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Länderspiegel

Polizei hatte Hinweise auf geplante Sprengung

Die Tat in einer Bank in Röslau hätte eigentlich verhindert werden sollen. Die Ermittler informierten sich vorher bei den Banken über die Bauweise der Automaten vor Ort.



Die kleine Zweigstelle der Commerzbank in Röslau. Vor dem Gebäude liegen die Glasscheiben der durch die Sprengung geborstenen Fenster und Eingangstür. Im Inneren suchen Spezialisten der Polizei nach Spuren.   Foto: Herbert Scharf

Röslau/Wunsiedel - Fünf Tage nach der Sprengung eines Geldautomaten in der Gemeinde Röslau im Landkreis Wunsiedel stellt sich heraus, dass die Polizei im Vorfeld Hinweise auf die Tat hatte. Wie unsere Zeitung erfuhr, sollte es erst gar nicht zur Explosion kommen. "Ziel war es, die Täter frühzeitig zu erkennen und eine mögliche Tat bereits im Vorfeld zu verhindern", räumt die Medienstelle des Polizeipräsidiums Oberfranken auf Nachfrage unserer Zeitung ein. Ausdrückliche Hinweise, dass gerade die Commerzbank in Röslau als Ziel auserkoren wurde, habe es aber nicht gegeben.

Die Polizei überwachte die Banken im Raum Wunsiedel zuletzt "schwerpunktmäßig", heißt es. Eine Streife der Bundespolizei Selb befand sich vor der Explosion in Röslau bereits in Tatortnähe, was zunächst als Zufall dargestellt wurde. "Auf Grund des Auffindens eines Motorrollers am 30. Juli in Marktleuthen war eine möglicherweise bevorstehende Tatbegehung im Raum Hochfranken nicht auszuschließen. Aus diesem Grund wurde in den Nächten vor der Tat die Region von Zivilkräften bestreift", schreiben Polizei und Staatsanwaltschaft auf Nachfrage unserer Zeitung.

Das schnelle Zusammenkommen der Einsatzkräfte nach der Explosion schien also kein Zufall zu sein. Bereits kurz nach dem Absetzen des ersten Notrufs gegen 3.45 Uhr waren schwer bewaffnete Polizisten vor Ort. In Zeiten dünn besetzter Dienststellen in der Nacht ist dies ein überraschendes Bild. Die Polizei verweist auf ihre hohe Flexibilität bei derartigen Hinweisen: "Keinesfalls würden Polizei und Staatsanwaltschaft einer Begehung von derart schwerwiegenden und in den Folgen nicht zu kalkulierenden Straftaten zusehen. Im vorliegenden Fall war zwar eine Zivilstreife im Raum Marktleuthen unterwegs, konnte die Tatausführung jedoch nicht verhindern."

Im Vorfeld erkundigten sie die Ermittler bei den Geldhäusern, welche Bankautomaten-Modelle in den Räumen stehen. Die Täter leiteten wie üblich Gas in den Innenraum des Gerätes und entzündeten es dann. Ein Vorgang, der wohl nicht bei allen Bankautomaten so leicht möglich ist. Durch die Abfrage sollte wohl der mögliche Ort des Zugriffs ermittelt werden. Ausdrückliche Hinweise darauf, dass die Tat gerade in der Commerzbank Röslau begangen werden sollte, habe es nach Angaben der Polizei nicht gegeben.

Am Tag nach dem Überfall führten die Fahndung der Polizei, aber auch Hinweise aus der Bevölkerung zum Erfolg. Seitdem sitzen zwei 21 und 30 Jahre alte Männer in Untersuchungshaft. Beide sind in den Niederlanden gemeldet. Wie viele Täter insgesamt an der Tat beteiligt waren, ist bisher unklar. Die Kriminalpolizei stehe in Verbindung mit dem Landeskriminalamt in München und den Behörden in den Niederlanden. Sicher ist, dass die Täter kein Geld erbeutet haben. Dafür hinterließen sie 100 000 Euro Sachschaden.

Das Vorgehen der Männer erinnert stark an eine Serie von Geldautomaten-Aufbrüchen, die 2017 und 2018 in Nordrhein-Westfalen und in München die Banken betraf. Die sogenannte Audi-Bande ging nach genau dem Muster vor, das nun auch in Röslau ermittelt wurde. Inwieweit ein Zusammenhang besteht, ist noch nicht klar. Allerdings stammten die Täter in Nordrhein-Westfalen ebenfalls aus den Niederlanden. Die Polizei konnten damals drei der Täter festnehmen, sie müssen sich seit Juni vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten.

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Sören Göpel

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Veröffentlicht am:
05. 08. 2019
19:56 Uhr

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Sören Göpel

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05. 08. 2019
19:56 Uhr



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