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Selb

Bogner-Porträt kehrt zurück nach Selb

Willi Wilhelm überreicht ein Porträt des einstigen Selber Oberbürgermeisters an Schulleiter German Gleißner. Gemalt hat das Bild Wilhelms Vater Ernst.



Bei der Übergabe des Porzellanbildes in der Dr.-Franz-Bogner-Schule (von links): Christine Schlockermann, Geschäftsführerin der Selb 2023 gGmbh; Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch, Harriet und Willi Wilhelm mit dem von Ernst Wilhelm gemalten Porträt, Konrektor Carsten Kunstmann und Schulleiter German Gleißner.	Foto: Silke Meier
Bei der Übergabe des Porzellanbildes in der Dr.-Franz-Bogner-Schule (von links): Christine Schlockermann, Geschäftsführerin der Selb 2023 gGmbh; Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch, Harriet und Willi Wilhelm mit dem von Ernst Wilhelm gemalten Porträt, Konrektor Carsten Kunstmann und Schulleiter German Gleißner. Foto: Silke Meier  

Selb - Dr. Franz Bogner trägt einen grauen Hut auf dem Porzellanbild, das Ernst Wilhelm im Jahr 1948 gemalt hat. Weil das Porträt aber einen kleinen Brandfleck hatte - kaum sichtbar und weggeschliffen - wurde es nie öffentlich gezeigt. Jetzt hat das Bild, das ein Stück Selber Heimat- und Industriegeschichte ist, seinen Weg zurück in die Porzellanstadt gefunden. Denn Willi Wilhelm, Sohn des Porzellanmalers Ernst Wilhelm, brachte es in die Dr.-Franz-Bogner-Schule.

Freier Mitarbeiter

Dr. Franz Bogner war nicht nur
Mediziner und Politiker, sondern auch Journalist. In den Jahren 1906 bis 1914 war er freier
Mitarbeiter beim "Selber
Tagblatt". Sein Kürzel: "F".


In einer kleinen Feierstunde überreichte Willi Wilhelm, der in Deggingen im Landkreis Göppingen lebt, das Erbstück an Schulleiter German Gleißner und Konrektor Carsten Kunstmann. Begleitet wurde Wilhelm von seiner Ehefrau Harriet und von Christine Schlockermann, Geschäftsführerin der Selb 2023. Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch hob bei der Übergabe den Mehrwert hervor, den das Bild für die Schule und die Stadt Selb bedeutet.

"Mein Vater war ein Grenzgänger", sagte Willi Wilhelm, der im heutigen Krasná bei Asch geboren und in Selb-Plößberg, Vielitz-Siedlung und Schönwald aufgewachsen ist. Sein Vater Ernst Wilhelm war Porzellanmaler bei Rosenthal. Sohn Willi Wilhelm absolvierte nach der Oberrealschule eine kaufmännische Lehre bei Rosenthal und studierte später Kunst, speziell Porzellan und Malerei. Im Kreativ-Team der Bayerisch-Tschechischen Freundschaftswochen will sich Wilhelm nach eigenen Worten für die Verständigung der Nachbarländer einsetzen.

In Gesprächen mit Pavel Klepácek, dem zweitem Bürgermeister der Stadt As (Asch), und Carsten Kunstmann, Konrektor der Dr.-Franz-Bogner-Mittelschule, ist Wilhelm das 70 Jahre alte Bild mit dem Porträt Bogners wieder in den Sinn gekommen. Wie Wilhelm bei der Übergabe erzählte, ist das Bild 1948 entstanden. Bogner war gebürtig in Passau und leitete in den 1920er- und 1930er-Jahren das Selber Krankenhaus. In Selb schrieb er auch seine Doktorarbeit. Der Mediziner studierte die "Porzellinerkrankheit", die Staublunge, und erprobte Behandlungsmethoden. Die Arbeiten Bogners waren die Grundlage für die wissenschaftliche Untersuchung und Behandlung der Silikose. Die Anerkennung als Berufskrankheit geht wesentlich auf Bogner zurück. Auch politisch engagierte sich Bogner: Von 1924 an war er Mitglied der SPD-Fraktion im Selber Stadtrat. Die Nationalsozialisten entließen Bogner 1933 fristlos aus dem Dienst im Krankenhaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1946, wurde Bogner erneut in den Stadtrat gewählt und noch im gleichen Jahr zum Ehrenbürger ernannt. Zwei Jahre später wählten ihn die Selber zum Oberbürgermeister.

Der Maler Ernst Wilhelm war bis 1946 in der Kunstabteilung bei Rosenthal beschäftigt. Danach sei er arbeitslos geworden und in einem Behelfsheim in der Vielitzer Straße untergekommen, schilderte Willi Wilhelm die Jahre nach dem Krieg. "Mein Vater hielt die Familie über Wasser, indem er Porzellanbilder nach Fotos, vor allem für US-Soldaten, auf Porzellanplatten malte." Ein Foto sowie die Angabe der Haar- und Augenfarbe genügten.

Oberbürgermeister Dr. Franz Bogner malte Wilhelm dann in dessen erstem Amtsjahr auf eine Rosenthal-Platte. Jetzt, 70 Jahre später, ist das Bild an der Schule, die seinen Namen trägt. Nach der Übergabe besuchten Willi und Harriet Wilhelm die Bläserklasse.

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Silke Meier
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Veröffentlicht am:
15. 04. 2018
17:14 Uhr

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Silke Meier

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Veröffentlicht am:
15. 04. 2018
17:14 Uhr



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