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Selb

Der erste Schritt zur neuen Innenstadt

Sanierungen und Modernisierungen, ein größeres Angebot und bessere Wegeverbindungen: Das Büro "Forum Bremen" stellt den Rahmenplan für die Selber Innenstadt vor.



Einige Veränderungen wird es in der Selber Innenstadt geben, wenn es nach dem Rahmenplan des Büros "Forum Bremen" geht. Foto: Florian Miedl
Einige Veränderungen wird es in der Selber Innenstadt geben, wenn es nach dem Rahmenplan des Büros "Forum Bremen" geht. Foto: Florian Miedl  

Selb - Wie soll sich die Selber Innenstadt entwickeln, welche Maßnahmen sind sinnvoll, welche Möglichkeiten bieten sich - vor allem vor dem Hintergrund der Investitionen im neuen Outlet-Center - an? Mit diesen Fragen hat sich der Selber Stadtrat in seiner Sitzung befasst. Klaus-Martin Hesse und Felix Matthes vom Büro "Forum Bremen", das bereits den Masterplan-Prozess federführend begleitet hatte, stellten die vorbereitenden Untersuchungen (VU) und den Rahmenplan vor. Letztlich billigte der Stadtrat diese Entwurfsfassung. Hintergrund dieser neuerlichen Untersuchung ist folgender: Sie ist die Voraussetzung dafür, dass der Stadtrat später Zuschüsse aus der Städtebauförderung beantragen kann.

So geht’s weiter

Nachdem der Stadtrat am Mittwoch die vorbereitenden Untersuchungen samt Rahmenplan gebilligt hat, werden die Träger öffentlicher Belange beteiligt und eine Info-Veranstaltung für die Bürger geplant. Außerdem werden die Planungen der Regierung von Oberfranken vorgelegt und anschließend die möglichen Änderungen eingearbeitet. Dann muss der Stadtrat eine förmlichen Beschluss fassen und in einer Satzung das Gebiet festlegen. Anschließend können Fördermittel beantragt und Projekte umgesetzt werden.


Wie Felix Matthes erläuterte, spielen viele Faktoren eine Rolle: so etwa der Masterplan, die bayerisch-tschechischen Freundschaftswochen 2023, die Planung für das Bahnhofs-areal, aber eben auch die laufenden Investitionen: "All dies muss man in seiner Gesamtheit betrachten."

Das untersuchte Gebiet ist laut Klaus-Martin Hesse in etwa deckungsgleich mit dem Masterplangebiet. In diesem 24 Hektar großen Areal leben 840 Einwohner in 300 Hauptgebäuden. Von diesen Gebäuden stehen 13 komplett und 64 zum Teil leer. 14 Häuser haben einen hohen Sanierungsbedarf, 67 einen mittleren.

Überraschend positiv ist die Einwohnerentwicklung. Die Innenstadt habe die Verluste der vergangenen zehn Jahre kompensiert. Auch was das Alter der Einwohner angeht, punktet die Innenstadt. In der Gesamtstadt liege das mittlere Alter über 50 Jahren, in der Innenstadt liege der Wert bei 46 Jahren. Klar erkennbar sei, dass sich Einzelhandel und Dienstleistungen vor allem in der Ludwig- und Schillerstraße konzentrieren. Eher schlecht sind nach Hesses Angaben die Verkehrsverbindungen für Fußgänger und Radfahrer in der Innenstadt, die auf der anderen Seite viel Autoverkehr aufweise.

Aus allen Untersuchungsergebnissen hat das Büro eine Stärken-Schwäche-Analyse erstellt. Die Stärken sehen die Planer vor allem in der Erreichbarkeit, der prosperierenden Wirtschaft, der Investitionsbereitschaft und der Design-Orientierung sowie der jungen Bevölkerung. Positiv seien auch die meist in der Region verwurzelten Hauseigentümer und die Nähe zu attraktiven Freiräumen.

Chancen bieten sich demnach durch die Impulse des Outlet-Baues, der Freundschaftswochen und des geplanten zentralen Omnibusbahnhofes. Außerdem gebe es gute Fördermöglichkeiten und durchaus Potenziale im Bereich Wohnraum und Radverkehr.

