Besonders brisant: Der Halter der Schafe und Ziegen durfte zu diesem Zeitpunkt bereits seit knapp einem Jahr keine Tiere mehr besitzen. Er war im Oktober 2017 zu 600 Arbeitsstunden verurteilt worden. Das Gericht entschied in dem ähnlich gelagerten Fall damals außerdem auf ein Tierhaltungsverbot für eine Dauer von drei Jahren.

Und doch bot sich Amtstierarzt Dr. Matthias Streicher vom bayerischen Veterinäramt ein Anblick, den der Tierarzt vor dem Amtsgericht Bayreuth als „katastrophal“ bezeichnete. Wie konnte es dazu kommen?

Käufer brachten Tiere zurück

Stephan Schultheis, der Verteidiger des 47-jährigen Finanzbuchhalters, erklärte, dass sein Mandant nach dem Urteil aus dem Herbst 2017 sofort versucht habe, seine Herde loszuwerden. Ein Ehepaar aus der Nähe von Forchheim habe ihm die Tiere abgenommen. Geld sei damals keines geflossen. Die Abnehmer änderten ihre Meinung aber wohl recht schnell: Sie hätten seinen Mandanten mehrmals aufgefordert, die Herde wieder abzuholen.

Im August vergangenen Jahres seien die Tiere plötzlich wieder bei ihm vor der Tür gestanden, versehen mit einer unfreundlichen Nachricht der ehemaligen Geschäftspartner. In Eigenregie versuchte der Angeklagte nun, die nach wie vor stark angeschlagenen Tiere erneut loszuwerden. Der richtige Weg, das räumte auch Rechtsanwalt Schultheis ein, wäre der zum Veterinäramt gewesen.

„Jenseits von mager, durch die Bank“

Die Tiere verkümmerten unter der Verantwortung des 47-Jährigen weiter: Es gab im Dürresommer 2018 keinen Unterstand, die verdorrte Wiese reichte als Nahrungsquelle nicht aus. Wie ausgeprägt der Hunger war, stellte Amtstierarzt Streicher im September 2018 fest. „Wenn man Futter vor dem Gehege pflückt und hineinwirft, dann sieht man, wie die stärkeren Tiere die anderen abdrängen und sich begierig draufstürzen“, erklärte der Experte dem Richter Daniel Götz. Auch auf den ersten Blick sei zu sehen gewesen, dass mit der Herde etwas nicht stimmt, so Streicher: „Die Tiere waren jenseits von mager, durch die Bank.“ Erschwerend hinzu kam für den Tierarzt der Zustand der Füße. „Die Hufe waren zu bis zu fünf Zentimeter langen Klauen ausgewachsen, bis zur schärfsten Form. Das dauert Monate, manchmal Jahre.“

Tiere sind wohl verendet

Den Schaden könne man auch nicht auf die Schnelle beheben: Die Sehnen der Tiere seien so umgebaut, der ganze Bewegungsapparat so beeinträchtigt, dass man die Klauen nur in mehreren Sitzungen zurückschneiden könne, ohne noch mehr Schäden zu verursachen. Über den Zustand der Herde könne er heute keine Auskunft mehr geben, sagte Streicher: „Wir wissen nicht, was mit den Tieren passiert ist. Wahrscheinlich ist, dass sie verendet sind.“

Drei tote Hängebauchschweine

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Stephan Lehner, sah sich in seiner Anklage bestätigt und forderte für den 47-Jährigen eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten sowie 180 Arbeitsstunden. Verteidiger Stephan Schultheis blieb in seinem Antrag nahe an dieser Forderung. Er hielt vier Monate und 120 Arbeitsstunden für angemessen. Richter Daniel Götz blieb genau zwischen den beiden stehen und verurteilte den Angeklagten wegen 45 Verstößen gegen das Tierhalteverbot sowie vorsätzliche Tiermisshandlung zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten. Außerdem erhielt er ein weiteres Tierhalteverbot für eine Dauer von zwei Jahren.

Für den Verurteilten kündigt sich allerdings bereits der nächste Ärger an, so Matthias Streicher nach der Verhandlung: Am Freitag fand das Veterinäramt drei Hängebauchschweine, die der 47-Jährige in einem Pferdewagen hielt. Drei weitere lagen tot in Plastiksäcken versteckt unter dem Wagen. Das Landratsamt hat erneut Anzeige erstattet.