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Selb

Kampf gegen die Pest der Forstwirtschaft

Im Fichtelgebirge schwärmen 50 Mitarbeiter der Staatsforsten aus, um nach dem Borkenkäfer zu suchen. Der beginnt gerade, sich in geschwächten Bäumen einzunisten.



Michael Masche von den Bayerischen Staatsforsten in Selb vor einem frisch von Borkenkäfern befallenen Baum. Das braune Bohrmehl ist ein sicherer Marker dafür, dass sich der Parasit an dem Baum zu schaffen gemacht hat. Foto: Gödde
Michael Masche von den Bayerischen Staatsforsten in Selb vor einem frisch von Borkenkäfern befallenen Baum. Das braune Bohrmehl ist ein sicherer Marker dafür, dass sich der Parasit an dem Baum zu schaffen gemacht hat. Foto: Gödde  

Selb/Rehau - Dass es nicht geregnet hat, ist für Michael Masche ein Segen. Er kniet vor einem Baum an der Lowitz in Rehau und lässt feines braunes Mehl durch seine Finger gleiten. Es sind die eindeutigen Spuren eines ungeliebten Baumbewohners: dem Borkenkäufer. Genauer gesagt, hat sich der Buchdrucker hier breitgemacht. Das Mehl ist von weiter oben vom Stamm nach unten gerieselt, als sich die Käfer ein lauschiges Plätzchen für die Eier-Ablage gesucht haben. Masche, Forstwirt bei den Bayerischen Staatsforsten Selb, hat den Baum mit einer Zahl markiert. Daran erkennen die Waldarbeiter, dass der Baum befallen ist und sofort gefällt werden muss.

"Der Baum weiß noch nicht, dass er tot ist", sagt Michael Grosch, der Chef der Staatsforsten Selb. Der Borkenkäfer-Befall ist noch frisch, der Baum stößt Harz zur Abwehr aus. Doch je mehr Käfer sich in der Rinde einnisten, desto mehr wird die Wasserversorgung gekappt. Der Baum wird vertrocknen.

Nachdem der Borkenkäfer 2018 um die 40 000 Festmeter Holz befallen hatte und die Staatsforsten pro Festmeter etwa 20 Euro weniger Erlös erhielten, wollen die Verantwortlichen dem Borkenkäfer in diesem Jahr ein Schnippchen schlagen. "Wir wollen nicht bis Juli oder August warten, bis der Borkenkäfer richtig ausschwärmt", sagt Michael Grosch. Deshalb durchkämmen dieser Tage rund 50 Mitarbeiter der Staatsforsten 15 000 Hektar Wald, um nach dem Bohrmehl Ausschau zu halten. Über eine App halten sie den Standort des befallenen Baumes fest. Ist das Gebiet abgearbeitet, rückt schweres Gerät an, um die Bäume zu fällen. "Wir müssen uns zuerst einen Überblick verschaffen, bevor wir mit der Säge anrücken", sagt Grosch. Bis Mitte nächster Woche soll die Strategie der Staatsforsten stehen.

Wenige Meter weiter entfernt Michael Grosch eine kleine Fläche Rinde. Treffer: Ein Borkenkäfer-Paar hat sich frisch eingenistet. "Als ich am Mittwoch hier vorbeikam, waren sie noch nicht da", sagt Kollege Michael Masche. Die Käfer können also erst wenige Tage in dem Baum leben. Dafür spricht auch die noch relativ kleine Fläche, die die Tiere einnehmen. "Ein paar Borkenkäfer sind für den Baum nicht schlimm", sagt Masche. Doch es können Tausende werden. Und dann hat der Baum keine Chance. Der Waldbestand ist nach dem heißen und trockenen Sommer 2018 noch geschwächt und daher anfällig für den Borkenkäfer. Für Michael Grosch und seine Mitarbeiter sind diese Wochen entscheidend für den weiteren Jahresverlauf. Dafür scheut er keinen Aufwand. 50 Mitarbeiter, die pro Woche 40 Stunden den Wald durchsuchen - das ergibt pro Woche 2000 Arbeitsstunden alleine für diesen Zweck. Die reguläre Arbeit ist dann noch nicht getan.

Grosch schätzt, dass er und seine Mitarbeiter mit dem frühen Eingreifen vereiteln können, dass sich der Borkenkäfer um das Zehnfache ausbreitet. Und das ist auch nötig. "Der Holzpreis ist gerade ohnehin auf einem niedrigen Niveau", sagt Michael Masche. Frühes Eingreifen soll bares Geld bringen.

Schlaflose Nächte bereitet die Situation Grosch und Masche trotz der akuten Gefahr nicht. Sie denken dabei vielmehr an die privaten Waldbesitzer, deren Wohl und Wehe viel mehr an der Gesundheit des Waldbestandes hängt als das der Mitarbeiter bei den Staatsforsten. "Wir bekommen unser Gehalt trotzdem", sagt Michael Grosch. Heute beginnen seine Kollegen damit, auch im Hohen Fichtelgebirge Ausschau nach dem Borkenkäfer zu halten. "In den höheren Lagen beginnt der Schwärmflug später", erklärt Grosch.

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Patrick Gödde

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Veröffentlicht am:
12. 06. 2019
17:24 Uhr

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Patrick Gödde

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Veröffentlicht am:
12. 06. 2019
17:24 Uhr



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