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Selb

Das WGG auf den Spuren des Bauhauses

Am Selber Gymnasium ist Architekt Peter Kuchenreuther zu Gast. Er zeigt, wo Gropius‘ Ideen heute zu finden sind.



Peter Kuchenreuther	Foto: pr.
Peter Kuchenreuther Foto: pr.  

Selb - "Wie kann man beim Bauen auf Nachhaltigkeit achten?", "Höher, schneller, größer - wie verändern sich Stadtbild und Stadtleben in der Zukunft?" - mit diesen Themen beschäftigen sich derzeit die Schülerinnen und Schüler der Q11 am Walter-Gropius-Gymnasium (WGG) Selb im Fach Deutsch.

Zum Komplex "Stadt der Zukunft" im Rahmen des Jubiläumsjahres "100 Jahre Bauhaus" bereiten die Elftklässler kurze Reden vor; die Besten dürfen ihre Beiträge anlässlich des Festakts am 5. Juli 2019 im Atrium des WGG präsentieren. Fachkundige Unterstützung hatte Kursleiterin Silke Sachs kürzlich ins WGG eingeladen. Mit Peter Kuchenreuther war ein in ganz Oberfranken renommierter Architekt zu Gast, teilt die Schule mit.

Natürlich wollten die Schüler ihren Gast näher kennenlernen und erfuhren, dass Peter Kuchenreuther nach dem Abitur erst eine Steinmetzlehre absolviert hat. "Mit den eigenen Händen arbeiten, sich mit Material beschäftigen" sei ganz wichtig, sagte der Architekt. Seid 2004 ist er selbstständiger Architekt. In seinem Büro in Marktredwitz beschäftigen sich 15 Mitarbeiter mit Regionalplanung und -entwicklung, auch mit Freianlagengestaltung. Ein weiterer wichtiger Bereich sei die Denkmalpflege. Seinen Berufsalltag beschreibt Kuchenreuther zwischen "Bürgermeister und Baustelle". "Dauerhafte Werte zu schaffen", darin sieht er seine Erfüllung.

Mit dem Bauhaus sei der Architekt während seines Studiums an der TU München intensiv in Berührung gekommen. Für die Schüler fasste er die wichtigsten Eckdaten zusammen: 1919, als Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt im Umbruch waren, schufen die Bauhäusler eine Lehre, die die Lebensumwelt ein bisschen besser machen wollte. Zum ersten Mal spielte Deutschland in der Architekturgeschichte eine Rolle und schuf einen Wendepunkt im Bauen. Den heutigen Einfluss des Bauhauses sieht Kuchenreuther in der Bedeutung von Licht, Luft und Sonne. Dachterrassen und weitgespannte Räume seien darauf zurückzuführen, aber auch Entwicklungen wie die Tiny-Houses, weil sie in ihrem Wunsch nach Reduzierung einen kritischen Blick auf die Wohlstands- und
Konsumgesellschaft werfen: "Wie viel brauche ich um zu leben?"

Die Botschaft des Bauhauses sei die Beschäftigung mit den aktuellen Themen in der Gesellschaft und die Übertragung der Vision auf unsere Zeit, betonte Kuchenreuther. Er nannte als Beispiele die Bereiche Mobilität und Nahversorgung, die Schaffung von Städtenetzen und das Erreichen von Bildungsstandards. Angesprochen auf den Leerstand, der in vielen Städten und Gemeinden ein leidiges Thema sei, wies der Architekt auf die zahlreichen bestehenden Konzepte hin. Natürlich gebe es keine Musterlösung, aber die gute und nutzungsneutrale Bausubstanz vieler Häuser in den Innenstädten - hier ließen sich Wohnen und Arbeiten unter einen Hut bringen - sei ein Gegenpol zum Flächenfraß. Auch die Entwicklung von Einkaufsstädten zu Erlebniswelten bezeichnet der Architekt als zukunftsweisend, um dem Leerstand entgegenzuwirken.

Hier hakte eine Schülerin ein und fragte nach Ideen zur Attraktivitätssteigerung in Selb. Kuchenreuther wies auf den Bürgerpark als gelungenes Beispiel für Aufenthaltsqualität hin. Insgesamt müssten Innenstädte neu erfunden werden, um Identitäten zu schaffen. Eine weitere Frage, die auf die Schaffung von neuem Wohnraum in Ballungsgebieten abzielte, beantwortet Kuchenreuther mit einer Gegenfrage: "Muss ich in den Ballungsraum?"

Möglichkeiten, der Wohnungsknappheit entgegenzuwirken, sah er im verdichteten Bauen, außerdem sei die Flexibilität in der Grundrissstruktur ganz wichtig. Nahtlos war der Übergang zum nächsten Thema, das von einer Elftklässlerin angesprochen wird: Wie lässt sich Nachhaltigkeit beim Bauen erreichen und wie können Ressourcen gespart werden? Hier sei es wichtig, auf die Dauerhaftigkeit der Materialien zu achten. Während beispielsweise Linoleum 30 Jahre hält, ist Kautschuk deutlich langlebiger. Um Gebäude auch in 75 oder 100 Jahren noch nutzen zu können, empfahl der Architekt das Bauen mit Ziegel, Holz und Naturschiefer. Während verstärkt Nahwärmenetze geschaffen werden müssten, sollten fossile Brennstoffe zurückgedreht werden. Und natürlich sei jeder Einzelne gefordert.

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Veröffentlicht am:
15. 05. 2019
18:10 Uhr

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