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Hier steht der Wald von morgen

Schon vor über 50 Jahren hat Albrecht Schläger am Steinberg Fichten durch Laubbäume ersetzt. Der heutige Bestand kann dem Klimawandel trotzen.



Martin Neumann (vorne) und Albrecht Schläger (links) zeigten bei der Exkursion am Steinberg, wie ein Wald aussieht, der im Klimawandel bestehen kann. Foto: Wolfgang Neidhardt
Martin Neumann (vorne) und Albrecht Schläger (links) zeigten bei der Exkursion am Steinberg, wie ein Wald aussieht, der im Klimawandel bestehen kann. Foto: Wolfgang Neidhardt  

Hohenberg - "Hier gehe ich gerne her." Albrecht Schläger steht an seiner früheren Wirkungsstätte, östlich unterhalb des Steinberges, in einem Seitenweg der Eichenallee. Hier sieht der Wald so aus, wie er ihm gefällt - und wie er vielleicht auch dem Klimawandel trotzen kann. Schläger und sein Nach-Nachfolger Martin Neumann im Forstrevier Hohenberg freuen sich über etwa 25 Interessierte bei einer Exkursion der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Schlägers Lieblingsplatz ist ein deutlich über 100 Jahre alter Bestand an Laubbäumen verschiedener Arten. "Herrliche Schäfte, schön bekront und grün", schwärmt der frühere Förster. Trotz heißer Sommer seien hier an den Bäumen keine Schäden zu erkennen. So also könne der Wald der Zukunft im Fichtelgebirge aussehen: Ahorn, Buche, Eiche, Kirsche. "Und diese Bäume sind auch gut zu vermarkten", betont Schläger. Im Gegensatz zu früher erzielt heute Hartholz gute Preise auf dem Markt. Und die Fichte als früherer "Brotbaum" wird bald Geschichte sein.

Am Steinberg ist sie es größtenteils schon. Denn vor über 50 Jahren erkannte Jungförster Albrecht Schläger, dass gerade auf dieser Basalt-Insel Steinberg Bäume stehen, die nicht hierher gehören: "98 Prozent Fichten". Schläger startete den Umbau. Er nahm dabei unfreiwillig Hilfe in Anspruch von Stürmen und Käfern, die den Fichten zusetzten. Er ließ einen Laubmischwald pflanzen. Und wenn er heute im Bereich des Denkmals von Carolus Magnus Hutschenreuther um sich schaut, dann kann er mit gewissem Stolz behaupten: "Hier haben wir den Beweis, dass zweieinhalb Förstergenerationen richtig gehandelt haben."

Im Zeichen des Klimawandels gilt es weiter richtig zu handeln. Positive und negative Beispiele zeigte Martin Neumann bei einem Rundgang am Fuße des Steinberges. Licht, Bodenverhältnisse, Feuchtigkeit und Platz - das sind die wichtigsten Faktoren für einen standortgemäßen Wald. Einen unpassenden und deshalb heute kränkelnden Bestand zeigt Neumann wenige Meter südlich der Fatima-Kapelle hinter dem Steinhaus. Hier stehen Buchen am Waldrand, "und da gehören sie nicht hin". Hier komme beispielsweise die Eiche viel besser zurecht: "Sie ist für den Klimawandel gerüstet." Und etliche Eschen hier sterben ab, weil sie ein europaweit verbreiteter Pilz angreift. Unabhängig davon stehen auch sie am falschen Platz: "Eschen lieben ziehendes Wasser, stehen also am Ufer von Flüssen und Bächen", erklärt Neumann - und nicht im bestenfalls stehenden Wasser am Steinberg.

Ein kurzes Wegstück weiter und dann am Hutschenreuther-Denkmal zeigen die Förster, wie der Wald aussehen soll: Die Bäume haben Platz, und es stehen mindestens vier Baumarten in einem Bestand - neben diversen Laubbäumen durchaus auch Tannen, die Hitze und Trockenheit wesentlich besser vertragen als Fichten oder Kiefern. Aus wärmeren Regionen importieren die Förster nun auch Roteichen, Zedern oder Douglasien. Im übrigen hilft sich der Wald auch selbst. "Er ist so schlau, dass er die Samen genau dort hinwirft, wo sie Früchte tragen", sagt Martin Neumann. Der Ahorn beispielsweise wachse praktisch von selbst.

Sein Vorgehen beschreibt er so: "Der Förster sucht zukunftsträchtige Bäume, lässt sie stehen - und "geht dort ran, wo es hell ist." Das kann auch mit der Riesenmaschine namens Harvester geschehen: "Ein guter Fahrer macht saubere Arbeit." Arbeit ganz anderer Art haben die Förster mit den Rehen, Hirschen oder Wildschweinen. "Waldumbau geht nur, wo der Wildbestand stimmt", sagt Martin Neumann, und Albrecht Schläger gibt das Motto vor: "Wald vor Wild".

Stimmen alle genannten Faktoren, stehen mindestens vier Baumarten, dann kann der Förster ein wenig gelassener in die Zukunft schauen. "Denn wenn eine Art zu kämpfen hat oder gar stirbt, dann haben wir mindestens noch drei weitere", erklärt Neumann. Er und seine Kollegen können freilich nur vorbeugen und den Wald den geänderten Klimabedingungen anpassen. "Wenn es wirklich noch um fünf Grad wärmer wird, garantiere ich für nichts mehr", schränkt Albrecht Schläger ein.

Am Ende der Exkursion sehen die Freunde des Waldes, wie es aussieht, wenn niemand etwas gegen die Fichten-Monokulturen unternimmt: Ein kleines Stückchen Privatwald zeigt ein dunkles Bäume-Mikado. Die meisten der viel zu eng gepflanzten Fichten haben ihr Leben schon ausgehaucht. "Die sind in spätestens fünf Jahren weg", stellt Schläger fest - an einem Plätzchen, an dem er am liebsten nicht vorbeigehen würde.

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Wolfgang Neidhardt
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Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
17:30 Uhr

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Wolfgang Neidhardt

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Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
17:30 Uhr



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