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Länderspiegel

Patient ist offenbar außer Lebensgefahr

Eine Chinesin hat den Mann in Deutschland angesteckt. Es ist die erste Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb Asiens. Dem 33-Jährigen geht es nach "kurzer, schwerer Bronchitis" wieder besser.



Das neuartige Corona-Virus beschäftigt auch Wissenschaftler in Deutschland. Die Virologen der Uni Marburg sind an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Lungen-Erreger beteiligt.
Das neuartige Corona-Virus beschäftigt auch Wissenschaftler in Deutschland. Die Virologen der Uni Marburg sind an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Lungen-Erreger beteiligt.   » zu den Bildern

München - Die Auskunft, dass es einem Patienten "sehr gut" gehe, gilt normalerweise als Entwarnung. In diesem Fall nicht. Denn zum einen schiebt der behandelnde Arzt gleich auffallend vorsichtig hinterher: "Ich würde das Statement wagen, dass der Mann außer Lebensgefahr ist." Zum anderen weiß man bisher generell recht wenig über die noch namenlose, teils tödlich verlaufende Lungenkrankheit, die sich derzeit mit dem Corona-Virus von China aus verbreitet. Und zum dritten ist jener 33-Jährige, den das Virus jetzt im oberbayerischen Landkreis Starnberg erwischt hat, der erste Fall seiner Art in Deutschland überhaupt.

Angesteckt hat den Mitarbeiter des Automobil-Zulieferers Webasto vor den Toren Münchens eine Kollegin aus dem Zweigwerk in China. Es handelt sich somit um die erste Mensch-zu-Mensch-Ansteckung außerhalb Asiens. Die Chinesin war zu einer Schulung angereist - ohne Symptome, wie Andreas Zapf versichert, der Leiter des bayerischen Landesgesundheitsamts. Erst auf dem Rückflug nach China am Donnerstag vergangener Woche habe die Frau sich krank gefühlt, sei daheim positiv auf das Corona-Virus getestet worden - und am Wochenende habe sie sich, sagt Zapf, ebenso wie der deutsche Konzern-Mitarbeiter "grippig" gefühlt. Die "Symptome schwerer Bronchitis" seien aber schnell wieder abgeklungen: "Am Montagvormittag war der Mann wieder bei der Arbeit."

Nicht lange allerdings. Denn zu diesem Zeitpunkt war die Meldekette schon aktiviert: Die Chinesen hatten die Firma, die unter anderem Cabriodächer herstellt, informiert, die Firma informierte die Gesundheitsbehörden, fünf Stunden danach lag der - positive - Test auf das Corona-Virus vor. Die Behörden zogen den 33-Jährigen aus dem Verkehr.

Derzeit befindet sich der Mann in einem Isolationszimmer auf einer normalen Infektionsstation in Schwabing, mit Zugangsschleuse und Unterdruck. "Bräuchte man nicht", sagt Chefarzt Clemens Wendtner, "aber wir in München sind in der Luxus-
situation, so etwas vorhalten zu können."

In dem Fall ergeben sich viele Fragen, auf die es noch nicht so viele Antworten gibt. Das wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz im bayerischen Gesundheitsamt deutlich. "Neu war", sagt Marin Hoch als Chef der seit 2015 bestehenden bayerischen "Task Force Infektiologie", "dass eine symptomfreie Frau das Virus weitergeben konnte." Deshalb wird nun überlegt, wen das Virus noch befallen haben könnte. Der verheiratete Mann hat ein Kind in einer Kinderkrippe. Mit 40 Personen, so Zapf und Hoch, sei er seit der Schulung am 21. Januar "in engem Kontakt" gestanden. Mögliche weitere Infizierte müssten jetzt "ganz rasch" ermittelt werden. Zeichen der Krankheit habe bisher zwar niemand, aber man informiere und beobachte alle, "denn wir wollen nicht, dass Infektionsketten entstehen."

Den engen Kontaktpersonen habe man zunächst "häusliche Isolierung" empfohlen, heißt es. Für wie lange? Keiner der Experten in München will oder kann darauf eine Antwort geben. Nur: Die bisher bekannte Zeit zwischen Ansteckung und möglichem Krankheitsausbruch liege bei vierzehn Tagen. Wie lange ein Angesteckter überhaupt ansteckend sein kann, weiß niemand. Und wie aussagekräftig die schnellen Tests sind, ist auch noch nicht hundertprozentig klar. Martin Hoch sagt: "Wir stehen da ganz am Anfang. Wir lernen noch."

Autor

Paul Kreiner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 01. 2020
20:50 Uhr

Aktualisiert am:
28. 01. 2020
20:50 Uhr

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Paul Kreiner

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28. 01. 2020
20:50 Uhr

Aktualisiert am:
28. 01. 2020
20:50 Uhr



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