Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Länderspiegel

Untreueverdacht in Bank: Rätselraten um die Millionen

Der der Untreue beschuldigte Bankvorstand hielt zwei Jahre eine Fassade aufrecht. Nach dem Geld wird fieberhaft gesucht. In Emtmannsberg gibt es derzeit nur ein Thema.



Für die Bank in Emtmannsberg bedeutet der Fall um Stefan L. einen tiefen Einschnitt.
Für die Bank in Emtmannsberg bedeutet der Fall um Stefan L. einen tiefen Einschnitt.   Foto: Manfred Scherer

Emtmannsberg - Im Fall der Millionenuntreue in der Raiffeisenbank Emtmannsberg suchen die Ermittler nach wie vor nach dem Geld, das Vorstand Stefan L. beiseite geschafft haben soll. Klar ist: Er saß an einer Stelle in der Bank, wo er Zugriff auf die Kasse und die Buchführung hatte.

Der seit vergangenem Freitag in Untersuchungshaft sitzende Banker stammt aus Norddeutschland, lernte dort den Beruf des Bankkaufmanns. Er kam nach Bayreuth, um hier an der Universität Jura zu studieren. In der Emtmannsberger Bank war L. seit 20 Jahren angestellt, seit etwa 18 Jahren war er geschäftsführender Vorstand - zuletzt zusammen mit Jan Kalbitz. Kalbitz sagt auf Anfrage, er selbst habe den Markt, das Marketing und das Personal als Kernaufgaben, sein Geschäftsführerkollege die sogenannte "Marktfolge", also unter anderem das Rechnungswesen, die Kasse und die Buchhaltung.

Auf seinem Posten konnte L. nach den bisherigen Ermittlungen der Kripo und der Staatsanwaltschaft Hof knapp zwei Jahre unbemerkt Unterlagen frisieren. Der externe Buchhalter, der die Bilanz der Bank erstellte, verwendete auch solche Unterlagen, die ihm die Bank vorlegte. Laut den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler sind, wie berichtet, rund zwei Millionen Euro weg. "Für unsere kleine Bank eine immense Summe", sagt Vorstand Kalbitz.

Seit dem Jahr 2017 soll L. Gelder abgezweigt haben, wohin - das ist nach wie vor unklar. Am besten wüsste das Stefan L. Gibt er sein Wissen preis oder hat er das vielleicht schon getan?

Auf die Frage, ob es in dem Verfahren gegen L. möglicherweise schon eine Einlassung oder gar ein Geständnis des Beschuldigten gibt, sagte Reiner Laib von der Staatsanwalt Hof, zurzeit könnten keine weiteren Auskünfte erteilt werden.

2017 bis 2019 - das sind ungefähr zwei Jahre, in denen L. nach außen weiter der beliebte Mann war, der im Verein bei der BTS ehrenamtliche Aufgaben übernahm, der sich als Gesicht seiner Bank präsentierte, wenn es um Sponsoring, Spendenaktionen oder Pressetermine ging. Der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende der geschädigten Bank, Emtmannsbergs Bürgermeister Thomas Kreil, sagt: "Er war ein begnadeter Netzwerker." Umso größer sei bei ihm "der Schock" gewesen, als er von den Vorwürfen erfuhr. Kreil denkt an die Familie, die Stefan L. immer sehr wichtig gewesen sei. Er könne sich vorstellen, dass die Kinder von Stefan L. besonders betroffen seien.

Im Rückblick, so sagt Kreil, habe man L. nichts angemerkt. Dass L. auf großem Fuß gelebt habe, könne er keineswegs sagen - allerdings: Seit einigen Jahren habe er bei ihm eine gewisse "innere Unruhe" verspürt.

Für die Bank bedeutet der Fall einen Einschnitt. Jan Kalbitz, der zurzeit alleine Geschäftsführer ist, aber bald einen zweiten Kollegen nach dem Vier-Augen-Prinzip an die Seite bekommen soll, meint: Man müsse gut überlegen, ob bei der Neubesetzung der Stelle auch eine Neuregelung der Aufgabenverteilung mit einem engeren internen Kontrollsystem infrage komme.

