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Länderspiegel

Neuer Mordverdächtiger im Fall Peggy

Spuren bei Knochenresten führten zu Manuel S., der bereits früher im Visier der Ermittler stand. Steht der rätselhafte Fall Peggy jetzt vor einer Wende?



Mit einem Großaufgebot war die Polizei in Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel vor Ort.	Foto: Florian Miedl
Mit einem Großaufgebot war die Polizei in Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel vor Ort. Foto: Florian Miedl  

Lichtenberg/Marktleuthen – Bei den sterblichen Überresten von Peggy fanden die Ermittler die entscheidende Spur. Welche, das behalten sie für sich. Aber sie führten zu dem 41-jährigen Manuel S. aus Lichtenberg, der inzwischen in Marktleuthen wohnt und seit Mittwoch als Beschuldigter im Fall des 2001 verschwundenen Mädchens gilt. Ausgerechnet er, der sich sogar bei der Suche nach ihr beteiligte.

- Hausdurchschungen im Fall Peggy - Foto: Florian Miedl

Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen
Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen
Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen
Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen
Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen
Fall Peggy: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen

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Fall Peggy: Pressestatement von Jürgen Stadter vom Polizeipräsidium Oberfranken
Jürgen Stadter vom Polizeipräsidium Oberfranken äußert sich zu den Ermittlungen im Fall Peggy.
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Ein Pilzsammler war zufällig im Juli 2016 auf die sterblichen Überreste des Mädchens gestoßen. Die anschließende Suche im Wald bei Rodacherbrunn an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze dauerte Wochen. Nicht nur der Schädel und andere Knochen des kleinen Mädchens lagen dort vergraben, auch die Schuhe fanden die Ermittler und ihre blaue Armbanduhr. Aber die Ermittler schleppten auch säckeweise Erdreich aus dem dichten Waldstück, in der Hoffnung auf eine kleine Spur. Die allerdings ergab sich erst jetzt – fast zwei Jahre später.

Es sei „ein entscheidender Schritt, aber noch nicht die Lösung“, sagt Jürgen Stadter, der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, der auch für die Sonderkommission (Soko) Peggy spricht. Ansonsten wird er wortkarg – und verweist auf die Pressemeldung. Dort steht: Manuel S. „rückte auf Grund der Neubewertung bereits bestehender polizeilicher Erkenntnisse zusammen mit jetzt vorliegenden Untersuchungsergebnissen von am Fundort in Rodacherbrunn sichergestellten Spuren wieder in den Fokus.“ Er habe im Zusammenhang mit dem Verschwinden der damals neunjährigen Peggy „für die Ermittler zu einem relevanten Personenkreis“ gezählt. 

Wie berichtet, hat die Polizei am Mittwoch mehrere Anwesen in Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel und in Lichtenberg im Landkreis Hof durchsucht. Auch den Bauernhof von Manuel S. Verhaftet wurde er trotz der schweren Vorwürfe nicht: Laut Stadter wird gegen ihn wegen Mordes ermittelt. Manuel S. hielt sich in seinem Bauernhof auf, wo er auch Bienen züchtet. „Ich weiß nicht, was das alles soll“, sagte er, „die suchen halt jemanden.“ Er könne sich sowieso „an nichts erinnern“.

S. und Ulvi K., der für den Mord an Peggy 2004 verurteilt, dann aber 2014 wieder freigesprochen wurde, waren seit ihren Kindertagen zusammen. Als Peggy verschwunden war, war es ausgerechnet Ulvi K., der Manuel S. ins Visier der Ermittler brachte. Denn er behauptete mehrmals, dass S. die Leiche des Mädchens beseitigt habe. So habe er mitbekommen, dass Manuel S. und sein Freund wüssten, in welchem Fluss sie gefesselt, geknebelt und „mit Steinen beschwert“ liege. Die Leiche weggeschafft zu haben unterstellte er allerdings auch anderen, etwa seinem Vater.

Allerdings nimmt Manuel S. indirekt eine besondere Rolle ein, wenn es um den Schuldspruch des Mordes von 2004 gegen Ulvi K. geht. Es war die Mutter von S., die plötzlich ein Jahr nach dem Verschwinden des Mädchens Ulvi schwer belastete. Sie habe ihn – im Regen – auf der Bank bei der Sparkasse sitzen gesehen. Ein Indiz für die Ermittler, dass Ulvi K. als Täter infrage kam. Vorher allerdings hatte sich die Mutter von Manuel S. nie an dieses wichtige Detail erinnert. Sie sei nicht danach gefragt worden, sagte sie nach Informationen unserer Zeitung, außerdem hielt sie es für nicht wichtig. Und das ausgerechnet, nachdem Ulvi K. ihren damals 24-jährigen Sohn beschuldigt hatte. Die Mutter räumte damals auch ein, dass die Polizei ihrem Sohn „übel mitgespielt“ habe. S. zeigte daraufhin Ulvi K. an – und erinnerte sich ein Jahr danach auch an ein neues, wichtiges Detail: Zwar habe er Ulvi K. am Marktplatz gesehen, dort sei er aber nicht abgebogen, um dem Nachbar einen Topf mit Essen hinzustellen. Sondern nach unten weitergelaufen, zur besagten Bank in der Ortsmitte. So gab es in Lichtenberg einen – aktenkundigen – Streit zwischen den Familien der beiden Söhne, die sich gegenseitig beschuldigten. Trotz einiger Zweifel hielten die Ermittler Manuel S.' Mutter für „sehr glaubwürdig“.

Es folgten schon damals viele Vernehmungen, auch eine Hausdurchsuchung gab es bei Manuel S. Auch sein Telefon überwachten die Ermittler und nahmen DNA-Spuren. Er war Arbeiter in der Fabrik in Lichtenberg, am entscheidenden Montag allerdings hatte er Urlaub, denn er wollte seinen Geburtstag feiern – und mit seiner Mutter Blumen umtopfen. Er will zum Zeitpunkt ihres Verschwindens, etwa kurz nach 13.15 Uhr, bei einer älteren Lichtenbergerin gewesen sein. Die aber erinnerte sich nicht, deren Sohn hielt das für nicht möglich. Als sie verschwunden war, beteiligte er sich an der groß angelegten Suchaktion der Feuerwehr.


Immer wieder gab es Hinweise auf Manuel S., der mit drei Brüdern in Lichtenberg aufwuchs. Ein Lichtenberger will jemanden gekannt haben, der dabei war, als dieser etwas vergraben habe. Oder dass er angespannt ausgesehen habe. Was er genau an diesem trüben Montag, 7. Mai 2001 machte, ist letztlich nicht geklärt.

Ganz klar ist nur eines: Um 15.17 Uhr hob er am Automaten der Sparkasse Geld ab, was eine Kamera aufzeichnete. Trotzdem kamen die Ermittler im Juli 2002 zum Ergebnis, dass S. „als möglicher Täter ausgeschlossen werden“ könne.

Doch die laut Polizeimeldung „Neubewertung bereits bestehender polizeilicher Erkenntnisse“ brachte die Wende. Welche, behalten die Ermittler für sich. Auch, ob etwa Manuel S. Audi von damals eine Rolle gespielt haben könnte. Dieser Wagen wurde damals schon untersucht, allerdings hat die neue Soko auch Autos untersuchen lassen. Mit Ulvi K. hatte Manuel S. ein „Hass“-Verhältnis, das auf ein unangenehmes Erlebnis der beiden in Jugendtagen zurückging. Seitdem will er ihn gemieden haben.

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Otto Lapp
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Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
23:16 Uhr

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Otto Lapp

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12. 09. 2018
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