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Geschützter Biber kann zur Plage werden

Am Beispiel des Perlenbachs geht es am Gewässer-Nachbarschaftstag um den Naturschutz. Dabei sind der Biber und Problem-Pflanzen ein besonderes Thema.



Bei der Exkursion haben sich die Teilnehmer des Gewässernachbarschaftstages unter anderem über Gehölzpflege und Auslichtung am Ufer des Perlenbaches informiert. Foto: Michael Stocker
Bei der Exkursion haben sich die Teilnehmer des Gewässernachbarschaftstages unter anderem über Gehölzpflege und Auslichtung am Ufer des Perlenbaches informiert. Foto: Michael Stocker  

Rehau - Wie kann man den Gewässerunterhalt bestmöglich mit dem Naturschutz in Einklang bringen? Diese Frage stand beim diesjährigen Gewässer-Nachbarschaftstag in Rehau im Mittelpunkt. Rund 30 Teilnehmer, zumeist führende Verwaltungsfachkräfte aus Stadt und Landkreis Hof, hatten dabei zunächst vormittags im ASV-Heim die Gelegenheit, sich über den neuesten Stand des Fachwissens zu informieren und mit Experten darüber zu diskutieren. Am Nachmittag ging es bei einer Exkursion nach Eulenhammer speziell um den Schutz der Flussperlmuschelgewässer. Hagen Rothemund, Flussmeister für Stadt und Landkreis Hof, informierte dabei unter anderem über die Herstellung einer natürlichen Ufersicherung und Entschlammung eines Seitenarms des Perlenbaches.

Alle zwei Jahre findet der Gewässer-Nachbarschaftstag im Landkreis Hof statt. Wichtigstes Ziel sei der Austausch von Kollegen und der Aufbau von Kontakten, sagte Christian Weiß, Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamtes für Stadt und Landkreis Hof, zur Begrüßung. Hauptreferent des Vormittags war dann Michael Stocker, Leiter des Fachgebiets Planung und Bau am Wasserwirtschaftsamt Hof, der die Veranstaltung auch organisiert hatte. Sein Vortrag behandelte das Thema des Nachbarschaftstages: "Gewässerunterhalt in Einklang mit dem Naturschutz".

Am Beispiel einer sogenannten Uferberäumung zeigte Michael Stocker auf, wie die im Landkreis Hof beachtliche Vielfalt an Fischen, Insekten und Amphibien geschützt werden könne, indem man nur das unvermeidbar Notwendige unternehme. "Es schadet einem Gewässer erheblich, wenn man den Uferbereich von Bächen, ohne Rücksicht auf bestehende Arten, bis ans Wasser mäht", stellte der Referent fest. Lasse man indes einen Streifen Ufervegetation zu, fördere man nicht nur die Artenvielfalt, sondern erspare sich auch selbst viel Arbeit.

Wer durchaus bis zum Wasser mähen wolle, solle nach dem Konzept der Trittsteine wenigstens abschnittsweise Uferbereiche mit Bewuchs stehen lassen.

Als Musterbeispiel für das Miteinander von Mensch und Natur ging Michael Stocker auf den Umgang mit dem Biber ein. Denn der Biber sei immer noch eine streng geschützte Art, obwohl er sich streckenweise zur Plage entwickelt habe. So sei es manchmal notwendig, in Absprache mit dem jeweiligen Biberberater Maßnahmen zur Vergrämung oder Entnahme zu ergreifen, sollte ein erheblicher Schaden zum Beispiel für die Landwirtschaft drohen oder der Hochwasserschutz gefährdet sein. "Wir leben in einer Kulturlandschaft", betonte Stocker. "Deshalb müssen wir in besonderen Fällen steuernd tätig werden."

Auf das Thema "Fischteiche in der Kulturlandschaft" ging Dr. Viktor Schwinger von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken ein. In den 40 000 Teichen Bayerns würden jährlich allein 6000 Tonnen Speisekarpfen erzeugt, was 50 Prozent der bundesweiten Produktion ausmache. Über 1000 Jahre in die Vergangenheit lasse sich die Karpfenzucht nachweisen, aber über die große kulturelle Bedeutung hinaus seien die Teiche immens wichtig für den Wasserhaushalt, den Hochwasserschutz und das Mikroklima. "Die Karpfenteiche sind außerdem wichtige Lebensräume für andere Fische, Amphibien und Insekten", sagte Schwinger. Hinzu kämen ihre Funktion für den Tourismus, die Naherholung und die Forschung. Nicht zuletzt aber seien Zuchtfische eine der nachhaltigsten Lebensmittelgattungen überhaupt, da regional und unter minimalem Einsatz von fossiler Energie erzeugt.

Richtig spannend wurde es dann beim Vortrag von Anne Adler vom Sachgebiet Gewässerentwicklung am Wasserwirtschaftsamt Hof über Problem-Pflanzen und ihre Bekämpfung. Zu unterscheiden seien dabei lästige, aber ungefährliche Arten wie der Japanische Staudenknöterich und solche, die über ihre immense Wuchskraft hinaus auch konkreten Schaden anrichten. "Der Riesenbärenklau ist phototoxisch und hinterlässt bei Sonnenlicht Brandspuren auf der Haut", warnte Adler. Sie empfahl, Bekämpfungsmaßnahmen wie das Abstechen der Wurzel nur mit Schutzkleidung, Brille und Handschuhen vorzunehmen - und am besten an einem sonnenlosen Tag zu arbeiten. Auf eigene Faust eher machtlos sei man beim Auftreten des Eichenprozessionsspinners, und das nicht nur wegen der Allergien auslösenden Brennhaare ihrer Larven. Die gute Nachricht: "Die Eiche muss in der Regel nicht gefällt werden." Die schlechte Nachricht: Um die Nester des Schädlings abzusaugen, sei eine Spezialfirma nötig, und das könne richtig teuer kommen.

Autor

Manfred Köhler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
02. 12. 2019
19:26 Uhr

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Manfred Köhler

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Veröffentlicht am:
02. 12. 2019
19:26 Uhr



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