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Warum wir uns küssen

Viele Paare zeigen sich zum Valentinstag ihre Liebe mit kleinen oder größeren Geschenken - und mit einem Kuss. Er gehört vielleicht zu den schönsten Dingen des Lebens - und hat eine lange Tradition.



Warum wir uns küssen
Warum wir uns küssen  

Ob Blumen, romantisches Abendessen oder ein paar gefühlvolle Worte - am Valentinstag, der am 14. Februar gefeiert wird, zeigen sich viele Paare mit kleinen oder größeren Geschenken, wie sehr sie sich lieben. Und natürlich wird an diesem Tag auch besonders gern gekuschelt und geküsst. Aber woher kommt das Küssen eigentlich?

Die Kuss-Forschung

Mit dem Küssen beschäftigt sich sogar eine eigene Forschungsdisziplin: die Philematologie. Der Begriff Philematologie setzt sich aus den altgriechischen Wörtern "philema" für "Kuss" und "logos" für "Lehre" zusammen.

Philematologen haben beispielsweise herausgefunden, dass zwei Drittel der Menschen weltweit den Kopf beim Küssen nach rechts neigen. Außerdem haben sie errechnet, dass jeder Mensch in 70 Lebensjahren im Schnitt mehr als 76 Tage mit Küssen verbringt.

Nicht nur Menschen küssen sich. Auch bei Schimpansen kommen Küsse als Zeichen der Zuneigung vor, vor allem unter Bonobos. Allerdings seltener als beim Menschen.

Die Antwort auf diese Frage ist unter Wissenschaftlern bis heute umstritten. Der Wiener Nervenarzt Sigmund Freud war Anfang des 20. Jahrhunderts davon überzeugt, dass das Küssen aus dem Saugen von Babys an der Mutterbrust entstanden ist. Das Bedürfnis, gestillt zu werden, lege der Mensch nie ab - und versuche zeitlebens, dieses Verlangen mit Küssen zu befriedigen. Einige Jahre später äußerte der britische Zoologe Desmond Morris die Vermutung, das Küssen habe sich aus einem Fütterungsritual entwickelt, bei dem vorgekaute Nahrung von der Mutter zum Kind weitergegeben wurde. Eine weitere These ist, dass sich unsere Vorfahren zur Kontaktaufnahme gegenseitig im Anal- und Genitalbereich beschnüffelten und ableckten. Das könnte schwierig geworden sein, als sich unsere Ahnen aufrichteten und begannen, auf zwei Beinen zu gehen. Daher könnten sie das Ritual einfach nach oben zum Mund verlagert haben.

 

Welche Theorie zutrifft, ist bis heute nicht geklärt. Unstrittig ist, dass es beim Küssen in erster Linie darum geht, Zuneigung und Liebe auszudrücken. Neuere Untersuchungen von Neurologen und Sexualforschern zeigen außerdem, dass Küssen eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl spielt. Denn beim Küssen setzt das Gehirn nicht nur Glückshormone frei. Es werden auch Geruchs- und Botenstoffe ausgetauscht, die im Speichel, der Zunge und der Mundschleimhaut enthalten sind. Diese Stoffe nehmen wir beim Riechen und Schmecken wahr - und sie verraten uns, ob unser Gegenüber der geeignete Partner für uns sein könnte. Denn nur wer angenehm riecht und schmeckt, kommt in die engere Auswahl.

Doch auch die Art des Küssens ist entscheidend, sagt der Berliner Psychotherapeut und Autor Wolfgang Krüger, der in seinem Buch "So gelingt die Liebe" Tipps fürs Küssen und für eine glückliche Partnerschaft gibt. "Die meisten Frauen lassen sich auf keine Beziehung mit einem Mann ein, den sie nicht gut küssen können", erklärt der Experte. "Sie spüren, dass die Art des Küssens viel über den anderen aussagt: sein Temperament, seine Fähigkeit zur Kooperation, zum Zuhören, aber auch zum Ausdrücken eigener Gefühle." Insofern sei das Küssen - ähnlich wie das Tanzen - ein deutlicher Hinweis darauf, wie später die Partnerschaft laufen wird.

Einen guten Küsser zu finden sei indes ein Glücksfall, meint Krüger. Denn Küssen erfordere ganz unterschiedliche Eigenschaften: "Man muss zuhören können, aber körperlich auch reden, man muss das richtige Tempo, die richtige Intensität finden."

Aber es gibt nicht nur den leidenschaftlichen Kuss auf den Mund, sondern auch den liebevollen, den freundschaftlichen, etwa auf die Stirn oder die Wange. Man küsst seine Kinder, begrüßt damit Freunde, und bei einigen Tierliebhabern bekommt sogar das Haustier ab und zu einen Schmatzer. Manche Menschen küssen auch religiöse Symbole als Zeichen der Ehrerbietung. Dabei ist Küssen keineswegs auf der ganzen Welt verbreitet. "Nur die Hälfte der Kulturen praktiziert den romantischen Kuss", erklärt Wolfgang Krüger. "Er ist in Europa normal, in Nordamerika seltener und in Südamerika sehr selten." In manchen Kulturen werde das Küssen in der Öffentlichkeit als peinlich empfunden, so etwa in Japan.

Hierzulande gehört es heute zum alltäglichen Bild, dass Menschen sich auf offener Straße küssen. Dabei, sagt der Psychologe, sei Küssen viel intimer und emotionaler als Geschlechtsverkehr. "Sex gibt es ohne Liebe, aber Küsse haben fast eine politische Botschaft: Hier lieben sich zwei Menschen - und dies ist grenzüberschreitend", sagt Krüger. "Hier sind die Geschlechter egal, das Alter, die Nationen."

Wer gerne küsst, kann aber nicht nur ein politisches Statement abgeben, sondern auch etwas für seine Gesundheit tun. Denn das Küssen bringt den Stoffwechsel auf Trab, und die Pulsfrequenz steigt. "Wir sind weniger anfällig für Bluthochdruck und sogar für eine Depression", sagt Krüger. Zudem sei der ausgetauschte Speichel auch gut für das Immunsystem und die Zähne, da antimikrobielle Enzyme Karies und Parodontose vorbeugen. Und zudem sei das Küssen ein prima Anti-Aging-Mittel: "Es ist erwiesen: Wer viel küsst, hat weniger Falten, da dabei alle 34 Gesichtsmuskeln auf einmal trainiert werden."

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Caroline Friedmann
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Veröffentlicht am:
13. 02. 2020
19:06 Uhr

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Caroline Friedmann

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Veröffentlicht am:
13. 02. 2020
19:06 Uhr



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