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Selb

Dobrindts Worte empören Helferkreis

Die Äußerungen des Chefs der CSU-Landesgruppe im Bundestag machen die Mitglieder des Vereins "Zuflucht in Selb" traurig und zornig. Sie schreiben dem Politiker.



Selb - Mit einem Brief hat sich der Verein "Zuflucht in Selb" (ZIS) an den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, gewandt. Anlass sind Dobrindts jüngste Äußerungen zum öffentlichen Widerstand gegen die Abschiebung von Flüchtlingen.

Die ZIS-Mitglieder erläutern Dobrindt zunächst, dass sie seit mehr als vier Jahren in der Gemeinschaftsunterkunft Selb-Erkersreuth Geflüchtete und Asylbewerber betreuen. Dabei investierten die etwa fünfzig Mitglieder und der zehnköpfige Vorstand viel Zeit und auch Geld, um die Menschen, die in der Gemeinschaftsunterkunft leben, in die Stadt zu integrieren. "Das ist in vielen einzelnen Fällen auch gut gelungen."

Dann greift die ZIS den Fall der sechsköpfigen Familie Jamalov auf, die im März nach Aserbaidschan abgeschoben wurde (wir berichteten): "Wir haben diese Familie in ihrem Bemühen, in Deutschland bleiben zu können, unterstützt", heißt es in dem Brief an Dobrindt. "Vor allem für die beiden schulpflichtigen Kinder war die Abschiebung eine fatale Unterbrechung ihrer Ausbildung." Der siebzehnjährige Sohn sei mittlerweile in Aserbaidschan gemustert worden und werde demnächst zum Militär eingezogen. Der Vater der Familie sei schon zweimal festgenommen worden, ihm drohe eine lange Haftzeit.

Landauf, landab engagierten sich Hunderttausende von Frauen und Männern, um die sogenannte Flüchtlingskrise human zu bewältigen und positive Zukunftsaussichten für diese Menschen und auch für unser Land zu schaffen. "Menschen in prekären Situationen zu helfen, so denken wir, ist ein gutes christliches Beginnen."

Dobrindt habe mit seinen Worten "Die Anti-Abschiebe-Industrie nutzt die Mittel des Rechtsstaates, um ihn durch eine bewusst herbeigeführte Überlastung von innen heraus zu bekämpfen" und "Eine unsägliche Allianz von Zwangsideologen und Partikularinteressen, die durch Klagewellen versucht, Abschiebungen zu verhindern und die Durchsetzung des Rechtsstaats zu verhindern" die ausschließlich ehrenamtlich arbeitenden Helfer diffamiert und zutiefst verletzt. "Sie unterstellen, dass unser Engagement nicht menschlich motiviert ist, sondern sich an einer Ideologie, die unser Gemeinwesen gefährdet, orientiert." ZIS verfolge jedoch keinerlei Gewinnabsichten, wie eine Industrie dies täte. "Wir werden auch in Zukunft, trotz Ihrer üblen Nachrede, die Menschen, die bei uns Zuflucht und Hilfe vor Not und Verfolgung suchen, nach Kräften unterstützen."

Vom Repräsentanten einer Partei, die ein "C" im Namen führt, erwarte der Helferkreis, derart beschämende Äußerungen aus dem Blickwinkel der Nächstenliebe zu überdenken und in Zukunft zu unterlassen.

Autor

Rainer Maier
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 05. 2018
21:38 Uhr

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15. 05. 2018
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