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Selb

Das "Blaue Virus" ist ansteckend

Beim THW tun zahlreiche Ehrenamtliche Dienst zum Wohl ihrer Mitmenschen. Die Selber Helfer rücken auch zu Einsätzen in der Ferne aus.



Jeden Donnerstag treffen sich auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks in Selb ehrenamtliche Helfer, um gemeinsam die wichtigsten Handgriffe zu üben - zum Beispiel, wie man den Greifzug richtig bedient, um schwere Lasten abzutransportieren.	Fotos: Florian Miedl
Jeden Donnerstag treffen sich auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks in Selb ehrenamtliche Helfer, um gemeinsam die wichtigsten Handgriffe zu üben - zum Beispiel, wie man den Greifzug richtig bedient, um schwere Lasten abzutransportieren. Fotos: Florian Miedl   » zu den Bildern

Selb - Übung macht den Meister; diese Weisheit halten auch die Mitglieder des Selber THW-Ortsverbands hoch. Jeden Donnerstag und einmal im Monat auch am Samstag treffen sich die Freiwilligen des Technischen Hilfswerks und trainieren die Handgriffe, die im Notfall Menschenleben und Sachgüter retten.

"Seit 1950 gibt es das THW, den Selber Ortsverband seit 1953", sagt Beatrix Schäfer, die Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit beim Selber Ortsverband ist. Gegründet worden ist die Gruppe nach dem Zweiten Weltkrieg ganz bewusst als nicht-militärische Einheit, die dem Schutz der Zivilbevölkerung diente. Heute steht das THW vor allem für die Katastrophenhilfe, wie beim Hochwasser in Deggendorf 2013. Auch aus Selb waren damals Helfer vor Ort, um der Wassermassen Herr zu werden.

Einer von ihnen war Christian Prucker, seines Zeichens Schirrmeister beim Selber Ortsverband. Er kümmert sich darum, dass die Ausrüstung vollständig und einsatzbereit ist, vom Stiefel bis zum Lastwagen. Seit fast 20 Jahren ist er beim THW, angefangen hat er in der Jugendgruppe. "Christian schafft locker tausend Stunden pro Jahr im Ehrenamt", sagt Beatrix Schäfer, "und seine Lebensgefährtin ist inzwischen auch dabei." Da lacht Christian Prucker: "So sehen wir uns nach der Arbeit wenigstens ab und zu", scherzt er. Dass er viel Zeit ins Ehrenamt steckt, weiß er; aber es ist ihm wichtig. So sieht das auch Beatrix Schäfer: "Ohne die Freiwilligen bei THW, aber auch beim Roten Kreuz und den Feuerwehren hätte der Staat im Notfall ein Problem." Und die ganze Gesellschaft.

Viele wüssten nicht, dass die Aktiven beim THW ehrenamtlich arbeiten: "Wir bekommen keinen Lohn, dafür kostet es aber auch nichts, bei uns mitzumachen." Nur Zeit: Gut 350 Stunden pro Jahr verwenden die rund hundert Aktiven des Selber Ortsverbands auf Ausbildung und Übung im Durchschnitt.

So wie an diesem Abend: Auf dem Hof der THW-Unterkunft Am Schreinersteich haben die gut 15 Teilnehmer Lichtmasten aufgebaut. Schon das gehört zum Training: Im Ernstfall müssen sie Unglücksorte ausleuchten. Im Hintergrund röhrt eine Flex, die Trennscheibe schneidet durch ein Rohr, Funken fliegen in die Nacht. "Das geht dünner", ruft Christian Prucker augenzwinkernd. Felix Künzel lacht und führt die Flex souverän durchs Metall; eine schmale Scheibe fällt klirrend zu Boden. Er ist seit elf Jahren an Bord und hat diese Übung schon unzählige Male gemacht. "Es gibt Handgriffe, die müssen einem in Fleisch und Blut übergehen", sagt Beatrix Schäfer. Dazu gehört auch, Holzscheiben unter die Geräte zu schieben, wenn man sie ablegt. "Bei einem Einsatz auf nassem Grund schützt das die Geräte", erklärt Beatrix Schäfer, "da denkst du gar nicht drüber nach, du machst es einfach."

