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Länderspiegel

Interview mit Geschäftsführer Serge Schäfers

"Wir sind der demokratische Kitt der Gesellschaft"

Fake News und Populismus stellen ein zunehmendes gesellschaftliches Problem dar. Warum kritischer und unabhängiger Journalismus deshalb umso wichtiger ist, erklärt Dr. Serge Schäfers, der Geschäftsführer unseres Verlags, in einem Interview.



### Titel ###
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Herr Schäfers, viele verbinden mit einer Zeitung vor allem die Redaktion. Welchen Anteil hat der Verlag, dass täglich eine Ausgabe der Frankenpost erscheint?

Man übersieht leicht, dass auch Verlage Wirtschaftsunternehmen sind. Die Arbeit unserer Mitarbeiter und die Infrastruktur, die dafür sorgt, dass täglich eine Zeitung erscheint, muss schließlich finanziert sein. Der Verlag sorgt durch sein Wirtschaften dafür, dass die Zeitung ihrem demokratischen Auftrag nachkommen kann.

 

Können Sie diesen demokratischen Auftrag etwas genauer beschreiben?

Die Medienwelt hat sich erheblich verändert. Früher war die Tageszeitung fast schon Hauptinformationsquelle für die Öffentlichkeit. Mittlerweile werben eine Vielzahl von Quellen um die Aufmerksamkeit des Rezipienten und nicht alle sind seriös. Unsere Aufgabe als Medienunternehmen ist es, Informationen für unsere Leser zu filtern und verständlich aufzubereiten.

 

Wie kann dies gelingen?

Ich finde es wichtig, Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und entsprechend einzuordnen. Die Debatte um die Corona-Pandemie hat jüngst einmal mehr nachgewiesen, wie wichtig das ist. Wir Tageszeitungen haben in dieser schwierigen Lage gezeigt, wie entscheidend seriöse und gut recherchierte Informationen sind. Akteure wie Donald Trump stellen für mich weitere gute Beispiele dafür dar, wie wichtig unsere Arbeit ist.

 

Inwiefern?

Fake News oder "alternative Fakten" spielen in der politischen Debatte in den USA eine entscheidende Rolle. Diese werden in den sozialen Medien gezielt verbreitet, die Menschen bewusst getäuscht, in die Irre geführt. Die Folge ist, dass die amerikanische Öffentlichkeit tief gespalten wurde. Ein Wahnsinn! Auch in Deutschland geschieht derzeit Ähnliches durch Populisten oder Verschwörungstheoretiker. Diese nutzen soziale Medien ebenfalls, um gezielt Falschinformationen zu verbreiten. Unsere Aufgabe ist es, diesen Meldungen seriöse Nachrichten entgegen zu stellen, und eine ähnliche Spaltung zu verhindern. Wenn Sie so wollen, sind wir damit so etwas wie der demokratische Kitt der Gesellschaft.

 

Keine einfache Aufgabe ...

Gerade für unsere Redakteure ist die Arbeit dadurch in den letzten Jahren nicht einfacher geworden. Wichtig ist uns als Verlag, dass wir mit allem, was wir sind, unser Handwerk so gut wie möglich erledigen. Nicht Sendungsbewusstsein, sondern Transparenz ist unsere Aufgabe.

 

Nimmt der Verlag dabei auch Einfluss auf die die Berichterstattung?

Nein, definitiv nicht. Der Verlag als Produzent der Frankenpost darf den Hersteller bei seiner Arbeit nicht beeinflussen. Die Unabhängigkeit unserer Redaktionen ist ein hohes Gut. Wir müssen besser sein als jene, die glauben, dass man Fakten soweit biegen kann, dass sie zu alternativen Fakten werden!

 

Kommt es vor, dass Politiker oder bestimmte Interessensgruppen versuchen, auf die Berichterstattung einzuwirken?

Ansätze gibt es schon, aber wir bleiben sehr konsequent. Allerdings kommt dies heute nur noch selten vor. Die wesentlichen Akteure in der Region kennen die Regeln und ich glaube fest, dass man es schätzt, wie verlässlich wir arbeiten.

 

Wie könnte man das Verhältnis zwischen Verlag und Redaktion beschreiben?

Verlag und Redaktion greifen ineinander. Alles ist heute transparenter geworden. Wenn früher die meisten Redakteure so gut wie niemanden innerhalb des Verlags kannten, ist die Beziehung heute eine andere. Das Verständnis füreinander und die Beziehung zueinander sind gewachsen.

 

Welche Herausforderungen gibt es für die Zukunft?

Früher hat eine Tageszeitung fast 90 Prozent der Bevölkerung erreicht. Die Ansprüche an die Redaktionen, den Lesermarkt und Verlag sind heute andere. Es wäre daher falsch, sich nur auf unsere Printausgabe zu konzentrieren. Wir müssen mit anderen Medienangeboten um die Aufmerksamkeit des Lesers konkurrieren. Die Aufgabe unseres Verlags ist es, diese Veränderung voranzutreiben und uns digitaler aufzustellen. Man könnte die Verlagsgruppe HCSB auch als Think-Tank für die Zukunft bezeichnen.

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16. 10. 2020
00:00 Uhr

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16. 10. 2020
00:00 Uhr



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