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Wenn Nazi-Morde nicht ins schöne Bild passen

Der Frankenwaldverein tut sich offenbar schwer mit der Information über Kriegsverbrechen. In seiner Vereinszeitschrift will er nicht darüber berichten.



Wenn Nazi-Morde nicht ins schöne Bild passen
Wenn Nazi-Morde nicht ins schöne Bild passen  

Kulmbach - Der Frankenwaldverein hat einen problematischen Umgang mit NS-Unrecht, das zum Kriegsende 1945 im Frankenwald geschah. Diesen Schluss lässt ein Brief des Hauptvorsitzenden Dieter Frank an den Heimatforscher Horst Mohr aus Berlin zu.

Mohr ist im Frankenwald aufgewachsen und seit mehr als 50 Jahren Mitglied im Frankenwaldverein. Er hatte im August 2017 bei der Ortsgruppe Nordhalben einen Vortrag über seine neuesten Rechercheergebnisse zur regionalen NS-Geschichte gehalten. Dabei ging es unter anderem um die Erschießung eines desertierten Wehrmachtssoldaten zum Kriegsende 1945 in Nordhalben, um Todesmärsche von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern zum Kriegsende 1945 durch den Frankenwald sowie um Euthanasieopfer aus dem Frankenwald. Die Rechercheergebnisse, über die in der Region kaum etwas bekannt war, hatte Mohr aus Archiven und Gedenkstätten erhalten. Nach seinem erfolgreich verlaufenen Vortrag bot Mohr der Geschäftsstelle des Frankenwaldvereins in Naila schriftlich an, die Erkenntnisse im Heimatmagazin des Vereins "Frankenwald" zu veröffentlichen. Einen Entwurf für den Artikel gab es damals nicht, sondern nur eine allgemeine Anfrage. Daraufhin erhielt Mohr die Auskunft, dass sich die Verantwortlichen mit dem Vorschlag beschäftigten, aber derzeit kein Platz in der Zeitschrift sei. Die ganze Sache zog sich hin, Mohr fragte nach und erhielt schließlich im März 2019 einen Brief des Hauptvorsitzenden Dieter Frank, der unserer Zeitung vorliegt. Das Anliegen von Mohr sei mittlerweile im Hauptausschuss des Frankenwaldvereins ausführlich diskutiert worden, teilte Frank mit. Das Gremium sei der Meinung gewesen, dass das Thema ",Kriegsverbrechen im Frankenwald’ kein passendes Thema für unsere Zeitschrift ist" und sich verschiedene Fachzeitschriften für eine Veröffentlichung besser eigneten. Und weiter: "Wir möchten es Nordhalben und dem Frankenwald ersparen, unnötigerweise in ein schlechtes Licht gerückt zu werden." In der aktuellen politischen Lage in Deutschland könne schnell eine Stadt oder Region in Misskredit geraten, wenn diese mit "rechtsnationalen Tätigkeiten in Verbindung gebracht werde".

Die Vereinszeitschrift solle "die Schönheiten und die positiven Aspekte unseres Frankenwaldes darstellen". Selbstverständlich fänden sich dort auch kulturhistorische Beiträge. Diese setzten sich "aber grundsätzlich mit Ereignissen auseinander, welche positiv besetzt" seien und das Interesse an den jeweiligen Begebenheiten weckten. "Tatorte von Kriegsverbrechen sollten unserer Meinung nach nicht zu etwaigen Pilgerstätten hochstilisiert werden", schrieb Frank, der langjähriger Bürgermeister von Schwarzenbach am Wald war.

Auf Anfrage sagte er, Mohr sollte es dem Verein überlassen, was in der Zeitschrift veröffentlich wird. "Wir befassen uns mit Geschichte, doch kann uns niemand dazu zwingen, über die Nazizeit zu berichten", erklärte Frank. In der neuen Ausgabe der Zeitschrift sind unter anderem historische Beiträge über den Schiefer im Frankenwald, über Alexander von Humboldt sowie über die Geschichte der Gemeinde Meierhof enthalten.

Geschichtsforscher Horst Mohr bezeichnete das Schreiben als "unglaublich". Die Argumente gegen eine Veröffentlichung seien "nicht nachvollziehbar". Unbegreiflich sei, warum sich der Verein so verhalte, sagte der 74-Jährige. Die Auseinandersetzung mit rechter Geschichtsklitterung und Fremdenhass sei notwendiger denn je.

Autor

Peter Engelbrecht
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Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
19:28 Uhr

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Peter Engelbrecht

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07. 06. 2019
19:28 Uhr



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