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Rehau

Aus für Arte Noah in Rehau

Im Rehauer Stadtrat sind die Meinungen über das Scheitern der Arte Noah geteilt. Ulrich Scharfenberg kritisiert den Landrat, Bürgermeister Abraham widerspricht deutlich.



Rehau - Es sollte ein Leuchtturmprojekt für die Stärkung des Tourismus in der Region werden: Mit dem Erlebniszentrum Arte Noah im Rehauer Ortsteil Neuhausen an der Grenze zu Tschechien war ein 15-Millionen-Euro-Vorhaben geplant, in das die Stadt Rehau elf Jahre viel Arbeit und Herzblut investiert hat. Seit Mittwochabend ist das Projekt vom Tisch (die Frankenpost berichtete bereits in einem Teil ihrer Ausgabe). Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen, die Planung des Erlebniszentrums für Biodiversität zu stoppen.

Grund für das Ende des Rehauer Herzensprojekts ist die Finanzierung. Für alle Beteiligten war von Beginn an klar gewesen, dass die Realisierung der Arte Noah nur mit starker finanzieller Unterstützung des Freistaats Bayern möglich gewesen wäre. Und in diesem Punkt kamen nach anfänglicher Begeisterung auch im Regierungskabinett der Landesregierung zuletzt keine positiven Signale mehr, die darauf hindeuteten, dass das bayerische Umweltministerium das Projekt weiterhin finanziell unterstütze.

Bürgermeister Michael Abraham erinnerte an die Entwicklung der Idee seit dem Jahr 2009. "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", beschrieb er das Motto, mit dem der Stadtrat mit großer Begeisterung das Vorhaben initiiert und elf Jahre lang intensiv begleitet habe. "Jetzt sollten wir einen Schlussstrich ziehen." Die Finanzierung sei nicht gesichert.

Dabei hat die Stadt über mehrere Jahre aufwendige Vorarbeiten geleistet: Die Planungen sind gemacht, einen sehenswerten Entwurf haben Architekten eines namhaften Büros in Barcelona geliefert, und das Ausstellungs- und Betriebskonzept steht ebenfalls. Was noch fehlte, war eine gesicherte Finanzierung. Rehau hat bisher 767 000 Euro, davon entfallen 177 500 Euro als Eigenanteil auf die Stadt, in Arte Noah investiert.

Bei Besuchen im bayerischen Landtag und im Umweltschutzministerium fand das Millionenprojekt zunächst ungeteilte Zustimmung. Erst Ende 2019 entstand für die Verantwortlichen der Stadt Rehau der Eindruck, "dass sich in München niemand mehr für das Projekt ernsthaft interessiert": Mit diesem Fazit schloss Hauptamtsleiter Hans-Peter Zeeh seinen Vortrag über elf Jahre Projektentwicklung und kam zum Beschlussvorschlag, dem sich der Stadtrat einstimmig anschloss: "Da sich kein gangbarer Weg zur Finanzierung mit überregionalen Fördergebern ergeben hat, wird das Projekt nicht weiterverfolgt." Letztendlich würden weitere Arbeiten für Arte Noah dem Image der Stadt sogar mehr schaden als nutzen. Im Beschluss hielt sich der Rehauer jedoch noch ein Türchen offen: "Sollten sich Perspektiven ergeben, die Fortschritte versprechen, wird der Stadtrat erneut beraten."

Bürgermeister Michael Abraham machte dennoch eine Reihe von positiven Erfahrungen aus. "Wir haben in unserer Region eine Wertschätzung für das Thema Biodiversität und Artenvielfalt erfahren. Unpolitisch wurden wir bei der Projektplanung von vielen unterstützt." CSU-Sprecher Harald Ehm betonte, dass seine Fraktion wie die Mehrheit des Stadtrats "dieses Leuchtturmprojekt stets nach Kräften unterstützt hat". Auch die Wirtschaftlichkeitsberechnung habe stets auf ein positives Gesamtergebnis hingewiesen. "Uns war allen klar, dass wir die Dimension der Arte Noah finanziell nicht alleine stemmen können", dies wäre nur mit dem Freistaat Bayern machbar gewesen. Nun sei es der richtige Schluss des Stadtrats, das Projekt zu stoppen. "Schade, aber es hat nicht sollen sein." Er erinnerte an die Zeit nach der Landtagswahl 2018, als bekannt wurde, dass im Landkreis Rhön-Grabfeld die Entwicklung eines Biodiversitätszentrums geplant sei. "Das war für mich das Signal, dass es in Nordbayern unter der Regie des Freistaats kein zweites Biodiversitätszentrum geben wird." Zudem habe es zu keinem Zeitpunkt eine deutliche Klärung gegeben, ob es sich bei Arte Noah um ein Tourismus- oder ein Naturschutzprojekt handelt. "Dadurch war nicht klar, welches Ressort in München für unser Projekt zuständig ist." Die erarbeiteten Erkenntnisse sollten in Zusammenarbeit mit der Hochschule Hof oder dem Landesamt für Umwelt digital für Schulen zur Verfügung gestellt werden. "So verschwinden die Ergebnisse dieser positiven Arbeit nicht in der Versenkung."

Ulrich Scharfenberg, SPD, machte als Ursache für das Scheitern auch die mangelnde Unterstützung von Landrat Oliver Bär aus. Er verwies auf einen Stadtratsbeschluss 2014, demzufolge die Projektentwicklung dem Landrat präsentiert werden sollte, um so zu einer Trägerschaft zu kommen, die über der kommunalen Ebene angesiedelt ist. In der Folge sei Arte Noah nie im Kreistag behandelt worden. Dagegen gebe es mit den Frankenwaldbrücken und dem Mountainbike-Park am Kornberg zwei Projekte, die der Freistaat mit insgesamt 27 Millionen Euro unterstütze. "Die Arte Noah als drittes Projekt in der Region ist offenbar eines zu viel für die Staatsregierung", bedauerte Scharfenberg. Er wertete die Arbeit des Landkreises: "Hier setzt man verstärkt auf Event-Tourismus, anstatt nachhaltige Projekte für sanften Tourismus zu fördern." Dem widersprach Bürgermeister Abraham: "Es ist immer wichtig für uns alle gewesen, Arte Noah politisch neutral zu bewerten. Das hat auch unser Landrat getan." Viele Gespräche mit Verantwortlichen im Landtag seien auf Bärs Initiative entstanden.

Für die AfD-Fraktion sagte Helmut Auer: "767 000 Euro waren ein zu hohes Wagnis. Jetzt haben wir diese große Summe in den Sand gesetzt." Er zitierte die detaillierte Aufgabendefinition des Architektenwettbewerbs und betonte: "Das hört sich alles zu fantastisch an, es hat in der Staatsregierung niemanden interessiert. Das hätte die Rehauer Delegation in München heraushören müssen." Auer bezeichnete die Arbeit des Stadtrats als "höchst fahrlässig".

"Die maßgeblichen Institutionen haben den großen Einsatz der Stadt Rehau nicht ausreichend gewürdigt", bedauerte Martin Wurdack. "Wenn dieses Projekt in Oberbayern geplant worden wäre, hätte man es längst umgesetzt."

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Lothar Faltenbacher

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Veröffentlicht am:
22. 07. 2020
20:08 Uhr

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Lothar Faltenbacher

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22. 07. 2020
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