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Zug ohne Bremsen rast durch 14 Bahnhöfe

Ein Güterzug rollt unkontrolliert durch Oberfranken und die Oberpfalz. Statt wie geplant in Wiesau kommt er 65 Kilometer weiter im Süden zum Stehen.



Schirnding, Arzberg, Marktredwitz (Foto) - und immer noch ging es weiter: Erst kurz vor Schwandorf kam der Güterzug, der zum Geisterzug wurde, zum Stehen. Foto: Archiv/Grafik: DB AG
Schirnding, Arzberg, Marktredwitz (Foto) - und immer noch ging es weiter: Erst kurz vor Schwandorf kam der Güterzug, der zum Geisterzug wurde, zum Stehen. Foto: Archiv/Grafik: DB AG  

Schirnding - Weil zwei Zugführern beim Koppeln einer Lokomotive ein schwerer Fehler unterlaufen ist, ist am vergangenen Donnerstag ein mit 1100 Tonnen Holz beladener Zug nahezu 100 Kilometer weit ohne Bremsen durch Oberfranken und die Oberpfalz gerollt. Statt wie geplant in Wiesau im Landkreis Tirschenreuth kam der Zug demnach erst bei Irrenlohe kurz vor Schwandorf zum Halten. Die Bundespolizei Waldmünchen hat die Ermittlungen zu dem Vorfall übernommen. In verschiedenen Eisenbahnforen im Internet wird seit Tagen über den Fall diskutiert. Am Dienstag berichteten dann die Zeitungen der Münchener Merkur-Gruppe.

Der Güterzug gehört einem Transportunternehmen mit Sitz in Freilassing. Wie das Unternehmen bestätigt, sollte er Holzstämme aus Eger in Tschechien nach Wiesau bringen. Kurz hinter der Grenze koppelten dann zwei Lokführer des Unternehmens am Bahnhof Schirnding eine zweite Lokomotive am Zug an. Dabei unterlief der folgenschwere Fehler, den sie allerdings erst bemerkten, als der Zug bereits Fahrt aufgenommen hatte - das Gespann war ohne funktionierende Bremsen unterwegs.

Dies bestätigt der Geschäftsführer des Unternehmens auf Nachfrage unserer Redaktion. Die Bundespolizei Waldmünchen bestätigte den Vorfall. Die Dienststelle ermittle wegen gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr, erklärte der Sprecher der Dienststelle, Josef Pongratz. Wegen der laufenden Ermittlungen könne er keine weiteren Angaben zu dem Vorfall machen. Auch gegen wen nun konkret ermittelt wird, ließ der Polizeisprecher offen.

Laut dem Geschäftsführer sei aber klar, dass die Schuld bei den Lokführern liegt. "Als der Zug zum Halten kam, wurde er überprüft und im Anschluss sofort wieder freigegeben." Die Technik habe demnach einwandfrei funktioniert, die Bremsen seien lediglich falsch zusammengeschlossen gewesen. Noch schwerer wiege allerdings, dass die beiden Lokführer nach dem Koppeln ganz offensichtlich den obligatorischen Bremstest unterlassen haben. "Wäre dieser erfolgt, hätten sie den Fehler sofort bemerken müssen." Das Unternehmen habe bereits Konsequenzen gezogen, und beide Mitarbeiter entlassen. Ob die beiden auch strafrechtlich belangt werden, sei Sache der ermittelnden Staatsanwaltschaft.

Dass es bei dem Vorfall keinen Schaden gab, ist wohl den Fahrdienstleitern in den Bahnhöfen entlang der Strecke zu verdanken. "Besonders der Fahrdienstleiter in Wiesau hat vorbildlich reagiert", bestätigt ein Sprecher der zuständigen DB Netz AG. Bei ihm haben sich die Lokführer gemeldet, als sie ihr Malheur bemerkt hatten. "Unser Mitarbeiter hat dann innerhalb von Minuten entschieden, die Strecke frei zu machen und alle Signale für den Zug auf Grün zu stellen."Dieser konnte dann rollen, bis er von selbst zum Stehen kam, ohne dass der Vorfall für weitere Zwischenfälle gesorgt hätte - abgesehen von reichlich Verspätungen für Züge, die dem Güterzug den Vortritt auf der Strecke lassen mussten.

Dass der Zug - wie in Bahnforen spekuliert wird - tatsächlich mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde unterwegs war, will der Bahn-Sprecher nicht bestätigten. Dies lasse sich im Nachhinein nicht mehr feststellen. Zudem warnt der Sprecher davor, die Gefahr durch den Zug zu überschätzen: "Auf der betreffenden Strecke verlaufen die Schienen durchgehend zweigleisig." Weil auch bei der Eisenbahn in Deutschland grundsätzlich Rechtsverkehr gilt, habe niemals die Gefahr bestanden, dass ein anderer Zug auf demselben Gleis entgegenkommt und es zu einer Kollision kommen könnte.

Dass ein Zug annähernd 100 Kilometer einfach nur rollt, sei nicht ungewöhnlich, so der Bahnsprecher. Der Vorzug der Schiene liege ja eben darin, dass der Rollwiderstand im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln minimal sei. Dies bedeute aber auch, dass schon ein minimales Gefälle von weniger als einem Prozent ausreiche, um einen Zug weiterrollen zu lassen.

 

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Wolfgang Würth
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Veröffentlicht am:
27. 08. 2019
12:18 Uhr

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Wolfgang Würth

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Veröffentlicht am:
27. 08. 2019
12:18 Uhr



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