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Immer mit viel Herz und einem Fuß in Nakuru

Brique Zeiner vom Verein "Leben und lernen in Kenia" kommt gerade aus Afrika zurück. Die rührige Selberin hat wieder viel zu erzählen.



"Mama Brique" zu Besuch, ein neuer Speisesaal und zum ersten Mal Kakao trinken - die Kinder im "Live and learn in Kenia Education Centre" in Nakuru erlebten eine aufregende Woche.
"Mama Brique" zu Besuch, ein neuer Speisesaal und zum ersten Mal Kakao trinken - die Kinder im "Live and learn in Kenia Education Centre" in Nakuru erlebten eine aufregende Woche.   » zu den Bildern

Selb - "Mama Brique ist wieder da!" So tönte es wohl vor wenigen Tagen durch das "Live and learn in Kenia Education Centre" in Nakuru, der viertgrößten Stadt Kenias. Dort baut Debra J. "Brique" Zeiner seit fast 20 Jahren an einem in seiner Art vielleicht einzigartigen Projekt. Die Selberin, vor 63 Jahren in Kalifornien geboren, unterstützt mithilfe vieler Gleichgesinnter hier und in Afrika Hunderte Kinder und Jugendliche. Dazu hat sie vor 19 Jahren in Selb den Verein "Leben und lernen in Kenia" gegründet. Der Name ist Programm, denn der Verein sorgt dafür, dass die Kinder ab einem Alter von drei Jahren Schulbildung erhalten, gut ernährt werden und dass einige Familien Hilfe zur Selbsthilfe bekommen.

Spenden und mehr

Wer den Verein "Leben und Lernen in Kenia" mit Sach- oder Geldspenden unterstützen will, kann Geld überweisen auf das Konto: IBAN DE43 7805 0000 0200 0721 14, SWIFT-BIC BYLADEM1HOF.

Ansprechpartner : (Brique) Debra

J. Zeiner, Telefon 09287/77948;

Dirk Klemesch dirk@llk-selb.de;

Renate Oberdiek renate@llk-selb.de

Uwe Eilenberg ueilenberg@llk-selb.de

www.llk-selb.de


Gerade erst ist Brique Zeiner von einem Besuch in Nakuru zurückgekommen, wo sie diesmal mit etwa 20 Leuten zehn Tage lang mit den Kindern arbeitete, spielte und feierte. "Ich bringe immer Leute mit nach Nakuru, das ist für die Menschen dort eine ganz besondere Zeit", erzählt Zeiner. "Sie freuen sich nicht nur auf mich, sondern auch auf die anderen. Denn jeder bringt etwas mit - meist Kleidung, die dann verteilt wird." Dieses Mal waren auch Musiker und Clowns dabei. "Zusammen haben wir mit den Kindern gesungen und getanzt." Auch Workshops habe es wieder gegeben, berichtet Zeiner. "Die Kinder, Jungen wie Mädchen, basteln unheimlich gerne mit Perlen."

An einem Tag fand ein Sportfest statt, bei dem natürlich Fußball gespielt wurde - "Das ist bei allen der große Favorit" -, aber auch Volleyball. Vom dm-Drogeriemarkt erhielten die Kinder Hüpfbälle, jede Menge Süßigkeiten und Traubenzucker. "Zuerst war ich dagegen, weil ich an die Verpackungen dachte, die dann überall herumliegen würden", erzählt Brique Zeiner. "Aber dann habe ich die Kinder beauftragt, jeden Tag nach der Schule den Müll aufzusammeln." So lernten sie, Abfall nicht einfach irgendwohin zu werfen.

Diesmal hatte der DM-Markt noch etwas ganz Besonderes mitgeschickt: Kakao. "Die Kinder haben heuer zum ersten Mal Kakao getrunken", berichtet Zeiner. "Zuerst waren sie sehr erstaunt über diese seltsam braune Milch und haben sie ganz vorsichtig erst mit einem Finger probiert. Dann hat es ihnen natürlich sehr gut geschmeckt." Zum Abschluss des Besuchs von "Mama Brique" gab es ihr zu Ehren wie immer ein großes Fest. Dazu kamen viele Ehemalige, die Familien der Kinder, Presse und Fernsehen, aber auch Prominente wie der Chief des Gebietes. "Das war eine große Ehre", freut sich Brique Zeiner.

Aber eine verdiente - bedenkt man, was das umtriebige Energiebündel in Kenia in knapp 20 Jahren mit ihren Mitstreitern aufgebaut hat. Schon die allererste Veranstaltung im Jahr 2000, eine "riesengroße Halloween-Party" im Porzellanikon, war ein voller Erfolg. Heute kann der Verein Errungenschaften vorweisen, die einem Respekt abverlangen: Seit 2018 gibt es in Nakuru eine Schule mit acht Klassen, an der elf Lehrer rund 300 Kinder und Jugendliche unterrichten. "Jede Klasse hat etwa 30 Schüler; sonst haben die Klassen in Kenia bis zu 100 Schüler", sagt Brique Zeiner. Auch eine Nursery School, in der Kinder schon ab drei Jahre spielerisch unterrichtet werden, gibt es im Kindergarten; außerdem ist ihm eine Vorschule angegliedert.

