmaden. Das Adjektiv "frühestens" war es, was die Schreckenstheorie der Angehörigen genährt hatte - und es war ein Fehler. Seidl betonte, er habe die spanischen Kolleginnen darauf hingewiesen und diese hätten beteuert: Ja, anstatt "frühestens" müsse es "spätestens" heißen.

Dass die Rechtsmedizin hier nicht genauer sein kann, liegt laut dem Erlanger Gutachter am fortgeschrittenen Verwesungszustand des Leichnams. Dass die Haut des Leichnams in vergleichsweise gutem Zustand war, liege wohl daran, das Sophia Lösche in Plastikmülltüten verhüllt transportiert worden war. Wie lange? Der Angeklagte behauptet, er habe an einem Rastplatz in Südfrankreich derartige Mülltüten aus öffentlichen Behältern genommen. Jenen Rastplatz hatte der Bruder der Getöteten, Andreas Lösche, bislang immer als den wahren Tatort im Auge.

Doch was soll in der Zeit vom 14. Juni bis zum 17. Juni, als der Lastwagen des Angeklagten an dem Rastplatz in Südfrankreich parkte, mit Sophia Lösche geschehen sein? Eine Vergewaltigung? Nicht nachweisbar. Seidl bestätigte, dass im Körper von Sophia Lösche kein Sperma gefunden worden sei. Eine Fesselspur, die zu Lebzeiten gesetzt worden sein könnte, fand sich nicht. Der Angeklagte hatte ausgesagt, er habe das Opfer nach den Schlägen deshalb gefesselt, weil er so weniger Mühe hatte, den Körper in die obere Schlafkoje zu hieven. Tatsächlich zeige die kriminalistische Erfahrung aus anderen Fällen, dass Täter Leichen zwecks besseren Transports fesseln.

Die Persönlichkeit des Angeklagten soll am Montag zum Abschluss der Beweisaufnahme von einem Psychiater beurteilt werden.

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Manfred Scherer
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Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
18:48 Uhr

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Manfred Scherer

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Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
18:48 Uhr



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