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Selb

Aus Zugereisten werden Selber

Seit vier Jahrzehnten gibt es in der Stadt den türkisch-islamischen Verein. Das feiern die Mitglieder am Sonntag.



Veysel Turan, Vorsitzender des türkisch-islamischen Vereins, Ditib, und Öztürk Yasar (von rechts) zeigen stolz die Vereinsbücher der Gründerväter und ein Familienfoto der Turans mit Männern, die mittlerweile in vierter Generation in Selb und Deutschland leben. Foto: Silke Meier
Veysel Turan, Vorsitzender des türkisch-islamischen Vereins, Ditib, und Öztürk Yasar (von rechts) zeigen stolz die Vereinsbücher der Gründerväter und ein Familienfoto der Turans mit Männern, die mittlerweile in vierter Generation in Selb und Deutschland leben. Foto: Silke Meier  

Selb - Wer Freitagmittag den Grafenmühlweg entlangfährt, dem fallen sie vielleicht auf: Die vielen 55 in den Autokennzeichen. 55, das ist die Zahl der Stadt Samsun am Schwarzen Meer in der Türkei. "Viele Familien unserer Mitglieder stammen aus Samsun", sagt Veysel Turan, Vorsitzender des türkisch-islamischen Vereins, der in diesen Tagen sein 40-jähriges Bestehen feiert.

In der Mitgliederversammlung am 15. September 1978 wurde Sati Isikan zum ersten Vorsitzenden gewählt; Mustafa Ersezer zum Stellvertreter und Sebahat Cetiner zur Schriftführerin. "Sekretärin" steht in dem Papier, das am 20. Februar 1979 vom Amtsinspektor des Amtsgerichts Wunsiedel unterschrieben wurde. Den Gründervätern lag daran, die türkischen Arbeitnehmer zu vertreten. Der Aufenthalt in Deutschland sollte geprägt sein von Kameradschaft und gegenseitiger Hilfe. Von Anfang an standen auch Begegnungen mit Deutschen und ein gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen auf der Agenda. Unter Punkt vier der Gründer-Satzung wurde vermerkt: Der Verein ist parteipolitisch neutral.

Heute, 40 Jahre später, zählt der Verein 150 Mitglieder aus Selb und Schönwald. "Wir leben hier in der vierten Generation, wieso soll ich von hier wieder weggehen?", fragt Veysel Turan und zeigt ein Foto mit seinem Vater, der regelmäßig für ein paar Monate nach Deutschland kommt, seinem Sohn, der vergangene Woche das Studium mit dem Bachelor abgeschlossen hat, und seinem Enkel, gerade einmal fünf Monate alt. "Vier Generationen sind wir und wir sind stolz darauf", betont Turan. Die erste Generation, die seiner Eltern, habe es schwer gehabt, meint der Vorsitzende. Die Menschen seien nach Deutschland gekommen, konnten die Sprache nicht und gingen sofort arbeiten. Die Kinder blieben meist in der Türkei, bei den Großeltern oder einem Elternteil. "Sie dachten damals, sie gehen zurück, aber es kam dann anders."

Die Jugendlichen in zweiter Generation zogen nach Deutschland und fanden in den Porzellanfabriken Arbeit. Die dritte Generation habe alle Chancen genutzt und eine Ausbildung absolviert, viele studierten.

Der türkisch-islamische Verein sei nicht nur für Türken, sagt Turan. "Wir haben auch Mitglieder aus Syrien, Somalia und dem Iran." Den Stolz, ein Selber zu sein, betont auch zweiter Vorsitzender Öztürk Yasan. "Selb ist wunderbar und wir sind stolz, dass wir mit den Kirchengemeinden, den Schulen und dem Rathaus so gut zusammenarbeiten. Wir wollen und wir leben Frieden." Denkt Yasar an Reisen an das Schwarze Meer, schmunzelt er. "Dort sagen sie, der Deutsche ist wieder da. Wir sind Türkei-Urlauber." Die Heimat, das ist schon lange Selb geworden.

Die Geschichte des Traditionsvereins begann in einem kleinen Kaffeeraum am Marienplatz. "Wir hatten keinen festen Platz, wir trafen uns überall zum Gebet", erinnert sich Turan. Ein Haus in der Talstraße, dann das frühere Gewerkschaftshaus und das zweite Stockwerk über der Gaststätte "Bayerischer Hof" sind Stationen gewesen. Jahrelang trafen sich die Muslime auch im ersten Stock im jetzigen "Goldenen Löwen". 1995 wurde das Anwesen im Grafenmühlweg gekauft. Der Fußballverein wurde 2006 abgemeldet und die Kindertanzgruppe findet schlecht Nachwuchs. Am kulturellen und gesellschaftlichen Leben in Selb halten die Muslime aber fest. Zum Tag der offenen Tür, meist im Juni, beweisen sie ihre Gastfreundschaft. Auch dann stehen im Grafenmühlweg die Autos mit dem SEL und der 55. Ein Bekenntnis der Mitbürger, die gerne Selber sind und das Land der Väter in der Türkei ehren.

"Wir sind nicht nur ein Gottesdienstverein", stellt Turan fest. Die Kinder lernen und lesen im Koran, das sei freiwillig. Der Imam, Mehmet Karakaya, studierte in der Türkei und ist ein Beamter des türkischen Staates. Fünf Jahre bleibt er in Deutschland und leitet das Freitagsgebet, legt den Koran aus und bespricht Themen, die aktuell und von öffentlichem Interesse sind. Zur Jubiläumsfeier am Sonntag in der Dorschner-Halle hat sich auch Gründer Sati Isikan aus der Türkei angekündigt. Bis zu 700 Gäste werden erwartet.

Autor

Silke Meier
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Veröffentlicht am:
31. 10. 2018
16:04 Uhr

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