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Selb

Feiern wie das große Vorbild

Die Gesellschaft Selb 2023 hat für die kommenden Monate ein umfassendes Programm rund um "100 Jahre Bauhaus" erarbeitet. Es würdigt vor allem Walter Gropius.



Mit einem Drachenfest, wie es sie schon zu Bauhauszeiten gegeben hat, feiern die Selber das Jubiläumsjahr. Eigene Drachen mitzubringen und steigen zu lassen, ist ausdrücklich erwünscht. Fotos: Barfknecht/Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Mit einem Drachenfest, wie es sie schon zu Bauhauszeiten gegeben hat, feiern die Selber das Jubiläumsjahr. Eigene Drachen mitzubringen und steigen zu lassen, ist ausdrücklich erwünscht. Fotos: Barfknecht/Karl-Josef Hildenbrand/dpa   » zu den Bildern

Selb - Der Name Walter Gropius und die Stadt Selb sind eng miteinander verbunden. Der Architekt hat auf Einladung Philip Rosenthals die Porzellanfabrik am Rothbühl entworfen, aber auch an anderen Stellen in der Stadt seine Spuren hinterlassen: 1968 legte er seine Ideen für die Stadt- und Verkehrsplanung vor. Nicht alles aus dem "Gropiusplan" wurde umgesetzt, aber vieles prägt das Stadtbild bis heute - man denke nur an die Ringstraßen; auch das Gymnasium trägt Gropius‘ Namen. Und dessen Leitspruch stammt von ihm: "Du bist der Architekt deines Lebens."

Bekannt ist der Visionär aber weltweit geworden. Daran erinnern Bewunderer in diesem Jahr besonders: Vor 50 Jahren starb er, und vor genau hundert Jahren hat Walter Gropius in Weimar die Kunstschule Bauhaus gegründet. Kunst und Handwerk zu vereinen, war 1919 ein revolutionärer Akt. Die Institution gilt bis heute als einflussreichste Bildungsstätte für Design und Architektur im 20. Jahrhundert, auch wenn sie nach nur 14 Jahren schon 1933 auf Druck der Nazis schließen musste.

Das Jubiläum "100 Jahre Bauhaus" feiern auch die Selber - und zwar so umfassend, dass man an dieser Stelle nur einen ersten Überblick geben kann, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Große Veranstaltungen planen die Stadt, das Gymnasium und auch die Gesellschaft Selb 2023. Die soll nämlich nicht nur die bayerisch-tschechischen Freundschaftswochen in vier Jahren organisieren, sondern auch die Freundschaft zwischen Selb und Aš (Asch) vertiefen. Während die Deutschen vor rund hundert Jahren mit der Weimarer Republik erstmals das Experiment Demokratie wagten, erlebten die Tschechen zum ersten Mal ihre staatliche Eigenständigkeit durch die Gründung der Tschechoslowakei. "Für die Städte Selb und Aš bedeutete dies eine neue Staatsgrenze und damit erneute Trennung", heißt es im Programm der Selb 2023. Mit "Zeitgeschichten" will die Gesellschaft kulturelle, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge aufzeigen und damit ein "Bauhaus-Gesicht" dieser chaotischen Epoche zeichnen, aus der viel Neues hervorging.

Auftakt der Zeitgeschichten bildet am 27. April um 14.30 Uhr im Rahmen der Grenzland-Filmtage im Selber Kino das Drama "Mahler auf der Couch" von Percy Adlon. Der Film erzählt vom Musiker Gustav Mahler, dessen Ehefrau Alma eine Affäre mit Walter Gropius hat.

Den Charme früherer Tage spüren kann man am 29. Juni bei der Oldtimerwanderung "Grenzenlos freie Fahrt"; die wird von einem Ford "Modell T", der legendären "Blechliesel", angeführt werden.

Am 23. Mai gastieren die Hofer Symphoniker im Rosenthal-Theater mit dem Konzert "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgsky. Der setzte seinem verstorbenen Freund, dem Maler Viktor Hartmann, ein musikalisches Denkmal. Inspiriert von der Musik Mussorgskys wiederum verwandelte Wassily Kandinsky, selbst Lehrer am Bauhaus, dessen musikalische Bilder in reale, variable Bühnenbilder, die 1928 bei einer Aufführung des Stückes in Dessau zum Einsatz kamen. Was damals an geometrischen Formen, Farben, Linien und Beleuchtungseffekten noch mechanisch in Bewegung gesetzt wurde, schafft heute die moderne Computeranimation.

