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Warum so viele Nepalesen Rehauer Brillen tragen

Eine Rehauerin findet in Nepal ihre große Liebe, die beiden heiraten. Von Hochfranken aus organisiert das Ehepaar Hilfe für das arme Land - im ganz Kleinen und auch ziemlich groß.



Nicht nur als Helfer ein eingespieltes Team: Katrin und Thinley Tamang bei ihrem jüngsten Nepal-Besuch im Mai.
Nicht nur als Helfer ein eingespieltes Team: Katrin und Thinley Tamang bei ihrem jüngsten Nepal-Besuch im Mai.   » zu den Bildern

Rehau/Kathmandu - Im Limi-Tal, einer abgelegenen Bergregion im Nordwesten Nepals, laufen ziemlich viele Menschen mit Brillen aus Rehau auf der Nase herum. Katrin und Thinley Tamang sammeln ausgediente Sehhilfen - mittlerweile bekommen sie sie aus der ganzen Region -, um sie, per Post oder meist im persönlichen Gepäck, nach Nepal zu transportieren. "Optiker gibt es dort nicht, also ist das eine ziemlich direkte Art der Hilfe für viele Menschen", sagt Katrin Tamang. Knapp 1000 Brillen haben ihr Ehemann und sie mittlerweile in den Himalaya vermittelt. Ein Rehauer Optiker repariert sie zuvor und misst die Stärke. Ihr Traum wäre nun, einen Optiker zu finden, der mit ihnen nach Nepal reist, um den Menschen auch die passenden Brillen zukommen zu lassen. Mit den Brillen hat es vor drei Jahren angefangen, mittlerweile ist das Ganze aber viel größer: Durch ihren eigens gegründeten Verein "Himalaya Happiness Hunter" haben sie Schul-Patenschaften für etwa 80 nepalesische Kinder organisiert. Wie sehr das nötig ist, merken sie nicht nur bei ihren regelmäßigen Besuchen im Land.

Kontakt und Infos

Auf www.happinesshunter.org stellt der junge Verein sich und seine Hilfsprojekte vor, erklärt die Patenschaften und bietet Informationen und Kontakte an.

 

Ein ebensolcher hat die Geschichte vor sieben Jahren erst ins Rollen gebracht. Katrin Tamang, die damals noch Geyer hieß, war zusammen mit ihrem Bruder in Nepal im Urlaub. "Im Hotel habe ich Thinley getroffen, der dort mit seiner Schwester gearbeitet hat - das Hotel gehört der Familie", erinnert sie sich. "Und beide Paarungen dachten zuerst von der jeweils anderen, dass wir Pärchen sind." Das Missverständnis habe sich schnell aufgelöst, und auch danach ging es schnell, berichtet die 34-Jährige schmunzelnd: "Thinley wusste sofort, dass wir ein Paar werden würden, bei mir hat es ein bisschen länger gedauert." Skype-Kontakte, Telefonate, E-Mails, vier Monate später der nächste Nepal-Besuch: So nahm die Beziehung ihren Anfang. Dabei habe es durchaus zur Debatte gestanden, sich gemeinsam in Nepal niederzulassen. "Aber in Deutschland ist vieles leichter, vor allem, wenn man eine Familie gründen will", erzählt Thinley Tamang: "In Nepal kannst Du reich sein und trotzdem keinen Strom und kein Warmwasser haben." So haben die beiden vor drei Jahren nicht nur im Alten Rathaus in Rehau geheiratet, sondern vom neuen gemeinsamen Wohnort aus ihre eigene Hilfskampagne anlaufen lassen.

 

Nepal ist ein Entwicklungsland, außerhalb der Hauptstadt Kathmandu gibt es kaum Infrastruktur, die Straßen sind schlecht, Strom und Wasserleitungen oft nur rudimentär vorhanden. Die Korruption ist hoch, das Bildungsniveau niedrig: "Und alle, die auf einer guten Schule waren, wollen das Land verlassen, weil die Lebensbedingungen dort so schwierig sind", sagt Katrin Tamang nicht ohne den selbstkritischen Blick auf ihre eigene persönliche Situation. "Aber auch, wenn ich nun fern meiner Heimat lebe, ist mein Herz immer auch dort", erklärt Thinley Tamang: Gemeinsam mit seiner Frau in Rehau und seiner Schwester in Kathmandu vermittelt er Hilfe. Mittlerweile bewegt der familiengeführte Verein jedes Jahr einen mittleren fünfstelligen Betrag an Spendengeldern und hat Unterstützer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

