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Länderspiegel

Schlag gegen weltweiten illegalen Pillenhandel

Bamberger Staatsanwälte und der Zoll lassen zwei Münchner hochgehen. Sie sollen Millionen mit Potenzmitteln, Krebsmedikamenten und Suchtmitteln gemacht haben.



Unterschiedliche in Deutschland nicht zugelassene Arzneimittel. Zwei Münchner sollen über Jahre containerweise illegale Medikamente über Asien in alle Welt geschickt haben. Foto: Zollfahndungsamt München/dpa
Unterschiedliche in Deutschland nicht zugelassene Arzneimittel. Zwei Münchner sollen über Jahre containerweise illegale Medikamente über Asien in alle Welt geschickt haben. Foto: Zollfahndungsamt München/dpa  

Bamberg - Münchner Zollfahnder und Bamberger Staatsanwälte haben ein weltweit agierendes Netzwerk zerschlagen, das jahrelang mit illegalen Potenzmitteln und nicht zugelassenen Medikamenten Handel trieb. Wie die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelte Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) am Montag mitteilte, wurden bereits am Dienstag der vergangenen Woche zwei 35 und 38 Jahre alte Männer in München festgenommen. Dort befindet sich der Hauptsitz der Firma. Die beiden Beschuldigten sollen über Jahre in Asien gleich containerweise nicht zugelassene oder verschreibungspflichtige Medikamente besorgt haben. Von Singapur aus sollen die Internet-Bestellungen der Endverbraucher direkt per Post in alle Welt versandt worden sein. An ihre Kunden kamen die Täter den bisherigen Ermittlungen zufolge über eine Vielzahl von Webseiten in den verschiedensten Sprachen. Alle wurden offenbar von mehreren in Island stationieren Rechnern aus betrieben.

Allein am Frankfurter Flughafen wurden in den vergangenen fünf Jahren fast 8000 solcher Postsendungen beschlagnahmt, die für deutsche Empfänger bestimmt waren. Auch diese haben sich wegen der illegalen Einfuhr nicht verkehrsfähiger Medikamente strafbar gemacht.

Besonders gefragt waren Potenz- und Abnehmpillen, Antibiotika und Mittel gegen Krebs und HIV. Aber auch Medikamente, die in Australien versuchsweise gegen Covid-19 eingesetzt wurden, fanden reißenden Absatz. Kunden in den USA orderten vorwiegend Schmerzmittel, die wegen Suchtgefahr nicht frei verfügbar sind.

Zudem sollen die beiden Münchner ihre Gewinne dadurch erhöht haben, dass sie das von ihnen geschaffene Netzwerk auch anderen
international agierenden Anbietern zur entgeltlichen Nutzung anboten. Bei den Durchsuchungen wurden Vermögenswerte von über zwei Millionen Euro unter Arrest genommen. Zudem wurden drei hochwertige Sportwagen, Luxusuhren und teure E-Bikes sichergestellt.

Der Zugriff stand am Ende von über zweijährigen intensiven Ermittlungen, an denen neben deutschen auch US-amerikanische Behörden und die europäische Polizeibehörde Europol beteiligt waren. Bereits im Januar 2018 war es zur Zerschlagung der spanischen Vetriebsorganisation der Tätergruppe gekommen. Damals hatte die spanische Polizei insgesamt 25 Verdächtige festgenommen sowie Vermögenswerte von rund 400 000 Euro beschlagnahmt. Mit Unterstützung der spanischen Behörden startete auch die Aktion "Hydra", benannt nach einem Fabelwesen der Antike, dem für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue wachsen. Sie galt den Köpfen der Bande. Als Haupttäter gilt der 38-jährige Münchner, der einschlägig vorbestraft ist.

An dem jetzigen Zugriff waren allein in Deutschland 100 Fahnder des Zolls, Staatsanwälte und IT-Spezialisten der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg beteiligt. Eine Spezialeinheit des Zolls stellte sicher, dass digitale Beweismittel nicht noch im letzten Moment vernichtet werden konnten. Beide Beschuldigte sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Auch im Ausland gegen die Ermittlungen weiter.

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Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
26. 10. 2020
17:54 Uhr

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26. 10. 2020
17:54 Uhr



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