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Länderspiegel

Mordprozess gegen Mann aus Raum Naila: Geliebte hörte das Opfer schreien

Am zweiten Tag im Mordprozess Beatrice sagt die Kronzeugin aus. Sie stand vor der Haustür, als der 33-Jährige aus dem Raum Naila seine Freundin tötete.



München - Margarete R. sieht den ganzen Vormittag nicht rüber zum Beschuldigten. Dabei sitzt sie hier, im Saal B 175 des Strafjustizzentrums an der Nymphenburger Straße in München, fast in Reichweite. Die 27 Jahre alte Frau, geboren in Tallinn, Estland, war die Geliebte des sechs Jahre älteren Mannes, der seit Montag wegen Mordes auf der Anklagebank sitzt. Und sie ist so etwas wie die Kronzeugin. Am zweiten Prozesstag vor der Schwurgerichtskammer steht sie im Mittelpunkt. Sie trägt einen dunklen Hosenanzug und wirkt sehr konzentriert, als sie über Stunden erzählt, was an jenem September-Abend 2017 passiert ist.

Die beiden hatten sich vier Monate zuvor an ihrem Wohnort Prag in einem Club kennengelernt. Ein One-Night-Stand, dachten beide. Doch der Kontakt blieb erhalten, Dutzende Nachrichten gingen täglich hin und her. Man traf sich wieder. Erst in Prag, später in Nürnberg und als er von der Firma, bei der auch sie arbeitete, ein Angebot bekam, begann man vorsichtig gemeinsame Zukunftspläne zu schmieden.

Er sei Single, habe er ihr von Beginn an erzählt. So kommt Margarete R. auf die Idee, ihn an seinem Wohnort München zu besuchen, „und er hatte nichts dagegen“. Dass sie im angeblichen Single-Haushalt dann Frauenparfums und Kleider findet, macht sie stutzig. „Aber er sagte, die Sachen gehörten seiner Freundin, die vor ein paar Monaten gestorben sei. Und dass er nicht die Kraft dazu hatte, sie wegzuräumen.“ Margarete R. sieht keinen Grund, an der Version zu zweifeln.

Die beiden verleben ein paar schöne Stunden zusammen, bis er am Abend des zweiten Tages in einem Münchner Restaurant einen Anruf bekommt. Was Margareta R. nicht weiß: Am anderen Ende ist Beatrice F., die langjährige Freundin des jungen Managers. Sie kündigt ihre Rückkehr für die nächsten Minuten an.

Der Geliebten erzählt er, in seinem Haus habe es einen Alarm gegeben. Er müsse schnell nach Hause. Der 33-Jährige ist sichtlich nervös, bekommt Panik. Er hetzt nach Hause, hängt die neue Freundin zwischen U-Bahn und dem Reihenhaus im Ortsteil Bogenhausen ab.

Während er zu spät kommt, weil Beatrice nun ihrerseits Koffer und Kleidungsstücke der Geliebten bereits entdeckt hat, irrt Magdalena R. umher, findet aber schließlich allein zurück. Vor Gericht schildert sie am Donnerstag, was dann passierte. „Ich habe mehrmals geklingelt und an der Tür geklopft“, übersetzt eine Dolmetscherin ihre Aussage. „Dann hörte ich eine Frau schreien und dann bin ich weggerannt.“ Es sei ein „Schmerzensschrei“ gewesen. Voller Angst sei sie weggelaufen.

Auf der anderen Seite der Tür tötet ihr Freund unterdessen seine Lebensgefährtin. Die Tat hat er am ersten Verhandlungstag selbst zugegeben. Eine Mordabsicht, wie sie ihm die Staatsanwaltschaft zur Last legt, um mit seiner Geliebten ein neues Leben beginnen zu können, aber bestreitet er. Vielmehr sei es ein „schreckliches Unglück“ gewesen. Zwei Tage nach der Tat bringt er die Leiche zum Feringasee im Münchner Umland, übergießt sie mit Benzin und zündet sie an.

Der Pragerin erzählt er an jenem verhängnisvollen Abend, er habe mit der Schwester einer einstigen und bereits verstorbenen Freundin einen Disput gehabt. Deshalb die Verletzungen an Hals und Händen. Sie glaubt ihm, bleibt sogar die Nacht über, doch nach einem Ausflug nach Neuschwanstein am nächsten Tag, fährt Margarete R. lieber zurück nach Prag. Ihr ist die Sache unheimlich geworden. Ein paar Tage später erfährt sie aus den Medien, dass Ermittler ihren Geliebten wegen Mordverdachts verhaftet haben – und meldet sich selbst bei der Polizei. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. awu/dpa

 

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Veröffentlicht am:
13. 09. 2018
15:25 Uhr

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