Diesmal war "Mama Brique" dabei, als ein neuer Speisesaal eingeweiht wurde. Außerdem durfte sie selbst Hand anlegen, als der erste Spatenstich für den neuen Kindergarten erfolgte. Er soll drei Klassenräume erhalten, ein Lehrerzimmer und Toiletten.

Doch Brique Zeiner hat noch viel mehr vor. "Laut Vorschrift müssen wir die Verwaltung außerhalb der Schule unterbringen", erläutert sie. Die könnte dann in einer Bücherei Platz finden, denn: "Eine Bücherei, das ist mein großer Wunsch!" Und danach? - "Dann kommt noch eine Berufschule", lächelt sie. Auf diese Weise entsteht nach und nach ein ganzes Schulzentrum in Nakuru, ein "Education Centre" eben.

Erste Ansätze für eine Berufschule gibt es sogar bereits. "Wir haben schon eine Näh-Werkstatt, in der Frauen arbeiten, die einmal unsere Schülerinnen waren." Brique Zeiner wünscht sich, dass die Jugendlichen hier einmal mit ihrer Arbeit oder ihren Erzeugnissen Geld für die Schule verdienen. "Damit sie sich irgendwann einmal zum großen Teil selbst trägt." Besonders stolz aber ist die 63-Jährige, dass einige "ihrer" Kinder die Universität abgeschlossen haben. Und: "Zwei unserer Lehrer waren einmal auch Schüler unserer Schule."

Neben dem "Lernen" ist das "Leben" der zweite wichtige Baustein des Projektes. Deshalb werden von Anfang an auch die Eltern mit eingebunden. "235 Mamas kommen regelmäßig in die Schule, kochen und machen Küche und Speisesaal sauber - nicht die Klassenzimmer, die putzen die Kinder mit den Lehrern", berichtet Zeiner. "Oder die Mütter arbeiten auf dem Feld, auf dem wir Mais anbauen." Auch drei gespendete Kühe, die mittlerweile Kälber haben, wollen versorgt sein. "Das Wichtigste ist", betont sie, "dass die Eltern wissen, dass sie ein Teil des Projekts sind. Dann fühlen sie sich auch dafür verantwortlich."

Zwei Sozialarbeiter unterstützen die Erwachsenen und bringen ihnen bei, mit Geld umzugehen und sich etwas aufzubauen. Denn der Verein vergibt auch Mikrokredite. Zum einen an Pflegeeltern, die Waisenkinder aus ihrem Stamm aufnehmen; sie werden auch mit Decken und Lebensmitteln unterstützt. Zum zweiten bekommen Menschen Kredite, die zugeben, dass sie Aids haben. Das Thema ist ein großes Tabu, die Kenianer nennen die Krankheit "Strafe Gottes". Wer sich also als krank zu erkennen gibt und die kostenlosen Medikamente regelmäßig einnimmt, erhält einen Mikrokredit. Das zurückgezahlte Geld der Kredite fließt auf ein Bankkonto und wird wieder für die Familien verwendet. "Manche bekommen auch Ziegen, denn Ziegenmilch ist extrem proteinreich und besonders gut für Aidskranke."

Brique Zeiner weiter: "Wir haben auch Sponsoren, die Hilfe zur Selbsthilfe leisten wollen und besondere Mikrokredite geben. Wenn die Leute die Summe zurückgezahlt haben, bekommen sie das Geld als Spende wieder, um ihre Geschäfte vielleicht zu vergrößern oder Ähnliches."

Die Mitarbeiter des Vereins, das betont sie ausdrücklich, erhalten kein Geld. "Die einzigen, die bezahlt werden, sind die Kenianer." Sie, die pensionierte Lehrerin, arbeite, schätzt sie, durchschnittlich acht Stunden pro Tag für den Verein. "Alles, was gut ist, habe ich von meiner Mutter, und das gebe ich weiter. Ich will etwas hinterlassen", sagt sie mit leuchtenden Augen und erzählt, dass der neue Speisesaal einerseits nach Klaus A. Grünling, dem überaus großzügigen Spender aus Selb, benannt sei. "Gewidmet aber ist er allen Müttern." Und so plant sie schon an der nächsten Aktion: den Weihnachtspaketen für "ihre" Kinder in Nakuru, für die sie wieder um Spenden bittet. Brique Zeiner lacht und gibt zu: "Ich bin eigentlich immer mit einem Fuß in Kenia."

Autor

Kerstin Starke
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Veröffentlicht am:
12. 11. 2019
17:34 Uhr

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Autor

Kerstin Starke

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Veröffentlicht am:
12. 11. 2019
17:34 Uhr



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