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Ein rhythmisches Feuerwerk

Zwischen Leder- und Latzhosen: Bei der 12. Erkersreuther Musiknacht geht es hoch her. Drei Ensembles heizen dem Publikum ein.



Furioses Finale: Die gesamten Ensembles spielten am Schluss gemeinsam auf.	Fotos: Jürgen Henkel
Furioses Finale: Die gesamten Ensembles spielten am Schluss gemeinsam auf. Fotos: Jürgen Henkel   » zu den Bildern

Erkersreuth - Hintersinnige, manchmal sogar melancholische Stücke, dargeboten in fetzigem Sound; traditionelle Blasmusik, Märsche, Polkas, deftige Lieder und Zoten, dazu eine junge Frau an der Tuba, und dann natürlich der in seiner Ausrichtung nie vorhersehbare musikalische Rundumschlag der Männer in den roten Latzhosen der "Fidelen Hinterachse" aus Hof: Bei der zwölften Erkersreuther Musiknacht war für jeden Geschmack wieder etwas dabei. Unter dem Motto "111 Jahre Einigkeit" hatte der rührige Erkersreuther Geselligkeitsverein in die Erkersreuther Schulturnhalle zur Musiknacht eingeladen.

Vorsitzender Joachim Reuer begrüßte unter den zahlreichen Gästen Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch sowie einige neue Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Über vier Stunden lang ging es rund auf der Bühne. Reuer dankte seiner Mannschaft und allen Sponsoren, die das jährliche Musikereignis möglich machen.

Die Musikanten und Sänger legten munter los und zauberten ein Potpourri an Stimmung und guter Laune auf die Bühne. Die Vielfalt erinnerte dabei an so manche Ausgabe der "Wirtshausmusi" im Fernsehen, nur dass hier die Aufführung und die gute Laune eben authentisch zu erleben waren. Leider war der Besuch nicht überragend. Die Anwesenden freilich erfreuten sich sehr an diesem musikalischen Live-Genuss.

Den Auftakt setzten D’4 Blechseggln aus Schwandorf. Sie boten bekannte traditionelle Polkas und Märsche, aber zum Beispiel auch eine tonale Ode an den Furz, bei dem Sandra Zweck an der Tuba die entscheidende lautmalerische Aufgabe in verschiedenen Variationen zukam. Dabei war es durchaus beachtlich, wie die vier Musikanten unter der Leitung von Josef Zweck auch Stücke wie den "Deutschmeister-Regimentsmarsch", die normalerweise ein größeres Orchester benötigen, spielerisch hinzauberten.

Auch die fünf Musiker der Fidelen Hinterachse aus Hof zeigten, was sie alles können - vom traditionellen "Es war im Böhmerwald" über Jazz und Swing mit "Sentimental Journey" oder "Down By The Riverside" bis zu lateinamerikanischen Rhythmen oder dem weltbekannten "Che sera sera". Es war ein akustisches wie optisches Erlebnis, mitzuverfolgen, mit welchem Gefühl für Rhythmus, Schwung und die ureigene Stimmung der unterschiedlichen Stücke diese fünf Musikanten agieren.

Deftig und fetzig brachte schließlich das Duo Michl & Metzler aus Weidenberg ihre urfränkischen "Liedla" herüber. Da tobte der Saal, wenn sich diese Vollblutmusiker in Höchstform an ihren Instrumenten austobten: Klaus Metzler am tubaähnlichen Helicon und am Kontrabass, Siggi Michl an Gitarre und Bassdrum. Mit frechen, zotigen, melancholischen und oft derben eigenen Mundarttexten auf meist bekannte Melodien heizten sie dem Publikum ein. Und gaben auch gleich Lebenshilfe in tief fränkischem Pragmatismus: "Grein halt net, des werd scho widder."

Dabei ging es meist um Alltagsszenen: zwischen Mann und Frau, Frauen am Steuer ("Im Auto vor mir sitzt a Fraa am Steuer ..."), die häusliche Veranda als Sehnsuchtsort, den Untreusee und das Älterwerden. Und so wird aus Daliah Lavis "Wann kommst du" ein "Lass gut sei" oder aus "Fever" die "Viecher", eine Ode an alle Silberfischchen und Milben dieser Welt. Ein grandioser Auftritt! Sogar ein Bekenntnis zur Heimat kommt dabei ebenso locker wie stilecht-temperamentvoll rüber mit "Ich moch do net weg", wo es unter anderem heißt: "Für an furztrockenen Frankenwein lass ich alles andere sein!"

Wenn sich zum Schluss alle Musiker zu einem gemeinsamen Finale auf der Bühne versammeln und unter anderem mit "Rosamunde" und noch weiteren spontanen Stücken das Publikum zu weiteren Beifallsstürmen und Bravorufen hinreißen, ist dies noch das fulminante I-Tüpfelchen auf ein musikalisches Feuerwerk.

Autor

Jürgen Henkel
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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
17:30 Uhr

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Autor

Jürgen Henkel

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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
17:30 Uhr



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