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RTL-Detektiv Patrick Hufen über den Volkssport Versicherungsbetrug

Im Fernsehen deckt Patrick Hufen als „Versicherungs-Detektiv“ Betrügereien auf, in seinem normalen Job bei der Huk Coburg reguliert er meist ganz normale Versicherungsfälle.



Jeder zweite Haftpflichtfall ist nicht sauber, sagt Patrick Hufen.   Foto: Ralf Münch

Bayreuth - Beim 10. oberfränkischen Vermittlertag der Versicherungsbranche in der IHK trat er vor gut 80 Kollegen auf – und sprach im Interview mit unserer Zeitung unter anderem vom Volkssport Versicherungsbetrug.

 

Bei RTL sind Sie der Versicherungsdetektiv, eigentlich heißt Ihr Beruf Schadenregulierer – das klingt nicht so sexy, oder?
Patrick Hufen: Ja, das hat 2019 der Sender erfunden. Ich werde ganz oft gefragt: Wie kann ich eine Ausbildung zum Versicherungsdetektiv machen? Und ich muss dann antworten: Schadenregulierer geht, den Versicherungsdetektiv gibt es in der Form nicht.

 

Was sagt denn der Schadenregulierer: Ist Versicherungsbetrug Volkssport?
Hufen: Ja, mit Sicherheit. Es gibt in dem Bereich nur wenig Unrechtsbewusstsein. Ich versuche den Leuten immer klar zu machen: Ihr betrügt ja nicht uns, sondern eure Nachbarn, Freunde und Verwandten, die wegen eures Versicherungsbetrugs im Zweifel dann mehr Prämie bezahlen müssen.

 

Wie viele Fälle sind wirklich faul?
Hufen: Untersuchungen gehen davon aus, dass in der Privat-Haftpflicht jeder zweite Fall Betrug ist. Wobei es natürlich Unterschiede gibt. Es gibt Geschichten, die von A bis Z durchbetrogen sind. Und solche, bei denen der Fall einfach etwas schöngeredet wird, damit es passt. Das Hauptproblem in der Haftpflicht ist, dass der Schaden oft so passiert ist, wie er geschildert wurde – nur eben nicht durch den Dritten, sondern durch mich selber. Allein wenn ich sehe, wie viele fremde Handys runterfallen...

 

Also gibt es genug Material fürs Fernsehen?
Hufen: Jein. Es gibt genug Material, aber wir müssen auch jedem vor dem Fernseher klarmachen, dass es richtig ist, dass wir den Schaden jetzt nicht bezahlen. Denn es gibt ja leider immer noch den Ruf, dass die großen Versicherungen nie bezahlen wollen und die kleinen Versicherungsnehmer bekommen nie ihr Geld. Aber aus einem Bauchgefühl heraus können wir keine Zahlung verweigern. Es braucht immer hieb- und stichfeste Beweise – fürs Fernsehen, aber auch ohne Fernsehen.

 

Aber der erste Impuls, einem Fall nachzugehen, kann schon Bauchgefühl sein?
Hufen: Das ist oft zwingend Bauchgefühl. Man arbeitet eine Art Checkliste ab, und wenn man dann sieht, da sind drei, vier, fünf Punkte, die weg von der Norm sind, dann wird man hellhörig.

 

Wie unterscheidet sich das, was man im Fernsehen sieht, von Ihrem normalen Arbeitsalltag?
Hufen: Wenn ich jetzt sagen würde, das ist eins zu eins dasselbe, stimmt das natürlich nicht. Natürlich muss man im Fernsehen eine Spannung erzeugen. Aber das Grundgerüst ist genau gleich. Wir stellen ja keine Fälle nach, die Kamera begleitet mich bei meiner normalen Arbeit. Das beste Kompliment ist deshalb auch: Mensch, du bist ja genau wie im Fernsehen. Das ist ein Erfolgsrezept der Sendung.

 

Aber Sie sind ja bekannt. Wenn Sie irgendwo hinkommen, denken doch alle sofort: Da ist der Versicherungsdetektiv.
Hufen: Ich habe mich auch manchmal gefragt, ob die Leute gleich denken: Will der mir was unterstellen? Das ist aber nicht der Fall. Das liegt wohl auch daran, dass wir im Fernsehen auch Fälle haben, wo wir am Ende bezahlen.

 

Was war Ihr krassester Fall?
Hufen: Da gibt es natürlich mehrere. Einmal ging es zum Beispiel um einen Einbruchsschaden. Der Geschädigte hatte unter anderem eine Rolex-Uhr als entwendet gemeldet. Das Bauchgefühl sagte: Stadtteil und Rolex passen nicht so richtig zusammen. Der Mann hatte auch angegeben, dass er keinen Kaufbeleg mehr hat. Als er dann die Tür aufgemacht hat, habe ich als erstes gesehen, dass er die Rolex am Handgelenk hat. Da denkt man dann schon, dass einem der Liebe Gott heute etwas Gutes tun will.

