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Selb

Besuch im Paris des Ostens

Das Dekanatskapitel aus Selb begibt sich bei seinem Pfarrkonvent in Bukarest auf ökumenische Spurensuche. Sie treffen in der Hauptstadt Rumäniens auf ein lebendiges Luthertum.



Die Pfarrer des Dekanatskapitels besuchten in Bukarest auch den römisch-katholischen Erzbischof. Unser Bild zeigt (von links): Pfarrerin Tilla Noack, Pfarrer Johannes Herold, Diakonin Elisabeth Richter, Pfarrer Jürgen Henkel, den römisch-katholischen Erzbischof von Bukarest, Ioan Robu, Pfarrerin Sandra Herold, Dekan Dr. Volker Pröbstl, Pfarrerin Elke Pröbstl und Pfarrerin Daniela Schmid in der Josefs-Kathedrale. Foto: pr.
Die Pfarrer des Dekanatskapitels besuchten in Bukarest auch den römisch-katholischen Erzbischof. Unser Bild zeigt (von links): Pfarrerin Tilla Noack, Pfarrer Johannes Herold, Diakonin Elisabeth Richter, Pfarrer Jürgen Henkel, den römisch-katholischen Erzbischof von Bukarest, Ioan Robu, Pfarrerin Sandra Herold, Dekan Dr. Volker Pröbstl, Pfarrerin Elke Pröbstl und Pfarrerin Daniela Schmid in der Josefs-Kathedrale. Foto: pr.  

Selb/Bukarest - Die rumänische Hauptstadt Bukarest ist immer eine Reise wert. Von den vielen Kirchen der Stadt über Prachtgebäude aus der Zwischenkriegszeit und sozialistische Protzbauten der kommunistischen Epoche bis zu einer quicklebendigen deutschen Minderheit locken dort ganz unterschiedliche Eindrücke. Jüngst statteten zehn Pfarrerinnen und Pfarrer des Dekanats Selb unter Leitung von Dekan Dr. Volker Pröbstl der rumänischen Hauptstadt Bukarest im Rahmen eines Pfarrkonvents einen fünftägigen Besuch ab. Dabei kam es zu etlichen Begegnungen mit ranghohen orthodoxen und katholischen Kirchenvertretern.

Mitten in der sprudelnden Metropole konnten die Geistlichen aus Selb auch ein quicklebendiges deutschsprachiges Luthertum erleben. Für etliche Teilnehmer war es die erste Berührung mit dem südosteuropäischen Land.

Im Rahmen des Pfarrkonvents gab es ein ausgiebiges Besuchsprogramm: etwa die Führung durch den gewaltigen "Volkspalast" des früheren Staats- und Parteichefs Nicolae Ceausescu, immerhin das zweitgrößte Gebäude der Welt, den historischen Teil des Präsidentenpalasts Cotroceni und auch eine abendliche Bootsfahrt auf dem malerischen Herastrau-See am Rande des Stadtzentrums.

Auch ein Spaziergang durch das bekannte Dorfmuseum - ein Freilichtmuseum mitten in der Millionenmetropole mit Häusern aus dem ganzen Land - durfte nicht fehlen. Die Stadt verwöhnte die Gäste aus dem Fichtelgebirge mit einem goldenen Herbst, strahlend blauem Himmel und Temperaturen bis zu 27 Grad.

Für das Programm zeichnete Pfarrer Dr. Jürgen Henkel verantwortlich, der in Rumänien zehn Jahre beruflich tätig war, zwei Jahre davon in Bukarest. "Bukarest galt früher als das Paris des Ostens. Von dieser alten Pracht zeugen bis heute noch Bauwerke der Gründerzeit wie die Paläste, Straßenzüge und Amtsgebäude im Zentrum, die Prachtboulevards und Alleen oder auch zahlreiche alte Villen", fasst Jürgen Henkel seine Begeisterung für die Stadt zusammen. Heute sei Bukarest die große Unbekannte unter den europäischen Metropolen. Dabei sei diese quirlige Stadt mit all ihren Gegensätzen eine der spannendsten und abwechslungsreichsten Städte der Welt.