Das Feiern ist der Selb 2023 in diesem Jubiläumsjahr besonders wichtig: Immerhin sah Gropius Feste als unabdingbar für die Förderung des Gemeinschaftsgeistes. Am 21. September feiert Selb 2023 daher in diesem Sinne ein grenzüberschreitendes Drachenfest. Pünktlich zum Herbstanfang soll der Himmel über Selb und Asch mit jeglicher Art Drachen übersät sein und so ein Bild über die Grenze zeichnen. Im Vorfeld werden von den Schulen hüben und drüben Drachen in Bauhaus-Manier nach Anleitung von Experten gefertigt, prämiert von Selb 2023. Und: Eigene Drachen steigen zu lassen, ist ausdrücklich erwünscht.

Vom 27. September bis 27. Oktober ist die Selb 2023 mit verschiedenen Angeboten im Rosenthal-Theater zu Gast. Zunächst öffnet um 19 Uhr am 27. September die Ausstellung "100 Jahre Bauhaus - zwei Zeitgeschichten" im Foyer. Sie beleuchtet das Schaffen Gropius’ und Josef Hermann Hendels: Der eine avancierte zum gefeierten Wegbereiter der modernen Architektur, der andere wurde vom gelobten Künstler zum introvertierten Einzelkämpfer. Hendel stammte aus Hranice (Roßbach) und begann sein Arbeitsleben auf ähnlichen Pfaden wie Gropius. Die Schau beleuchtet, wie die Lebenswege auseinandergingen.

Zeitgleich finden Ausstellungen mit Werken Josef Hendels im Kulturzentrum Asch und im Egerland-Museum Marktredwitz statt. Die Vernissage ist am 28. September um 11 Uhr.

Ebenfalls am 28. September ist im Rosenthal-Theater ein Puppenspiel der Gruppe "United Puppets Berlin" zu sehen: "Über den Klee" erzählt von Paul Klee, der mit Gropius zusammengearbeitet und die Puppen einst für seinen Sohn Felix geschaffen hat. Am 29. September steht an selber Stelle mit "Die Rote Köchin" ein Abend mit Zeitgeschichten und Häppchen aus den 1920er-Jahren an. Den Abend gestalten Tabea-Stephanie Amtmann und Beate Roth. Beginn ist um 19 Uhr, anmelden kann man sich bis 15. September unter der Telefonnummer 09287/9698300.

Am 11. Oktober steht dann Claire Waldoff im Fokus: Unter dem Titel "Chansons und Lebensgeschichte einer Lesbe" singen Veronika von Quast und das Trio Florian Burgmayr im Rosenthal-Theater die Lieder vergangener Zeiten. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

Am 18. Oktober läuft um 19 Uhr in der evangelischen Stadtkirche Sankt Andreas der Stummfilm "Der Golem, wie er in die Welt kam". Livemusik wird dazu Organist Andreas Benz spielen. Auch hier ist der Eintritt frei.

Am 25. Oktober tragen Regina Kuhn und Tabea-Stephanie Amtmann im Rosenthal-Theater unter dem Titel "Liebe mich!" Briefe zwischen Alma Mahler-Gropius und Walter Gropius vor. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

Am 21. Dezember will Selb 2023 dann die Spenden überreichen, die übers Jahr zusammenkommen.

Porzellanikon und Rosenthal würdigen Designer

Für das Team im Porzellanikon ist es ein Muss, das Bauhaus-Jubiläumsjahr mit einer Sonderschau zu würdigen. Die beleuchtet die Rolle der Burg Giebichenstein für die europäische Keramik. „Reine Formsache“ wird die Ausstellung heißen und den Untertitel „Vom Bauhaus-Impuls zum Designlabor“ tragen. Zu sehen ist sie vom 9. März bis 6. Oktober an den beiden Standorten des Museums in Hohenberg und Selb. An der „Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle“ wird seit rund 100 Jahren kontinuierlich Gefäßdesign gelehrt. Namhafte Porzellandesigner wirkten und studierten hier. Schon zu Beginn der 1920er-Jahre kamen die Bauhäusler Marguerite Friedlaender und Gerhard Marcks nach Halle. Sie lernten und arbeiteten in der dem Weimarer Bauhaus angeschlossenen Keramikwerkstatt in Dornburg. Mit dem Umzug des Bauhauses 1925 nach Dessau wurde diese Werkstatt nicht weiter betrieben. So zog es diese beiden Protagonisten an die Burg Giebichenstein nach Halle, und sie brachten den Bauhaus-Impuls aus Dornburg hinein in die Ausbildung an der Burg.


