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Selb

Große Pläne für die Heimat

Hilary Charles Pallangyo beendet sein Freiwilligenjahr in Selb. Seine Arbeit im Schülercafé Oase hat dem Tansanier sehr gut gefallen - und eine Idee in ihm reifen lassen.



Hilary Charles Pallangyo fliegt am 20. April nach seinem Freiwilligenjahr in Selb zurück nach Tansania. Im September würde er aber gerne wiederkommen. Foto: Andreas Godawa
Hilary Charles Pallangyo fliegt am 20. April nach seinem Freiwilligenjahr in Selb zurück nach Tansania. Im September würde er aber gerne wiederkommen. Foto: Andreas Godawa  

Selb - Das Jahr in Deutschland hat Hilary Charles Pallangyo vorangebracht und auch persönlich geprägt. Der 26 Jahre alte Lehrer aus Tansania hat über das Programm "Mission eine Welt" der evangelischen Landeskirche ein Freiwilligenjahr im Schülercafé Oase geleistet. Seine Erfahrungen, die er im Café, in Schulen und in Pflegeeinrichtungen gemacht hat, will er in seiner Heimat umsetzen: Er möchte nämlich zusammen mit der Kirche in Tansania eine Altenpflege-Einrichtung gründen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg.

Nach Deutschland gekommen ist Pallangyo im Mai des vergangenen Jahres. In Tansania hatte der aufgeschlossene junge Mann, der aus der Stadt Arusha am Kilimandscharo stammt, zunächst zwei Jahre die Highschool in Mbeya besucht und anschließend in Daressalam studiert. Anschließend arbeitete er als freiwilliger Lehrer an einer Gemeindeschule in Arusha. Sein Bischof habe ihm empfohlen, sich für das Süd-Nord-Programm der "Mission eine Welt" zu melden: In diesem seit etwa fünf Jahren bestehenden Projekt kommen Freiwillige aus der ganzen Welt für ein Jahr nach Deutschland.

Wie Pfarrer Johannes Herold erläutert, werden die Aufenthalte über den Bundesfreiwilligendienst organisiert, die Teilnehmer sind darüber auch versichert und bekommen ein Taschengeld. Das Missionsprogramm biete die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und eine Chance der Begegnung sagt Herold, der den Gast aus Tansania zusammen mit Diakon Helmut Lockenvitz, dem Leiter der Oase, betreut hat.

In Deutschland absolvierte Pallangyo zunächst einen zweiwöchigen Sprachkurs in Nürnberg, ehe er nach Selb kam. Er wohnt bei der Familie Kania im Uferweg und fühlt sich dort sehr gut aufgehoben.

Angst vor der langen Reise und dem unbekannten Land habe er nicht gehabt, versichert der 26-Jährige. Vielmehr habe er sich auf die Aufgabe gefreut. Natürlich vermisst er seine Familie, seine Eltern und seine vier Geschwister. Allerdings sei diese Situation nichts Neues: Auch während der Highschool und des Studiums habe er seine Verwandten nur einmal im Jahr gesehen. "Die Reise von Mbeya nach Arusha dauert zwei Tage und ist nicht billig", erzählt er.

Ganz begeistert ist Pallangyo von seiner Arbeit im Schülercafé. Zwar habe er im ersten halben Jahr noch etwas mit der deutschen Sprache gekämpft, dann allerdings habe die Verständigung mit den Kindern und Jugendlichen sehr gut funktioniert. Es ist gerade diese Arbeit, die Pallangyo auch als missionarische Aufgabe versteht, die ihm sehr gut gefallen hat.

Die Kinder seien sehr offen und mit einer unverkrampften Neugier auf ihn zugekommen, erzählt der Freiwillige. Die Kleineren hätten auch schon mal seine Hand genommen. "Dann konnte ich ihnen erklären, dass Menschen in Afrika eben dunkle Haut haben." Von den Schülerinnen und Schülern habe er viel gelernt über das Leben in Deutschland. Auf der anderen Seite habe er ihnen seine Heimat und seine Sprache Suaheli näherbringen können.

In der Oase hat er mitgeholfen in der Küche, am Kiosk, beim Saubermachen, hat mit den Besuchern gespielt und auch bei der Hausaufgabenbetreuung geholfen. "Die Schüler haben sich sehr für mich, meine Heimat und meine Kultur interessiert", freut er sich noch heute.

Vieles konnte Pallangyo auch an den Schulen selbst weitergeben. So war er in der Bogner-Mittelschule und -Grundschule zu Gast, wo er den Schülern vom Leben und Arbeiten in Tansania erzählte. Ein Besuch am Walter-Gropius-Gymnasium steht noch an.

In der Oase fühlt sich der Tansanier völlig integriert, auch wenn vieles neu für ihn war. Zum Beispiel die deutsche Küche. Gegessen habe er alles "und geschmeckt hat es auch".

Auch seine Freizeit in Deutschland hat Pallangyo nutzbringend verwendet. So machte er ein Praktikum in der diakonischen Behinderteneinrichtung Wichernhaus in Altdorf und arbeitete auch eine Woche im Paul-Gerhardt-Haus in Selb mit. Und genau diese Erfahrungen will er in Zukunft nutzen.

Pallangyo hat sich nämlich für eine Ausbildung an der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe der Diakonie in Hof sowie um eine Praktikumsstelle im Paul-Gerhardt-Haus beworben. "Und beide haben ja gesagt", strahlt er.

Zwar fliegt er zunächst, nämlich am 20. April, nach Tansania zurück. Aber wenn alles gut läuft und er bei der deutschen Botschaft ein Visum bekommt, wird er am 1. September zurückkehren und hier seine Ausbildung absolvieren. Damit verbindet Pallangyo aber noch einen viel weitergehenden Plan. Denn nach seiner dreijährigen Ausbildung würde er gerne in Tansania eine kirchliche Seniorenpflege-Einrichtung aufbauen. Die gibt es nämlich kaum, der Bedarf aber steigt.

"Viele junge Menschen verlassen ihre Heimatorte, um woanders Arbeit zu finden. Zurück bleiben die Älteren, um die sich dann keiner mehr kümmern kann", sagt Pallangyo. Es gebe zwar so etwas wie ambulante Pflegedienste, die reichten aber bei Weitem nicht aus.

Mit einem Pflegeheim könnte man durchaus helfen und Gutes tun, ist er sicher. Und auch das sieht Pallangyo als eine Form der missionarischen Arbeit an.

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Andreas Godawa

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Veröffentlicht am:
09. 04. 2019
16:42 Uhr

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