So wie Kevin Wenig das später tut, wenn er mit der Rettungsschere trainiert. Er ist seit 2014 beim THW. "Ich habe den Stand beim Bürgerfest gesehen und bin einfach mal hin", erinnert sich der Auszubildende. "Die haben mich zum Reinschnuppern eingeladen, ich bin zur nächsten Übung gekommen und gleich hängen geblieben." Wie alle Aktiven hat auch Kevin anschließend einen Grundlehrgang durchlaufen. Die Teilnehmer lernen allgemeines Wissen über den deutschen und europäischen Katastrophenschutz, Wichtiges zur Sicherheit und das Verhalten im Einsatz, Lastentransport, Knoten zu knüpfen und tausend Dinge mehr - und natürlich den Umgang an den THW-typischen Werkzeugen und Geräten. Die sind bundesweit einheitlich, weshalb alle Einsatzkräfte, egal aus welchem Ortsverband, überall mit anpacken können. "Das war zum Beispiel diesen Winter beim Schneechaos in Südbayern wichtig", sagt Beatrix Schäfer.

Helfer aus ganz Deutschland haben den Kampf mit den Schneemassen aufgenommen, auch aus Selb. "Am 12. Januar kam gegen 14 Uhr die Alarmierung", erinnert sich Beatrix Schäfer. Ortsbeauftragter Uwe Prucker, quasi der Dienststellenleiter in Selb, hat dann herumtelefoniert; bis zum Abend konnte er gleich zwei Helfertrupps melden. Am nächsten Morgen, ein Sonntag, um 6 Uhr rückten die ersten Freiwilligen aus ins Berchtesgadener Land, am Mittwoch löste die zweite Gruppe aus Selb die Kameraden ab.

"Das war echt anstrengend, aber es hat auch Spaß gemacht zu helfen", erinnert sich Tobias Maier. Er ist seit zehn Jahren beim THW und war trotz der Strapazen gerne in Südbayern dabei. "Wenn du den ganzen Tag Schnee schaufelst, weißt du am Abend, was du getan hast", sagt er.

Dass solche Einsätze funktionieren, ist auch der Kulanz vieler Arbeitgeber zu verdanken, die ihre Mitarbeiter für den Dienst an ihren Mitmenschen freistellen. "Wenn die Arbeitgeber und Familien nicht mitspielen, geht’s nicht", weiß Beatrix Schäfer. Auch nicht, wenn es zu wenig Freiwillige gibt. Das THW freut sich deshalb immer über Verstärkung: "Bei uns findet jeder eine Aufgabe, egal wie stark oder alt man ist, ob Mann oder Frau", verspricht die Öffentlichkeitsbeauftragte - und lädt alle Interessierten ein, doch einmal zur Übung am Schreinersteich vorbeizuschauen. Besonders für Jugendliche sei das Ehrenamt interessant; viele haben Spaß an der technischen Ausbildung, genießen aber auch die Kameradschaft beim Grillen und beim Zeltlager. "Unser Ortsbeauftragter sagt immer, wir müssen schon die Jungen mit dem ,blauen Virus’ anstecken." Das ist übrigens schon ab sechs Jahren übertragbar: "Wir würden gerne eine Mini-Gruppe für die ganz Kleinen aufbauen."

So ist Beatrix Schäfer zum THW gekommen: Im Geburtsvorbereitungskurs hat sie einen Ehrenamtler kennengelernt. Als ihre Tochter und sein Sohn sechs Jahre alt waren, besuchten die Kinder gemeinsam die Minigruppe. Das ist schon zehn Jahre her, aber Beatrix Schäfer und ihre Tochter sind immer noch mit Begeisterung beim THW. Keinen Tag bereut hat auch Kevin Wenig: "Da mach‘ ich beim THW doch lieber was Sinnvolles, statt abends in die Glotze zu schauen." Tobias Maier kann die Mitgliedschaft nur empfehlen: "Es macht einfach Spaß, für andere da zu sein." Und Christian Prucker fasst zusammen: "Natürlich erlebst du Sachen, die du gern vergessen würdest. Keiner will einen Toten nach einem Unfall sehen. Aber wenn du helfen konntest, macht dich das stolz."

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Tamara Pohl
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Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
17:06 Uhr

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Tamara Pohl

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11. 03. 2019
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