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Selb

"Aura Rosenthals ist fast noch spürbar"

Die neuen Besitzer beenden den Dornröschenschlaf in Erkersreuth: Das Schloss lädt bald wieder zu glanzvollen Begegnungen, verspricht Alexander von Hornstein von der Stiftung Kulturerbe.



Viel zu schön, um leer zu stehen: Die neuen Eigentümer wollen das edle Barockschloss in Erkersreuth nach einer ersten Sanierungsphase rasch wieder für die Allgemeinheit öffnen.
Viel zu schön, um leer zu stehen: Die neuen Eigentümer wollen das edle Barockschloss in Erkersreuth nach einer ersten Sanierungsphase rasch wieder für die Allgemeinheit öffnen.  

Was gefällt Ihnen am früheren Wohnsitz von Philip Rosenthal?

Einladung zum Mitmachen

Der bayerische National Trust ist eine bürgerschaftliche Bewegung, die Kulturgüter erhält. Die Idee kam vom Landesverein für Heimatpflege. 2015 gründete sich der Verein Kulturerbe Bayern, den das Kulturministerium sowie das Landesamt für Denkmalpflege unterstützen, 2018 kam die Stiftung hinzu, die sich über Erträge, Spenden und Fördermittel finanziert.

Verein und Stiftung suchen Unterstützung für ihre Projekte:

Mitglieder helfen, Kulturschätze wie das Schloss Erkersreuth mit einzigartiger Geschichte auf Dauer erlebbar zu erhalten. Die Mitgliedschaft kostet zwei Euro pro Monat, man ist Gast bei exklusiven Veranstaltungen und profitiert von Aktionen.

Volunteers bekommen die Möglichkeit, selbst im Schloss anzupacken.

Spenden sind willkommen auf dem Konto Stiftung Kulturerbe Bayern

IBAN: DE38 7005 1540 0280 7801 98

Verwendung: Schloss Erkersreuth

—————

Weitere Auskünfte gibt es in der Geschäftsstelle in Sulzemoos,

Telefonnummer 08135/9377190,

E-Mail: info@kulturerbebayern.de.

 

Mich begeistert dieses einzigartige Gesamtkunstwerk mit seiner außergewöhnlichen Mischung aus barockem Lebensstil und Wirtschaftswunder-Design. Im Schloss ist fast noch die Aura Philip Rosenthals spürbar, der nach seinem Englandaufenthalt 1947 nach Selb zurückgekehrt war. 1950 trat er in die Porzellanmanufaktur ein, die sein Vater gegründet hatte. Erkersreuth wurde dank Philip Rosenthals kunstsinniger Weltgewandtheit zu einer Begegnungsstätte von Politik, Wirtschaft und Kunst: Willy Brandt, Franz Josef Strauß und Helmut Schmidt waren ebenso zu Gast wie Walter Gropius und Andy Warhol. Historisch gesehen ist der markante Porzellanunternehmer eine wichtige Persönlichkeit der alten BRD und bis heute über Deutschland hinaus bekannt. Seine politischen und künstlerischen Ideen, die in die Zukunft wiesen, waren umstritten.

 

 

Warum engagieren Sie sich selbst in der Stiftung Kulturerbe Bayern?

Ich singe gerne ein Loblied auf die Vielfalt Bayerns. Dieses Land ist wie ein impressionistisches Gemälde mit vielen regionaltypischen Besonderheiten. All das muss erhalten bleiben. Mein Credo lautet: Wer Kulturerbe bewahrt, bewahrt Identität. Deshalb bin ich Gründungsmitglied der Stiftung. Ich bringe viel Erfahrung mit: Im Justizministerium kümmerte ich mich fast drei Jahrzehnte um 156 bayerische Denkmäler.

 

Wie erfuhren Sie, dass das Erkersreuther Schloss verkauft wird?

Der Historische Verein Oberfranken informierte Mitte Februar die Stiftung. Architekt Alexander Wanisch, Mitglied des Vereinsvorstands, war nach einer Besichtigung so begeistert, dass mein Stiftungsvorstandskollege Dr. Andreas Hänel und ich ebenfalls nach Erkersreuth reisten. Vom 16. bis 17. März - exakt bis zum Lockdown - wohnten wir im Rosenthal-Casino Selb. Gespräche mit Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch, dem ehmaligen Rosenthal-Sprecher Dietrich Müller und dem früheren Porzellanikon-Leiter Wilhelm Siemen bestätigten, welch wichtiges Identifikationsobjekt das Schloss in der Region ist. Das hat uns ermutigt.

 

Wie funktionierte der Kauf mitten im Lockdown?

Da ein gemeinsamer Termin nicht möglich war, leisteten die Rosenthal-Verkäufer ihre Unterschrift in einem Notariat in Selb, wir Käufer von der Stiftung unsere in Fürstenfeldbruck.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Ziel ist, alles Notwendige rasch herzurichten: sanierungsbedürftige Fassaden, Fenster, Terrassen und Wohnungen. Das ist überschaubar, zumal der repräsentative Bereich in Schuss ist. Später werden auf dem Gelände das denkmalgeschützte Brunnenhäuschen und ein Brauereigebäude wachgeküsst. Langfristig braucht es ein Gesamtkonzept für eine erweiterte Nutzung.

 

Bitte skizzieren Sie Ihre Ideen.

Wir möchten Erkersreuth so weit wie möglich für die Allgemeinheit öffnen. Wenn wir schon das Schloss des Porzellanbarons kaufen, liegt es nahe, mit dem Porzellanikon zusammenzuarbeiten. Selbstverständlich wird es Führungen geben. Auch Trauungen, Geburtstagsfeiern, Firmenjubiläen, Konzerte und Gastronomie bieten sich an. Mittel- und längerfristig sind weitere Möglichkeiten wie Tagungen, Hotellerie, Seminare zu prüfen.

 

Welche Ziele verfolgt die Stiftung?

Wir wollen gefährdetes Kulturerbe retten. Denn wo Möglichkeiten fehlen, gehen durch Verfall, Abbruch und unsensible Nutzung Kulturschätze verloren. Die Initiative steht auf zwei kraftvollen Säulen: dem Verein und der gemeinnützigen Stiftung Kulturerbe Bayern. Der Verein fördert ehrenamtliches Engagement und gewinnt Menschen dafür, in ihrer Heimat Schmuckstücke mit all ihren Erinnerungen und Ressourcen zu bewahren. Es freut mich, dass sich schon über 1000 Mitglieder beteiligen. Die Stiftung erwirbt dauerhaft gefährdete Bauten, Gärten oder Parks, um funktionierende Nutzungen zu stärken oder die Objekte behutsam einer passenden neuen, lebendigen Nutzung zuzuführen.

 

Welche Objekte haben Sie bisher in Ihre Obhut genommen?

Erster Schützling ist ein Mittelalter-Haus in der Judengasse 10 in Rothenburg, außerdem ist die Stiftung an einigen Sanierungen als Kooperationspartner beteiligt. Erkersreuth ist das zweite eigene Großprojekt: Zuwendungen aus einem Erbe ermöglichten den Kauf des Schlosses.

 

 
Autor

Brigitte Gschwendter
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 05. 2020
16:10 Uhr

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Brigitte Gschwendter

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Veröffentlicht am:
22. 05. 2020
16:10 Uhr



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