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Länderspiegel

Tote Hosen in Top-Form

30 000 Menschen hat die Punk-Band am Wochenende auf den Bayreuther Volksfestplatz gelockt. Der Star unter den Vorbands war eindeutig Feine Sahne Fischfilet.



Enorme Bühnenpräsenz: Tote-Hosen-Sänger Campino. Foto: Peter Kolb
Enorme Bühnenpräsenz: Tote-Hosen-Sänger Campino. Foto: Peter Kolb  

Bayreuth - Drei Vorbands, viele Bierstände: Bereits gegen 17.30 Uhr, als die erste Vorband Triggerfinger mit ihrer Einlage begann, war der Bayreuther Volksfestplatz schon recht gut gefüllt. Rund 30 000 waren da, als gegen 20.45 Uhr die Toten Hosen auf dem Bayreuther Volksfestplatz die Bühne erklommen. Die Stimmung war ausgelassen, der Alkoholpegel entsprechend erhöht. Es war bereits der siebte Auftritt der Punkband in Bayreuth. Schon die ersten Takte von "Auswärtsspiel" veranlassten die Menge zu lautem Jubel.

"Wannsee" durfte nicht fehlen, genauso wenig wie "Eisgekühlter Bommerlunder" und "Hier kommt Alex". Immer wieder bildeten sich sogenannte "Pits", Kreise innerhalb der Menge, in der sich Menschen schubsen und wild herumspringen. Generell hatten die Fans sichtlich Spaß an der Musik um Frontmann Campino - sie sangen meistens lautstark mit. Die Band war am Freitagabend in Topform, lieferte eine einwandfreie Liveshow. Campino glänzte mit einer enorme Bühnenpräsenz, flitzte ständig von einer Stelle zur anderen und bildete klar den Mittelpunkt der Show. Er ließ sich sogar auf der Bühne zu zwei Schnäpsen hinreißen und verteilte auch gleich Schnaps und Weinschorle im Publikum.

Die Band verkörpert noch immer, wenn auch nicht mehr ganz so wild wie früher, Punk, auch wenn die Mitglieder schon etwas in die Jahre gekommen sind. Das merkt man insbesondere an den älteren Liedern, die die Hosen mit Leidenschaft und musikalischer Stärke vortragen.

Die Setlist und Campinos Ansprachen bauten thematisch aufeinander auf und die Lieder reichten von Gesellschaftskritik wie "Sascha ...ein aufrechter Deutscher"; das Stück entstand in den 1990er-Jahren, als Reaktion auf die gewaltsamen Übergriffe auf Asylbewerberheime. Trinklieder und ernstere Stücke wie "Alles passiert" waren zu hören, ebenso gecoverte Lieder von Wegbegleitern oder von Bands, die die Toten Hosen geprägt haben. So beispielsweise "Schrei nach Liebe" von den Ärzten, "TNT" von AC/DC oder "Should I stay or should I go" von The Clash. Selbst Zuschauer, die weit hinten standen, konnten dank hervorragender Technik alles auf den großen Leinwänden in sehr guter Qualität mitverfolgen.

Der Besuch der Toten Hosen in Bayreuth war der erste nach dem Gratiskonzert in Chemnitz. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, dass sich die Band dazu äußern würde. Allerdings versuchten sie hier durch ihre Musik Stellung zu beziehen, etwa mit dem Song "Willkommen in Deutschland". Dennoch konnte sich Campino einen Seitenhieb auf Bundesinnenminister Horst Seehofer, CSU, nicht verkneifen. In Anspielung auf dessen umstrittene Äußerung, die "Migration sei die Mutter aller Probleme", sagte Campino: "Herr Seehofer, passen Sie auf, dass Sie nicht der Vater aller Probleme werden."

"Es war klasse!", sagten Laura Springer (21) und ihr Freund, die zum zweiten Mal gemeinsam ein Hosen-Konzert besucht haben. Das erste Mal in Leipzig liegt einige Jahre zurück. Die Atmosphäre in Bayreuth sei super gewesen: "Es war toll, dass sie eine Mischung aus älteren und neueren Liedern gespielt haben."

Der eindeutige Star unter den Vorbands war Feine Sahne Fischfilet, bemerkbar am lautesten Jubel unter den Vorgruppen. Mit Klassikern wie "Geschichten aus Jarmen" begeisterte die Gruppe die Menge und feierte mit dem Publikum wilde 30 Minuten. Auf der Bühne wurden Bengalos gezündet, der Sänger versorgte die erste Reihe mit Pfefferminzschnaps. Schließlich Stagediving: Sowohl bei den Fans als auch bei Bandtrompeter Max Bobzin - dieser ließ sich auf einem sogenannten "Banana Boat" über die Menge tragen.

Die linke Gruppe ist allerdings umstritten, zeitweise wurde sie sogar vom Verfassungsschutz beobachtet - das hat nicht einmal die AfD bisher geschafft. Der Sänger "Monchi" ließ es sich nicht nehmen, hochpolitische Sätze zu verlautbaren und rief die Masse auf, vor allem hinsichtlich der jüngsten Ereignisse in Chemnitz, auf die Straße zu gehen, anstatt nur zu reden. Auf offener Bühne betitelte Monchi zudem Innenminister Horst Seehofer im Kontext seiner jüngsten Migrationsäußerung als "Arschloch".

Lauter Jubel brach daraufhin aus, insbesondere bei den jüngeren Fans. Ob solch eine öffentliche Verrohung der Sprache und des politischen Umgangs miteinander in diesem sowieso aufgeheizten Diskurs sinnvoll sind? "Das derbe Auftreten hinterlässt schon irgendwie einen Beigeschmack", sagte Laura.

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Vanessa Lutz
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Veröffentlicht am:
09. 09. 2018
22:04 Uhr

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Vanessa Lutz

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09. 09. 2018
22:04 Uhr



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