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Computer-Angriff mit dem Stoffbeutel

Eine Kamera, eine Mail, eine Tasche: Hacker können mit vielen Dingen Schaden anrichten. Zwei Experten bringen das dem Selber Publikum mit viel Witz und Wissen nahe.



"Was diese Tasche kann, kann jede andere auch: hacken", verspricht Kevin Schmitz. Foto: Marina Richtmann
"Was diese Tasche kann, kann jede andere auch: hacken", verspricht Kevin Schmitz. Foto: Marina Richtmann  

Selb - Wenn der Computer-Nerd aus dem Keller gelassen wird, bleibt das Chaos nicht lange aus: Nur wenige Sekunden braucht es, bis Kevin Schmitz sich in den Rechner seines Kollegen gehackt hat. "Heutzutage ist es einfach geworden zu hacken", erklärt er, "und deshalb sind wir hier!" Gemeinsam mit seinem Kollegen Markus Tröscher klärt er beim Live-Hacking-Event "Die Hacker kommen" über die Gefahren im Netz auf und gibt nützliche Tipps gegen Hackerangriffe. Organisiert hatten die Veranstaltung mit den beiden Experten vom Unternehmen Allgeier Core das Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und das Bayern-Lab Wunsiedel.

Im zweieinhalbstündigen Rollenspiel-Programm im Rosenthal-Theater beweisen Schmitz und Tröscher immer wieder, wie leicht Hacker Zugriff auf private Daten erhalten können. Sie präsentieren eine Mischung aus unterhaltsamen Dialogen und informativen Vorträgen. Die erste Falle lauert für Hacking-Opfer Tröscher im E-Mail-Postfach: Er erhält eine Mail, die scheinbar von Gmail gesendet wurde und kostenlosen Speicherplatz versprach. Tröscher klickt auf den Link und schließt die Warn-Fenster am PC sofort. Währenddessen freut sich der Kollege: Die Hacking-Falle ist zugeschnappt. "Fehlt die persönliche Anrede, kommen Ihnen die Absenderadresse oder ein Anhang komisch vor oder erhalten Sie Warnmeldungen, dann sollten Sie alarmiert sein. Mails lassen sich leicht fälschen", erklärt Schmitz dem Publikum.

Am Rechner seines Kollegen findet er weitere leichte Angriffsziele für Hacker: Der Virenscanner ist nicht aktualisiert, die Firewall deaktiviert. "Jeden Tag gibt es weltweit 300 000 bis 400 000 neue Bedrohungen", informieren die Experten. Wer auf neue Updates verzichte, mache seinen PC anfällig für Hacker-Angriffe, sagt Schultz: "Bei neuen Updates geben die Betreiber bekannt, welche Softwarelücken geschlossen wurden. Wer die neuen Updates nicht sofort installiert, lebt weiterhin mit der Sicherheitslücke - ein gefundenes Fressen für jeden Hacker."

Die Unwissenheit vieler Nutzer bieten den Hackern ein leichtes Spiel. Auch über fremde USB-Sticks, Handys, Tablets oder Kameras kann ein Hacker auf den PC gelangen. Deshalb warnen die Experten, keine fremden Datenträger an den eigenen Computer anzustecken.

Auch bei den Passwörtern machen es viele Nutzer den Hackern leicht: Sie sichern ihre Geräte mit kurzen, einfachen Passwörtern. "Je länger, desto besser", sagen die Experten. Die 84 Zeichen auf einer Tastatur bieten bei einem vierstelligen Passwort 84 hoch vier, also 50 Millionen, verschiedene Möglichkeiten.

Gemeinsam mit dem Publikum generieren die beiden ein vierstelliges Passwort: "i8*Y". Schmitzs Rechner hat es in neun Sekunden geknackt, ein leistungsstärkerer Computer schafft das in fünf Millisekunden. "Die Zeit steigt exponentiell an: Für ein sechsstelliges Passwort braucht man ungefähr 39 Sekunden, bei acht Stellen dauert das drei Tage und bei einem 14-stelligen Passwort gibt es so viele Möglichkeiten, dass der Computer 3,1 Milliarden Jahre brauchen würde."

Die Experten raten dazu, keine Wörter aus dem allgemeinen Sprachgebrauch oder Zahlenfolgen zu verwenden, da Hacker diese oft zuerst abfragen würden. Aber wie sieht denn nun ein sicheres Passwort aus? Schmitz und Tröscher geben die Antwort: PM-U:7Bmdg,7dJu: - "na, kommt Ihnen das bekannt vor?", fragen die beiden grinsend. Sie lösen das Rätsel auf: "Hier sehen Sie die ersten Buchstaben eines bekannten Liedes: ‚Peter Maffay - Über 7 Brücken musst du gehn, 7 dunkle Jahre überstehn’." Die Punkte über dem "ü" setzen die Experten dabei als Doppelpunkt neben den Buchstaben - "das sorgt für doppelte Sicherheit und verlängert um eine Stelle", erklärt Schmitz und fügt hinzu: "Aber summen Sie das Lied beim Passwort-eingeben nicht mit!"

Auch sein Kollege hat noch einen Tipp parat, der bei gestohlenen EC-Karten hilfreich sein kann: "Bewahren Sie im Geldbeutel einen Zettel mit der Aufschrift ‚PIN‘ auf und schreiben Sie darauf vier ausgedachte, falsche Pins." Sein Kollege vervollständigt: "Wenn Ihnen die Karte jetzt geklaut wird, freut sich der Dieb, geht zur Bank und gibt den ersten Pin ein: falsch. Dann den zweiten: auch falsch. Jetzt hat er die Wahl zwischen dem dritten und dem vierten: egal welchen er nimmt - er wird falsch sein, und die Karte wird eingezogen."

Als Schmitz eine Stofftasche hervorzieht und behauptet, er könne damit hacken, hat er zunächst die Lacher auf seiner Seite. Doch als er die Tasche über Maus und Tastatur seines Kollegen wirft und der Computer scheinbar von selbst Fenster öffnet und Bilder anzeigt, wird es ruhig im Saal. Schmitz löst das Rätsel auf: Nicht die Tasche, sondern die Maus war Auslöser für den Angriff. "Die manipulierte Maus enthält einen Chip und kann am PC-Daten auf die Cloud des Hackers laden." Doch auch die Tasche habe eine bedeutende Rolle gespielt: "Die Maus kann ja nicht direkt nach ihrer Installation mit dem Hacken beginnen - das wäre viel zu auffällig. Sie enthält einen Bewegungssensor: Sobald es dunkel wird, beginnt die Maus. Und dunkel wird es ja immer irgendwann."

Was dagegen hilft? - "PC sperren oder bestenfalls herunterfahren, wenn man Feierabend macht", sagt Schmitz und fügt noch hinzu: "Aber das sollte man ja eigentlich immer tun, wenn man seinen Arbeitsplatz verlässt." Da stimmt auch Kollege Markus Tröscher zu: "Wie allgemein, gilt auch hier: Wir setzen auf den gesunden Menschenverstand - nachdenken, durchlesen, bewusst bestätigen und nicht schnell weiterklicken." Kevin Schmitz führt schließlich noch ein Beispiel an: "Ich bin in einem Wlan namens ,Telekom_ICE‘. Seht ihr hier irgendwo einen ICE? Nein? Ja, dann stimmt hier doch etwas nicht!"

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Marina Richtmann
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Veröffentlicht am:
25. 09. 2019
17:40 Uhr

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Autor

Marina Richtmann

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Veröffentlicht am:
25. 09. 2019
17:40 Uhr



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