Der große Teil fließt in die Schulpatenschaften für aktuell etwa 80 Kinder. Das öffentliche Schulsystem in Nepal ist schlecht: "Der Unterricht fällt oft über Wochen aus, aber nachprüfen lässt sich das in den entlegenen Regionen vom Staat oft schwer", erklärt Thinley Tamang. So hat sich ein dichtes Netz aus privat unterstützten Schulen gebildet: "Meistens sind es Touristen, die die extreme Not sehen und helfen wollen", sagt Katrin Tamang. Die einen, indem sie zum Ende des Urlaubs Ausrüstung und Kleidung für die oft völlig unzureichend ausgestatteten Nepalesen zurücklassen; die anderen, indem sie sich zusammenschließen, um Schulen zu bauen, zu betreiben und zu unterstützen. So, wie der Rehauer Verein.

Über Thinleys Schwester in Kathmandu und eine Stiftung vor Ort lassen die Rehauer den nepalesischen Kindern direkt Hilfe zukommen. Der Großteil der 80 Patenkinder geht auf die White Hill School im abgelegenen Bergdorf Salleri: Die Vereinsmitglieder oder/und Unterstützer aus Hochfranken übernehmen für sie die Schulgebühren. "Der durchschnittliche Verdienst in Nepal beträgt 100 Euro im Monat. Die Schulgebühren liegen zwischen zehn und 20 Euro", rechnen die Tamangs vor. Arme Familien könnten sich das nie leisten, damit bliebe den meisten der Kinder der Zugang zu Bildung verwehrt. Zu zeigen, dass das Geld aus Hochfranken auch an den richtigen Stellen ankommt, darauf verwenden die Rehauer unzählige Arbeitsstunden.

"Wir wollen allen Spendern immer wieder zeigen, wie sich ihre Schützlinge entwickeln", sagt Katrin Tamang. Online stehe man in permanentem Kontakt zu den Partnern vor Ort, daneben unternehme man regelmäßige Reisen nach Nepal - immer auch gern in Begleitung von Interessierten und Unterstützern, falls gewünscht. Erst im Mai waren die Tamangs wieder mit einer größeren Gruppe aus der Region in Nepal, haben "ihre" Kinder getroffen und fotografiert, haben Kleidungsspenden (und Brillen) übergeben und sich über nächste Ideen unterhalten. Eine davon haben sie schon umgesetzt.

Sie haben eine Gruppe Nepalesen aus einem Gebiet, das vom großen Erdbeben 2015 besonders betroffen gewesen ist, zu einem Kochkurs eingeladen. Einen Monat lang waren die 26 Teilnehmer im Hotel untergebracht und haben gelernt, europäisch und international zu kochen. "Damit können sie versuchen, touristische Angebote zu machen oder im Tourismus zu arbeiten", erklärt Katrin Tamang. Denn das sei eigentlich der einzige ernst zu nehmende Wirtschaftszweig im Land. In der Vergangenheit haben die Tamangs schon Winterjacken an Schulkinder verteilt, im Mai haben sie ihnen 550 Rucksäcke mitgebracht. Finanziert wird das unter anderem durch Verkäufe: "Immer, wenn wir aus Nepal zurückfliegen, nehmen wir eine Ladung Yak-Schals mit, die wir hier für den guten Zweck verkaufen", berichtet Katrin Tamang. Und das Interesse am Verein ist so groß wie die Macher findig sind.

Etwa 100 Unterstützer gehören heute zum helfenden Kreis, als Nächstes stehen eine noch bessere Vernetzung mit anderen Organisationen und mehr Digitalisierung an. Da müssen Vorsitzende Katrin Tamang und Ehemann Thinley am Ende des Tages nur zusehen, dass noch ein bisschen Zeit für die eigene Familie bleibt: Ihr Sohn Tenzing, gut ein Jahr alt, will schließlich zusammen mit ihnen den Rehauer Geierloh erkunden.

Autor
Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
00:00 Uhr

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Christoph Plass

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02. 09. 2019
00:00 Uhr



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