Wer so viel Geld braucht, wie L. veruntreut haben soll, muss damit möglicherweise Löcher stopfen. Einen Hinweis liefert eine Anwohnerin des Hofgartens in Bayreuth: Dort hat Stefan L. vor gut vier Jahren in Wurfweite zur Villa Wahnfried ein Haus gekauft. Seit vier Jahren sei auf der Baustelle kaum etwas vorangegangen - bis vor vier Wochen: Da wurde das Dach neu eingedeckt.

Thomas Kreil kennt die Immobilie und meint nach dem, was er damals von Stefan L. erfuhr: Dieses Objekt sei normal finanziert.

Autor

Manfred Scherer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 06. 2019
19:30 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Bankenmanager Bankkauffrauen und Bankkaufmänner Bankvorstände Beruf und Karriere Buchhalter Ermittler Staatsanwaltschaft Staatsanwaltschaft Hof (Saale) Staatsanwälte Unterschlagung und Veruntreuung
Emtmannsberg
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Soll mit den Geldentnahmen seine teure Jagdleidenschaft finanziert haben: Torsten R. Foto: Joachim Dankbar

06.12.2019

Staatsanwaltschaft fordert neun Jahre Haft

Ein Insolvenzverwalter aus Bayreuth soll die Konten insolventer Firmen geplündert haben. Die Anklage spricht von einer erheblichen kriminellen Energie. » mehr

Fahndungsfoto gesprengter Geldautomat Röslau

11.03.2020

Prozess: Schnelle Sprengung des Geldautomaten, schnelle Flucht

In Hof läuft ein Prozess gegen drei Bankräuber. Sie hatten es auf einen mit mehr als 140.000 Euro gefüllten Geldautomaten in Röslau abgesehen. » mehr

Ist diese Brotzeit 6,50 Euro Wert? Ja, sagt Martin Abt, Geschäftsführer der Diakonie Hochfranken. Etliche dort angestellte Pflegekräfte kommen zu einem anderen Urteil. Foto: privat

Aktualisiert am 06.05.2020

Keine Ermittlungen wegen "Heldenessen" gegen AWO

Die Staatsanwaltschaft Hof geht nicht gegen den Sozialverband in Kulmbach vor. Deren Umgang mit den sogenannten Heldenessen habe keine Vorgaben des Staates verletzt. » mehr

Justitia braucht manchmal länger, sich zu entscheiden.	Foto: Arne Dedert/dpa

24.06.2020

L-Betrugsverfahren eingestellt

In Hof sitzen Männer vor Gericht, die das Bundesamt für Güterverkehr getäuscht haben sollen. Der Prozess ist schnell vorbei. » mehr

18.06.2019

Untreueverdacht in Bank: Vorstand festgenommen

Ein Banker aus dem Landkreis Bayreuth soll Gelder in Millionenhöhe in seine Tasche umgeleitet haben. Wie groß das Ausmaß tatsächlich ist, versucht nun die Polizei zu klären. » mehr

Fußtritt. Symbolfoto. Fußtritt. Symbolfoto.

08.05.2020

Prozess: Hofer soll Mann brutal gegen den Kopf getreten haben

Ein 23-Jähriger tritt am Hofer Hauptbahnhof auf einen anderen Mann ein. Vor Gericht ist er über die Tat selbst verwundert. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Aktion von "Fridays for Future" am Kugelbrunnen in Hof Hof

Aktion von "Fridays for Future" in Hof | 03.07.2020 Hof
» 16 Bilder ansehen

Mini-Stadtfest am Wochenmarkt in Rehau

Mini-Stadtfest in Rehau | 05.07.2020 Rehau
» 52 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor

Manfred Scherer

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 06. 2019
19:30 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.