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Selb

Historischer Verein ehrt Sophia Pusch

Die Abiturientin des Walter-Gropius-Gymnasiums setzt sich mit der Stellung der Juden im mittelalterlichen Toledo auseinander. Ihre Arbeit schreibt sie allerdings auf Spanisch.



Ehrung für eine ganze besonders gute Arbeit (von links): der ehemalige Landrat Dr. Peter Seißer, Kursleiterin Dr. Christine Wlasak-Feik, Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann, die Abiturientin Sophia Pusch, der frühere Regierungspräsident Dr. Wilhelm Wenning und Dieter Arzberger, Leiter der Regionalgruppe Selb im Historischen Verein Oberfranken. Foto: Silke Meier
Ehrung für eine ganze besonders gute Arbeit (von links): der ehemalige Landrat Dr. Peter Seißer, Kursleiterin Dr. Christine Wlasak-Feik, Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann, die Abiturientin Sophia Pusch, der frühere Regierungspräsident Dr. Wilhelm Wenning und Dieter Arzberger, Leiter der Regionalgruppe Selb im Historischen Verein Oberfranken. Foto: Silke Meier  

Selb/Schönwald - Die Schulzeit von Sophia Pusch ist Geschichte. Das Abitur ist gemeistert, die langen Tage des Lernens sind - erst einmal - Vergangenheit. Eine hohe Auszeichnung erwarb sich die Schönwalderin jedoch mit einem Blick in die Geschichte und der Analyse einer Situation im Mittelalter. Mit einer Arbeit in spanischer Sprache über die politischen und kulturellen Umstände im mittelalterlichen Toledo, vor der Wiedereroberung Spaniens, der Reconquista im Jahr 1492, und der Stellung der Juden in der "Stadt der Toleranz" holte sich Sophia Pusch 15 Punkte.

Diese Traumnote brachte ihr viel Aufmerksamkeit und jetzt eine Auszeichnung des Historischen Verein Oberfrankens ein. Der frühere Regierungspräsident Dr. Wilhelm Wenning, der ehemalige Wunsiedler Landrat Dr. Peter Seißer und Dieter Arzberger, Leiter der Selber Regionalgruppe, überreichten Sophia Pusch Urkunde, Geldpreis und ein Fachbuch mit Aufsätzen zur Geschichte Oberfrankens.

Die Seminararbeit von Sophia Pusch sei eine herausragende Leistung, betonte Wenning bei der Übergabe.

Pusch hinterfragte in ihrer Arbeit, welche Entwicklung im Mittelalter dazu führte, dass drei Kulturen, drei abrahamitische Religionen, zur selben Zeit in Toledo vertreten waren. Die Schülerin erläuterte auch den politischen Kontext vor 1492. In der Architektur fand sie mit Moscheen, Kirchen und Synagogen im arabischen Mudejár-Stil einige Hinweise auf das kulturelle Zusammenarbeiten der Religionen. Dennoch sei auffallend, dass die Juden in abgegrenzten Vierteln lebten. Die sei darauf zurückzuführen, dass sich die Gesetzgebung der Stadt wandelte. Die Westgoten wandten sich gegen die jüdische Glaubensgemeinschaft, während die Mauren die Glaubensfreiheit wieder einführten.

Beispielhaft für harmonische intellektuelle Kooperation seien die Übersetzerschule Toledos sowie wissenschaftliche Errungenschaften. Allerdings seien das Wissen der jüdischen Bevölkerung auch missbraucht worden, um die Stellung der Stadt zu verbessern.

Sophia Pusch arbeitete auch heraus, dass die Christen und Muslime zwar Toleranz erfuhren, Juden aber nur teilweise. "Spanien hätte ohne die Juden nie eine solche Blütezeit erlebt", hob Pusch hervor. Mangels Alternativen habe die jüdische Bevölkerung die Diskriminierungen in Kauf genommen.

Pusch weiter: "Kritisch betrachtet, entspricht der Mythos ,Toleranz' nicht ganz der Wirklichkeit." Dieser Gedanke stamme aus der Epoche der Aufklärung, als mit Vernunft nach religiöser Toleranz gestrebt wurde. Damals sei die Situation in Toledo als fortschrittlich und tolerant beurteilt worden. Gegenwärtig werde eher kritisch auf das asymmetrische Verhältnis der Toleranz geschaut, in dem die Mehrheit die religiöse Minderheit lediglich duldet. "Mittlerweile bedeutet Toleranz auch Respekt gegenüber anderen Meinungen und Religionen", führte Pusch aus.

Das W-Seminar im Fach Spanisch leitete Dr. Christine Wlasak-Feik. Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann beglückwünschte Sophia Pusch zur hervorragenden Leistung und wünschte der Verfasserin "die Wachheit für geschichtliche Entwicklungen zu behalten".

Nach der Ehrung richtet sich der Blick der Abiturientin auf das, was vor ihr liegt. Nach dem Abi-Ball und der Entlassfeier folgt das duale Studium, das sie im Herbst bei der Firma Rehau AG und als Studentin der Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Hof beginnen wird.

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Silke Meier
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Veröffentlicht am:
21. 06. 2018
17:38 Uhr

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Silke Meier

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21. 06. 2018
17:38 Uhr



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