Lade Login-Box.
Topthemen: Kommunalwahl 2020Bilder vom WochenendeHof-GalerieBlitzerwarner

Länderspiegel

"Was jetzt passiert, hat eine neue Qualität"

Warum versperren Neugierige Rettern den Weg? Psychologin Dr. Silvia Oßwald-Meßner vom Fachbereich Polizei an der Hochschule für den Öffentlichen Dienst in Fürstenfeldbruck, erklärt es.



Frau Dr. Oßwald-Meßner, was macht Menschen zu Schaulustigen?

Das ist eine Grundeigenschaft von uns Menschen: Wir sind einfach neugierig. Das muss erst einmal noch nichts Schlechtes sein. Wir wollen etwas Neues sehen, uns in Maßen gruseln. Menschen mögen einen gewissen Thrill. Deshalb schauen sie Horrorfilme, fahren Achterbahn oder üben Fallschirmspringen. Das Gaffen vereint diese Grundbedürfnisse nach Außergewöhnlichem, Aufregendem.

 

Bei manchen Menschen geht das aber so weit, dass sie etwa bei Unfällen nicht nur gucken, sondern Polizei und Rettungskräfte behindern.

Was jetzt passiert, hat tatsächlich eine neue Qualität. Das kann ich auch nicht allein mit der Sensationslust der Menschen erklären. Wenn Menschen nur schauen, was da los ist, schaden sie ja noch niemandem. Wenn sie aber die Rettungsgasse verstellen, Rettungskräfte an ihrer Arbeit hindern oder sie sogar beschimpfen, schaden sie den Unfallopfern auf jeden Fall aktiv. Dieses Verhalten hat auf jeden Fall zugenommen.

 

Warum scheinen hier die Regeln des guten Umgangs miteinander zu versagen?

Ich denke, dass viele Menschen nicht darüber nachdenken, ob das, was sie machen, gut oder schlecht ist. Die Situation zieht sie völlig in ihren Bann. Die Gruppendynamik tut das Ihrige dazu. Wir Menschen sind so gepolt, dass wir uns an der Gruppe orientieren. Wenn alle gucken, machen wir das auch.

 

Das klingt ja ziemlich pessimistisch ...

Es ist auch nicht die einzige Konstante, die uns Menschen ausmacht. In uns verankert ist auch das Bedürfnis zu helfen. Nur ist die Neugierde in solchen Situationen oft stärker. Exzessive Gaffer leiden wahrscheinlich an einem Mangel an Einfühlungsvermögen. Sie können sich schlecht in die Situation anderer Menschen hineinversetzen. Leider verhindern sie mit ihrem Verhalten manchmal schnelle lebensrettende Hilfe.

 

Wie bewerten Sie die Rolle der sozialen Medien in diesem Zusammenhang?

Das Verbreiten von Fotos und Videos, zum Beispiel von Unfällen, hat zugenommen, weil praktisch jeder heute die technische Möglichkeit dazu hat. Und dann sind wir als Nutzer der sozialen Netzwerke natürlich auch schuld. Denn solche Fotos und Videos werden durch Klicks, Likes und Kommentare immer noch honoriert, nicht sanktioniert. Was wir brauchen, ist die Verurteilung von Gaffern, die Polizei und Rettungskräfte behindern und das Leid der Opfer ins Internet stellen.

 

Wie soll das konkret geschehen?

Wir brauchen härtere Strafen und Aufklärungskampagnen, was bei Unfällen und Katastrophen zu tun ist. Aber auch die Gesellschaft muss nachziehen. Wir müssen uns einig sein, dass wir keine Gaffer wollen, die die Arbeit der Einsatzkräfte stören. Die Polizei sollte auch nicht alleine mit Gaffern diskutieren müssen. Wer Gaffer sieht, der sollte sie von sich aus zurechtweisen.

 

Das Gespräch führte Gertrud Pechmann

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 05. 2017
20:03 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Hochschulen und Universitäten Polizei Psychologinnen und Psychologen Rettungsdienste Sensationslust Öffentlicher Dienst und Verwaltung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Warum wir uns küssen

13.02.2020

Warum wir uns küssen

Viele Paare zeigen sich zum Valentinstag ihre Liebe mit kleinen oder größeren Geschenken - und mit einem Kuss. Er gehört vielleicht zu den schönsten Dingen des Lebens - und hat eine lange Tradition. » mehr

Aktualisiert am 08.01.2020

Toter in Bayreuther Hofgarten gibt Rätsel auf

Einen schrecklichen Fund machte am Mittwoch ein Passant in einem Kanal im Bayreuther Hofgarten: Im Wasser trieb ein Toter. » mehr

An das Coburger Designforum sollen 300 000 Euro aus dem Nachtragshaushalt fließen.	Foto: F. Wunderatsch

04.02.2020

40 Millionen Euro für 100 Einzelprojekte

Der Nachtragshaushalt steht ganz im Zeichen regionaler Projekte. Auch nach Oberfranken fließen Gelder. » mehr

Frauen an der Universität Bayreuth

Aktualisiert am 05.02.2020

Bayreuth: Uni hebt Numerus clausus für BWL-Studium auf

Die Universität Bayreuth hat ihre Zulassungsbeschränkung für das Bachelorstudium der Betriebswirtschaftslehre (Bachelor of Science) aufgehoben. » mehr

Vorlesestunde im Kindergarten. Damit eine liebevolle Betreuung der Kinder weiterhin möglich ist, setzen evangelische Kitas verstärkt auf Quereinsteiger. Fotos: Arno Burgi/dpa-Archiv, privat (2)

26.01.2020

Kita-Personal verzweifelt gesucht

Den Kindertagesstätten gehen die Fachkräfte aus. Träger und Gewerkschaften sehen auch die Politik in der Pflicht. Und es gibt neue Ideen, um mehr Erzieher zu gewinnen. » mehr

fpnd_autonom_5sp

21.01.2020

Selbstfahrende Busse in Hof, Rehau und Kronach

Aus dem Labor auf die Straße: In drei oberfränkischen Städten soll es noch in diesem Jahr bei der Erprobung des autonomen Fahrens ernst werden. Im Blickpunkt stehen dabei aber nicht die Spitzenmodelle von Nobelhersteller... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Faschingsumzug in Schönbrunn Schönbrunn

Faschingsumzug in Schönbrunn | 22.02.2020 Schönbrunn
» 150 Bilder ansehen

Narrentreiben Stadtsteinach

Narrentreiben Stadtsteinach | 24.02.2020 Stadtsteinach
» 106 Bilder ansehen

VER Selb - EV Lindau Islanders Selb

VER Selb - EV Lindau Islanders | 23.02.2020 Selb
» 41 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 05. 2017
20:03 Uhr



^