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Länderspiegel

Unterbringung für Messerstecher aus Marktredwitz

Der 25-Jährige wird in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Er kommt wieder frei, wenn er keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit bedeutet.



Hof/Marktredwitz - Der junge Mann, der am 25. November des vorigen Jahres mitten in Marktredwitz einen Autofahrer niedergestochen hat, wird in der geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses untergebracht. Dies haben am Dienstag die Richter der ersten Strafkammer des Landgerichtes Hof entschieden. Gleichzeitig verurteilten sie den 26-jährigen Sebastian H. zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.

Wie Vorsitzender Richter Carsten Sellnow darlegte, war das Gericht von einem Fall der gefährlichen Körperverletzung ausgegangen. Die Anklage hatte noch auf versuchten Totschlag gelautet. Eine Tötungsabsicht sei jedoch nicht nachweisbar gewesen. Damit schlossen sich die Richter der Bewertung eines Sachverständigen an, wonach die Tat am Ende einer Verkettung von unglückseligen Ereignissen stand, die alle in Zusammenhang mit der schweren psychischen Erkrankung des jungen Mannes stehen.

Diese Psychose entwickelte sich ab dem Jahr 2013 nach einem schweren Verkehrsunfall. Sebastian H. war als Beifahrer in einem Auto gesessen, das ein Freund mit Selbstmordabsicht gegen einen Zaun lenkte. In der Folge wurde er immer mehr von Stimmen bedrängt, die all sein Tun abfällig bewerteten. Um sie zu übertönen, griff er zu Drogen. Zudem litt er unter verschiedenen Wahnvorstellungen und Ängsten.

In den Tagen vor der Tat empfand er Todesangst, als er in einer engen Gasse einen Automotor aufheulen hörte. Zudem hatte er Angst vor einem gewalttätigen Bekannten. Im Lichte seiner Krankheit lässt sich nachvollziehen, warum er am 25. November mit einem Küchenmesser zu einem Spaziergang aufbrach - mit möglichst langer Klinge, um sich mögliche Feinde vom Leib halten zu können.

Von alldem ahnte aber der 59-jährige Autofahrer aus Konradsreuth nichts, der in der Klingerstraße anhielt und Sebastian H. fragte, warum er hinter ihm her schimpfte. Der Angriff mit dem Messer kam für ihn völlig unvermittelt. Sechs Stiche in den Oberkörper brachten den Konradsreuther in akute Lebensgefahr. Allerdings ließ Sebastian H. von ihm ab, als er sicher sein konnte, dass sein Opfer sterben würden. Daher hatte auch Staatsanwalt Martin Fuchs in seinem Plädoyer keine Tötungsabsicht mehr angenommen. Er beantragte wegen gefährlicher Körperverletzung eine Strafe von fünf Jahren und acht Monaten. Von der Notwendigkeit einer Unterbringung waren alle Prozessbeteiligten überzeugt, einschließlich des Angeklagten und seines Verteidigers Christian Pfleger.

Vorsitzender Richter Carsten Sellnow wandte sich in der Urteilsbegründung an Sebastian H. und versicherte ihm: "Die Unterbringung ist für alle das Beste - für die Allgemeinheit und für Sie selbst." Ein Gutachter hatte Sebastian H. gute Chancen prognostiziert, dass er nach einer geglückten Behandlung die Forensik nach einigen Jahren wieder verlassen könne. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig, da neben Staatsanwalt und den Verurteilten auch das als Nebenkläger auftretende Opfer auf Rechtsmittel verzichtete.

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Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
10. 07. 2019
00:00 Uhr

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Hof Marktredwitz
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