Mitten im historischen Zentrum nur wenige Meter vom früheren Königspalast und dem berühmten Konzertsaal "Athenäum" entfernt besuchte die Delegation aus dem Dekanat Selb die deutsche evangelische Kirche von Bukarest. Sie wird von den beiden Pfarrern Dr. Daniel Zikeli und Andrei Pinte betreut. Zikeli ist auch Dechant des großen Kirchenbezirks Kronstadt/Brasov und als Bischofsvikar Stellvertreter des Bischofs der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses der deutschen Minderheit in Rumänien.

Bischofsvikar Dr. Zikeli führte die Gruppe durch seine schmucke Kirche in der Lutherstraße und zeigte dabei auch die Ausstellung auf den Emporen zur Geschichte der Gemeinde.

Die Gäste aus Bayern waren angetan von der großen Geschichte der kleinen Gemeinde, die heute rund 1000 Seelen zählt, aber auch davon, dass es in Bukarest überhaupt eine "Lutherstraße" gibt. Pfarrer Zikeli berichtete vom Gemeindeleben und dem Engagement der Kirchengemeinde bis hin zu einer Diakonie-Station und einem eigenen Kindergarten, den die Kirchengemeinde in Bukarest unterhält. "Das ist ein bisschen, als ob man zu Hause ankommt, wenn man hier mitten in der Hauptstadt Rumäniens auf eine deutschsprachige evangelische Gemeinde trifft", sagte Pfarrerin Sandra Herold.

Nach einer gemeinsamen Abendandacht gab es die Gelegenheit zum Austausch und spannenden Gesprächen zwischen den Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Diakonin Elisabeth Richter aus dem Dekanat Selb und den Geistlichen und Gemeindevertretern der evangelischen Pfarrei von Bukarest. Dabei ging es immer wieder um die ganz unterschiedlichen Bedingungen des kirchlichen Lebens, befindet sich doch die Bukarester Gemeinde in der Situation einer extremen Diaspora. Dekan Pröbstl überraschte seinen Amtskollegen aus Rumänien mit einem Porzellangeschenk aus Selb.

Derzeit zählen nur noch rund 12 000 Seelen zur Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. Rund 87 Prozent der über 21 Millionen Staatsbürger gehören zur rumänischen Orthodoxen Kirche. Auch die Römisch-Katholische Kirche gilt in Rumänien als religiöse Minderheit. Ihr gehören rund fünf Prozent der Bevölkerung an. In Bukarest residiert der römisch-katholische Erzbischof Ioan Robu. Zu seiner Erzdiözese gehören alle Katholiken in der Walachei und der Dobrudscha.

Der Erzbischof empfing die Delegation aus Selb in seiner Kathedrale Sankt Josef, die nur einen Steinwurf von der evangelischen Kirche entfernt liegt. Er informierte in fließendem Deutsch über das Gemeindeleben in seiner Erzdiözese Bukarest und bei den rund zwei Millionen Katholiken in Rumänien. Erfreut berichtete er von vielen Berufungen zum Priesteramt. Priestermangel stellt in Rumänien kein Problem dar. In der Kathedrale von Bukarest finden sonntags mehrere Messen statt, wobei der Zuspruch zu den Kirchen auch in Rumänien spürbar sinkt.

Der Selber Dekan Dr. Volker Pröbstl bilanzierte seine Eindrücke mit den Worten: "Es waren bewegende Begegnungen für uns. Neben der kalten und fast unheimlichen Atmosphäre des Ceausescu-Palasts boten diese Gespräche nicht nur Sachinformationen, sondern auch einen konzentrierten Einblick hinter manche Kulissen. Wir konnten in kurzer Zeit viel erfahren darüber, wie die deutsche evangelische und die katholische Minderheit in Rumänien ihren Glauben leben." J. H.

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Jürgen Henkel
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Veröffentlicht am:
23. 11. 2018
17:04 Uhr

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23. 11. 2018
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