 

Wird es für Sie auch mal brenzlig?
Hufen: Überhaupt nicht. Sehr, sehr selten gibt es mal eine negative Grundstimmung. Aber die meisten freuen sich, dass ich komme. Denn die haben ja einen Schaden und wollen, dass sich etwas bewegt.

 

Bei Ihrem Job erlebt man sicher auch Schicksale, schaut man schon mal in Abgründe?
Hufen: Das stimmt. Man kommt schon mal in Wohnungen, wo man selber nicht zwei Stunden leben will. Und es gibt halt auch Menschen, wo man merkt: Wenn ich denen die 100 Euro für die Waschmaschine nicht zahle, dann steht die jetzt vier Wochen still, weil sie kein Geld haben, um die reparieren zu lassen. Das ist schon krass.

 

Kann man da mal ein Auge zudrücken?
Hufen: Wenn das mein Geld wäre, könnte ich das machen. Aber ich verwalte ja das Geld der anderen. Jetzt gibt es ja auch bei der Versicherung nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Grau. Und da hat man vielleicht mal die Möglichkeit, das hellgrauer zu sehen und nicht dunkelgrau. Aber wenn es komplett nicht versichert ist, dann kann ich nicht sagen, ich zahle den Schaden trotzdem.

 

Was passiert mit einem Überführten, gibt es auch strafrechtliche Konsequenzen?
Hufen: Wenn wir jeden kleinen Fall anzeigen würden, dann würden uns die Gerichte aufs Dach steigen. Es kommt auf die Schwere an: Wenn ein Schaden bewusst herbeigeführt wurde oder der Schaden sehr hoch ist, dann gibt es natürlich auch eine Strafanzeige.

 

Sie selber haben noch nicht geschummelt?
Hufen: Nein. Das System ist nun mal so, dass der, der wirklich drei Schäden hat, die auch bezahlt bekommt und dass ich das mit zahle. Aber ich sage den Leuten immer: Das Beste ist, wenn Sie 50 Jahre die Versicherung bezahlen und sie nie in Anspruch nehmen müssen. Denn ein Schaden bedeutet auch Ärger.

 

Fachfrage zum Abschluss: Welche Versicherung braucht man unbedingt? Und welche braucht man eigentlich wirklich nicht?
Hufen: Also eine Surfbrettversicherung braucht man wirklich nicht, wenn man kein Surfbrett hat. Alles andere muss man persönlich abwägen: Was kostet mich die Versicherung und was würde mich ein Schadensfall kosten? Ganz wichtig ist natürlich die Privat-Haftpflichtversicherung. Man denkt, wenn mein Hund beim Nachbarn die Vase für 40 Euro runterschmeißt, dann kann ich das selber zahlen. Aber wenn der Hund auf die Straße läuft, ein Auto ausweicht und eine Fußgängergruppe erwischt – über so etwas reden wir bei der Haftpflicht.

 


ZUR PERSON: Patrick Hufen wurde vor 49 Jahren in Duisburg geboren, wohnt heute noch dort unweit seines Geburtshauses und bezeichnet sich deshalb als überzeugten „Heimatler“. Logische Konsequenz: Hufen ist Fan des Traditionsvereins MSV Duisburg. Dafür müsse man leidensfähig sein, sagt er. Aber das gehe den Fans des 1. FC Nürnberg ja genauso. Hufen ist gelernter Versicherungskaufmann und nach einem Intermezzo im Textilhandelsgeschäft seines Vaters seit jetzt 24 Jahren bei der Huk Coburg. Dort ist er als Schadensregulierer tätig. Bei RTL heißt das dann Versicherungs-Detektiv. Rund 120 seiner realen Fälle hat der Sender in zehn Jahren mit der Kamera begleitet. In seinem Hauptjob betreut Hufen 350 bis 400 Fälle im Jahr – 95 Prozent davon sind eher nicht so aufregend. Aus seiner Zeit in der Textilbranche habe er immer noch ein hohes Verständnis für Mode und gehe deshalb gern shoppen, sagt er – auch mal sechs Stunden mit seiner Frau, die er vergangenes Jahr geheiratet hat.

Autor

Stefan Schreibelmayer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 09. 2019
16:30 Uhr

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Stefan Schreibelmayer

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Veröffentlicht am:
19. 09. 2019
16:30 Uhr



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