Ausgehend von diesen beiden Personen werden in der Ausstellung im Porzellanikon gestalterische Handschriften ausgewählter Lehrender und Absolventen sowie junger Designstudierender nachgezeichnet. Das ergänzende Rahmenprogramm bietet verschiedene Veranstaltungen und Führungen.
Dazu gehört etwa die Podiumsdiskussion „Woher – Wohin? Vorbilder, Themen, Prozesse der Porzellangestaltung damals und heute“ am 9. Mai in Selb. In Hohenberg widmet sich die Reihe „Art after Work“ am 6. Juni dem Jubiläum.


Dass die Firma Rosenthal eng mit Gropius und damit dem Bauhaus verbunden ist, weiß man. Überhaupt hat die Zusammenarbeit mit Künstlern und Designern die Stadt Selb sichtbar geprägt: Man denke nur an das Regenbogenhaus von Otto Piene und die „Baummieter“ Friedensreich Hundertwassers; besonders das Werk Rosenthal am Rothbühl von Walter Gropius schrieb Architekturgeschichte. Aus der Kooperation zwischen Rosenthal und Gropius ging mit dem Service TAC aber auch eine der erfolgreichsten Porzellanserien weltweit hervor.


Deshalb hat lädt Rosenthal zur Ausstellung „Radikal zeitgemäß. Rosenthal X Walter Gropius“ ein. Eröffnet wird sie zur Selber Kunstnacht am 6. April um 18.30 Uhr und ist bis 28. September jeweils samstags von 10 bis 16 Uhr zu sehen.

Kunstverein lädt Kinder ein

Der Kunstverein Hochfranken Selb beteiligt sich mit verschiedenen Angeboten für Erwachsene und Kinder am Jubiläumsjahr, getreu dem Bauhaus-Motto „Welt neu denken“. Von 24. bis 29. März findet ein internationaler Workshop für Studenten der Architektur und des Städtebaus statt, den die Gesellschaft Selb 2023 unterstützt. Die Teilnehmer kommen aus Delft, Dresden, Prag und Straßburg nach Selb und Aš (Asch).

Am 12. und 13. April findet in Kooperation mit dem Walter-Gropius-Gymnasium ein Zeitzeugengespräch im Atrium der Schule statt. Unter dem Titel „Gropius, Rosenthal und Bauhaus“ berichten Eugen Gomringer, Dietrich Müller und Klaus Cullmann von ihren Erfahrungen mit dem Architekten und dem Unternehmer.
Der Kunstverein organisiert vom 10. bis 12. Mai eine Exkursion nach Brno (Brünn) zur „Villa Tugendhat“. Entworfen hat sie Ludwig Mies van der Rohe, der dritte Direktor des Bauhauses in Dessau. Anmeldungen nimmt Hans-Joachim Goller unter der Telefonnummer 09287/4347 entgegen.


Heike Arndt leitet vom 24. bis 26. Mai einen Kinder-Kunst-Workshop zum Bauhaus für Grundschüler aus Bayern und Tschechien im evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum in Bad Alexandersbad. Anmeldungen nimmt Heike Arndt unter der Telefonnummer 0175/7361905 entgegen.

Aktionen über Stadtgrenzen

Walter Gropius hat nicht nur in Selb Spuren hinterlassen (siehe Artikel oben), sondern auch in Amberg. Er hat dort für den Unternehmer Philip Rosenthal eine Fabrik als „Glaskathedrale“ entworfen. Ein guter Grund für die beiden Städte, „100 Jahre Bauhaus“ gemeinsam zu begehen. Die heutige Kristall-Glasfabrik Amberg GmbH ist das einzige Bauwerk von Gropius in der Oberpfalz und sein letzter Industriebau. Im kommenden Frühjahr wird hier eine Dauerausstellung zu Walter Gropius, zum Bauhaus und der Geschichte der Glaskathedrale eröffnet.


Das Amberger Stadtmuseum zeigt noch bis 17. März die Sonderausstellung „Gropius, Bauhaus und Rosenthal in Amberg“. Dabei steht ganz besonders die Glasproduktion der Firma Rosenthal im Fokus.
Lernende und Gäste von außerhalb lockt die Staatliche Fachschule für Produktdesign in Selb schon immer an. In diesem Jahr befassen sich die angehenden Produktdesigner verstärkt mit dem Thema Bauhaus und dessen Wirkung in der Moderne. Interessierte können an öffentlich zugänglichen Lehrveranstaltungen im Fach Kunst- und Designgeschichte teilnehmen: „Wegbereiter“ am 13. März, „Nachfolger“ am 15. Mai, „Auswirkungen“ am 5. Juni. Außerdem nutzt die Schule die Gelegenheit, in einer Abendveranstaltung auf 110 Jahre Designausbildung in Selb zurückzublicken.

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Veröffentlicht am:
07. 01. 2019
17:40 Uhr

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07. 01. 2019
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