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Länderspiegel

"Viele Dinge wurden fehlgeleitet"

Falsche Informationen, die über soziale Medien verbreitet werden, sieht Michaela Kaniber als Hauptgrund für die schlechte Stimmung unter den Bauern.



Interview: mit Michaela Kaniber, bayerische Landwirtschaftsministerin
Interview: mit Michaela Kaniber, bayerische Landwirtschaftsministerin  

Frau Kaniber, die oberfränkischen Bauern haben Sie nicht gerade freundlich begrüßt. Es gab Pfiffe, das "Versöhnungsgesetz" wurde auf Plakaten als "Söders Verhöhnungsgesetz" bezeichnet. Sind Sie gerade auf dem Weg nach Canossa?

Gar nicht! Ich weiß, was passiert ist. Wir haben viele Fehlinformationen geleistet. Nicht von uns aus. Es wurde über Dinge spekuliert. Bedauerlicherweise müssen wir das jetzt wieder auf die Spur bringen. Deswegen bin ich da. Mir ist es ganz wichtig, mit den Landwirten zu reden und zu erklären, was in diesem Begleitgesetz steht und was wir für unsere Bauern alles schaffen wollen. Es ist wichtig, mit der Bauernschaft zu reden, gerade weil so viele Fehlinformationen im Umlauf sind.

 

Wissen Sie, wie diese
Fehlinformationen entstanden sind?

Wir haben mitbekommen, dass über soziale Medien oder Whatsapp-Gruppen wirklich viele Dinge fehlgeleitet werden. Deswegen habe ich gesagt, ich muss mit den Leuten selbst sprechen, weil vieles so nicht stimmt.

 

Ein ganz großer Kritikpunkt der Bauern ist, dass die Regierung in ihr Eigentum eingreift. Stimmt das dann auch nicht?

Das kann man pauschal nicht sagen. Wir haben viele Dinge aus dem ursprünglichen Volksbegehren herauslösen können.

 

Spielt die CSU gerade der
ÖDP, die ja das Volksbegehren
initiiert hat, in die Hände?

Um Gottes Willen! So darf man das auf keinen Fall stehen lassen. Für uns ist es elementar wichtig, dass unsere Landwirtschaft ganz ordentlich weiterarbeiten darf - nach der herkömmlichen, guten, fachlichen Praxis. Die sind alle top ausgebildet. Wir müssen schauen, dass wir Natur und Landwirtschaft auch wieder ein Stück weit versöhnen und den Leuten aufzeigen, was Landwirtschaft wirklich alles leistet. Wir haben es offenbar in der Vergangenheit versäumt, zu erklären, was die Kulturlandschaftsprogramme und Vertragsnaturschutz bedeuten. Wir haben es auch versäumt, das vor allem der städtischen und der wohlhabenderen Klientel zu vermitteln.

Im Vorfeld der Europawahl gibt es
immer wieder Kritik an dem riesigen Agrarhaushalt. Es gibt Klagen, dass
die Landwirtschaft bevorzugt wird und das nicht einmal im Sinne der Bevölkerung erfolgt. Wie vermitteln Sie das?

Was hier formuliert wurde, ist eindeutig zurückzuführen auf die Nachkriegszeit. Damals war es kaum möglich, günstige Lebensmittel zu bekommen. Damals hat man diese Ausgleichszahlungen geschaffen. Ich glaube, die Bauernschaft selbst wäre die glücklichste Branche, wenn sie es so hinbekommen würde, dass der Verbraucher diesen Anteil auch selber leisten würde. Dann bräuchte es auch keine Ausgleichszahlungen. Wenn man das jetzt in Zusammenhang mit den Umweltmaßnahmen bringt, kann ich nur sagen: Bei der zukünftigen gemeinsamen Agrarpolitik in Europa wird genau das verhandelt. Ich glaube, dass wir da in Bayern Vorreiter sind mit 293 Millionen Euro im Kulturlandschaftsprogramm und 40 Millionen Euro im Vertragsnaturschutz. Das soll uns erst einmal jemand nachmachen, was die Landwirte in Bayern für das Land leisten. .

Die CSU will in der ersten Säule der
Förderkulisse die Förderung nach Fläche beibehalten. Andere Parteien wollen
das anders. Was können Sie in der
Ausgleichsdiskussion überhaupt leisten?

Wir haben in Bayern die Kleinstrukturiertheit der bäuerlichen Betriebe. Wir würden das gern aufrechterhalten. Der Trend der letzten Jahre, dass man große agrarwirtschaftliche Industriebetriebe gefördert hat, gefällt uns auch nicht. Deswegen fordert ja Bayern ganz klar, die Unterstützung in den ersten Hektaren am besten zu verdoppeln und die großen Betriebe in den Förderzahlungen ab 100 000 Euro zu kappen.

 

Haben die kleinen und mittleren
Bauern überhaupt eine Chance gegen die Großbetriebe, die schon für Finanzinvestoren interessant geworden sind?

Wir haben in Bayern gar nicht diese Flächen, wie es im Osten Deutschlands der Fall ist. Deswegen legen wir ja hier den größten
Wert darauf, dass wir auf mehreren Standbeinen eine Krisenfestigkeit herstellen können. Wir legen größten Wert auf Klasse statt Masse. Das trägt auch die bayerische Bauernschaft und deren Produkte in die ganze Welt hinaus. Das Gespräch führte Melitta Burger

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
00:00 Uhr

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Melitta Burger

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22. 05. 2019
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