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Rehau

Der Unbequeme geht

Dr. Lothar Franz nimmt Abschied von "seiner" Bezirksklinik in Rehau. Die Feier bezeugt: Hier verlässt einer das Haus, der großen Eindruck hinterlassen hat.



Mit ehrenden Worten, Dank, Geschenken und einer Ausstellung wurde Dr. Lothar Franz in den Ruhestand verabschiedet. Unser Bild zeigt (von links) Katja Bittner, Vorsitzende der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken, und Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler mit Dr. Lothar Franz und Gattin Edith Franz. Foto: Meier
Mit ehrenden Worten, Dank, Geschenken und einer Ausstellung wurde Dr. Lothar Franz in den Ruhestand verabschiedet. Unser Bild zeigt (von links) Katja Bittner, Vorsitzende der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken, und Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler mit Dr. Lothar Franz und Gattin Edith Franz. Foto: Meier  

Rehau - Nach 30 Jahren als leitender Chefarzt der Bezirksklinik Rehau ist Dr. Lothar Franz am gestrigen Dienstag in den Ruhestand verabschiedet worden. Wie wertgeschätzt die Lebensleistung des scheidenden Leiters und Arztes ist, zeigten die vielen Gäste aus einem weit verzweigten Netz an Kooperationspartnern. Am Ende stand Franz, leger mit Freizeithut und mondän mit schwerer Zigarre, überreicht von Gattin Edith Franz, unter minutenlangem Applaus vor den Wegbegleitern.

Ausstellung

Eine Ausstellung zu Ehren von Dr. Lothar Franz eröffnete August Zeitler. Die Künstler würdigen mit Bildern die Haltung und Leistung des Arztes, jeden Menschen als Individuum als einzigartig zu fördern. Daran beteiligt: Georg Hornfischer, Stephanie Huber, Bärbel und Horst Kießling, Ilia Lang, Roland Lein, Volkmar Merkel, Udo Rödel, Katja Schafarik, Sabine Schlick, Jochen Strobel, Sebastian Waßmann, Andrea Wunderlich und August Zeitler.

 

Die Schlacht der gut gesinnten Worte war geschlagen, die Ausstellung mit Werken von Künstlern, Dozenten und ehemaligen Patienten eröffnet. Lothar Franz, einen Kunstmenschen, anerkannten Mediziner und echten Oberfranken, verabschiedete Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Wie Denzler erläuterte, habe Franz mit 35 Jahren als jüngster ärztlicher Direktor in Bayern große Verantwortung übernommen. Das ihm entgegengebrachte Vertrauen habe er, durch die gesamte berufliche Laufbahn, durch Leistung und Verbundenheit zurückgegeben. Über die Grenzen der Klinik hinaus sei sein Wirken als Ratgeber in Gremien und bei Veranstaltungen prägend. Franz sei ein "Lobbyist für die Belange der Psychiatrie" und ein ebenso geschätzter Kommunalpolitiker wie Mitglied des Kreistages im Landkreis Hof. Sein Lebensmotto "Jeder Mensch ist eine Sensation" habe Franz angewandt in der Klinik, in Fach- und Sachfragen, im Einsatz gesundheitlicher Kompetenzen und als kunstbeflissener Mensch. "Ein besonderer Mensch verlässt einen besonderen Ort", stellte Landrat Dr. Oliver Bär fest und betonte, es sei eine Freude, wenngleich es nicht immer leicht sei, mit Lothar Franz in einer Fraktion zu sein. Franz tritt nach den Worten des Landrates mit großem Respekt gegenüber allen Menschen auf und vertritt seine eigene Meinung, auch eine unbequeme.

 

Das gesellschaftliche Engagement der Familie Franz hob Bürgermeister Michael Abraham hervor. Bei den Fastnachtsfreunden, im Männerballett und als scharfzüngiger Büttenredner bei Prunksitzungen habe er sich unvergesslich eingebracht. Edith und Lothar Franz sind Kulturpreisträger der Stadt Rehau und eine feste Stütze im Vereinsleben. "Lothar ist oft unbequem", stellte Abraham fest. Die Bedenken seien jedoch fundiert und getragen von großem Fach- und Sachverstand. In der Politik, kulturell und freundschaftlich sei Franz ein sehr emotionaler Mensch; dafür werde er geschätzt.

Professor Dr. Thomas Kallert beschrieb die beeindruckende Vita des scheidenden Klinikleiters parallel zur Entwicklung des Hauses. Im Mai 1987, als sich Franz von Bayreuth nach Rehau bewarb, habe er dies begründet, auch durch "den Charakter der Landschaft und das Wesen der Bevölkerung". Am 1. September 1988, vor drei Jahrzehnten, ist Dr. Lothar Franz zum Direktor der Klinik bestellt worden. Franz sei beharrlich gewesen, habe Widerstände überwunden, zur Integration beigetragen, Krisen gemeistert und überzeugen können. Kallert dankte Franz für "die Lebensleistung, die eng mit dem Namen Franz verbunden bleiben wird". Bleiben werden auch die Haltung gegenüber den Patienten, denen erste Priorität gebühre sowie die erlebbare Kunst und kreativ gestalterische Therapie. Mit Freude und feingeistigen Ideen habe Franz die Letztverantwortung für die Klinik getragen und "die Einsamkeit, die auf dem Chefsessel ein Teil dieser Position ist".

Mit einem gefalteten Papierschiffchen, Humor und Lebensweisheit ging Franz an das Rednerpult und dankte zunächst für den Hinweis, kein bequemer Mensch zu sein. Das wolle er sich auch im Ruhestand beibehalten. Er wollte damit weitermachen, etwas werden zu wollen. Dann dankte er in langer Liste all den Institutionen, Behörden, Gremien, Wohlfahrtsverbänden, Kliniken, Heimen, der Justiz, den Kostenträgern und vielen Menschen, für 30 Jahre, über die er glücklich sei, sie so durchlebt zu haben. Den Puls der Einrichtung, der Zeit und der Jahre beschrieb Franz mit einem Satz: "Seit der Gründung hat die Klinik nie still gestanden." 24 Stunden pro Tag seien Klinik und Mitarbeiter gewahr gewesen, auch für schwierigste Aufgaben. Franz dankte den Künstlern und Professor Eugen Gomringer für die Freundschaft. Er dankte den Mitarbeitern und Patienten und allen, "von denen ich gerufen wurde und mit denen ich arbeiten durfte". Das Schiffchen werde er mitnehmen - "und einen Platz darauf finden."

Autor

Silke Meier
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Veröffentlicht am:
08. 05. 2018
20:00 Uhr

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Silke Meier

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Veröffentlicht am:
08. 05. 2018
20:00 Uhr



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