Als Schwächen listete Hesse den Sanierungsstau, die teilweise prägenden Leerstände, die Belastung durch den motorisierten Verkehr, den Mangel an zeitgemäßen Wohn- und Übernachtungsmöglichkeiten. Ein Manko sei auch, dass die wenigsten Häuser barrierefrei sind. Und auch Risiken stellte Hesse dar: Es stelle sich die Frage, ob die Qualität der Gebäude gesichert werden kann und ob die Anbindung an den Outlet-Bereich gelinge. Auch wie lange der Zuzug in die Innenstadt anhalte und ob eine mögliche Abwärtsspirale, ausgelöst durch fehlenden Wohnraum und mangelnde städtebauliche Qualität, verhindert werden kann, seien wichtige Aspekte. Grundsätzlich habe man es zum Teil mit gravierenden Substanzschwächen zu tun, bei denen sich eine Sanierung empfehle.

Diese Erkenntnisse fasste dann Matthes im Rahmenplan zusammen. Demnach sollten Sanierungen und Modernisierungen vorangetrieben, einige Rückbauten, aber auch Neubauten ins Auge gefasst werden. Weiter sollten architektonisch moderne Marken gesetzt werden und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessert werden. So biete sich an, neue Plätze zu schaffen und sie ähnlich einer Perlenkette zu verknüpfen, um Besucher vom Outlet in die Innenstadt zu führen. Wichtig dabei sei vor allem interessante Fußwege und Gassen anzulegen, um damit auch die Grün-, Frei und Wasserflächen besser einzubinden. Grundsätzlich müsse das Gebiet für Radler und Fußgänger attraktiver werden, Leerstände verringert und in Zukunft vermieden und das Wohnungsangebot verbessert werden. Eines der wichtigsten Ziele sei es, die Entwicklungen in der westlichen Innenstadt zu nutzen, um die östliche Ludwigstraße zu stärken. "Es gilt das gleiche Motto wie beim Masterplan: Mutig Bewährtes und Neues verbinden", sagte Matthes.

Das Forum präsentierte auch eine erste grobe Kostenschätzung: Die Ausgaben gab Matthes mit rund 8,9 Millionen Euro an. Abzüglich der zu erwartenden Förderung und der möglichen Einnahmen ergebe sich ein Kostenanteil der Stadt Selb in Höhe von 1,63 Millionen Euro. Gehe man von einer Umsetzungszeit von zehn Jahren aus, wären das jährlich rund 163 000 Euro.

Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch lobte die Planung. "Wir planen auch nicht für die Schublade, sondern für die Umsetzung." Etwas kritischer fiel die Stellungnahme von Wolfgang Kreil (CSU/FWS) aus, der bemängelte, dass die Einflüsse des Rosenthal-Outlets nicht gewürdigt würden. Auch die Hinweise zum Wohnraum und Leerstand seien sicher richtig, problematisch sei die konkrete Umsetzung.

Ebenfalls kritisch äußerte sich Rudolf Kirschneck (SPD), der zwar viele gute Ansätze sah, aber anmerkte, dass man nicht die ganze Euphorie auf das Munitor-Outlet richten sollte. Dem widersprachen Hesse und Bauamtsleiter Resch. Beide betonten, dass man die künftigen Entwicklungen soweit bekannt, berücksichtigen müsse. Die VU seien ein erster Schritt, auf den das weitere Verfahren aufbaue.

Lob gab es von Dr. Klaus von Stetten (Aktive Bürger). Die Planung zeige in komprimierter Form, wohin es gehen soll. "Die VU ist nur ein Abschnitt eines längeren Weges. Wir müssen unsere Schwächen kennen, die Risiken einschätzen und die Chancen nutzen." Carsten Hentschel (CSU/FWS) sprach von einem ehrlichen Gutachten, das den dringenden Handlungsbedarf zeige. Auf Hentschels Frage nach einer Prioritätenliste wollte sich Matthes nicht festlegen. Er sprach von Möglichkeiten, die ineinander greifen.

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Andreas Godawa

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Veröffentlicht am:
01. 03. 2019
16:28 Uhr

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01. 03. 2019
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