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Selb

Kunst soll Nähe in Europa schaffen

Der Kunstverein Hochfranken Selb plant ein weiteres deutsch-tschechisches Projekt. Die EU stellt Geld zur Verfügung. Um die Eigenmittel aufzubringen, braucht es Unterstützer.



Rost am Stahl sei ein Zeichen der Vergänglichkeit, sagen Hans-Joachim Goller (links) und Dr. Claus Triebel. Stahl-skulpturen planen sie auch für das neue deutsch-tschechische Projekt im nächsten Jahr. Foto: Gerd Pöhlmann
Rost am Stahl sei ein Zeichen der Vergänglichkeit, sagen Hans-Joachim Goller (links) und Dr. Claus Triebel. Stahl-skulpturen planen sie auch für das neue deutsch-tschechische Projekt im nächsten Jahr. Foto: Gerd Pöhlmann  

Selb - Hände, Räder, Fantasien - der Kunstverein Hochfranken Selb widmet sich auch im nächsten Jahr mit einem großen Projekt der europäischen Idee: der Einheit in der Vielfalt. "Europa - ganz nah / Evropa - velmi blízko" ist das deutsch-tschechische Kunstprojekt überschrieben, an dem die beiden Nachbarstädte Selb und Aš (Asch) teilhaben sollen. Doch um das Vorhaben, so wie es Hans-Joachim Goller ausgearbeitet hat, stemmen zu können, braucht der Kunstverein Unterstützer.

Das Programm 2020

8. März: Eröffnung des Gesamtprojekts in Selb und Asch

8. März bis 5. April: Fotosafari "Blick aus dem Fenster"

21. April: Gesprächsforum "Fenster weit auf" im Walter-Gropius-Gymnasium Selb

3. bis 16. Mai: Kunstaktionen "Einheit in Vielfalt" und "Handreichung"

23. Mai: Einweihung der drei Skulpturen

19. bis 21. Juni: Kinder-Kunst-Workshop in Bad Alexandersbad


"Das Zusammenwachsen der Deutschen und Tschechen ist mit dem Öffnen der Grenzen nicht erledigt", sagt Projektleiter Hans-Joachim Goller. "Man muss ständig etwas dafür tun. Wir machen das eben mit Hilfe der Kunst." Seit einigen Monaten erlebe die EU eine besonders kritische Phase. "Nationalismus und Egoismus bringen Sand ins Getriebe des Gemeinschaftsdenkens", sagt Goller. Da seien natürlich Politiker gefragt, aber den Humus für ein nachhaltiges Gedeihen der europäischen Gemeinsamkeit sieht Goller in jeglicher Unterstützung aus der Bevölkerung. "Die Menschen müssen ein Zeichen setzen, dass sie die Einzelstaaterei überwinden helfen wollen."

Im bayerisch-böhmischen Grenzraum bilden die Städte Selb und Asch seit Kurzem ein gemeinsames Oberzentrum. Doch seit Jahrhunderten trennt beide Städte eine Staatsgrenze, die auf einer Länge von zwölf Kilometern gleichzeitig ihre gemeinsame Stadtgrenze bildet. Für Goller eine Einmaligkeit, mit der es richtig umzugehen gilt: "Es liegt an uns, diese politische Trennungslinie zu einer Verbindungslinie heranwachsen zu lassen." Hier kommt für Hans-Jochen Goller die Kunst ins Spiel. Schon 2017 thematisierte der Kunstverein mit dem deutsch-tschechischen Projekt "Wir 2 - Hüben und Drüben" die eigentlich gebotene Zusammengehörigkeit. Der ehemalige Lehrer Goller weiß: "Das Erfolgsgeheimnis der Pädagogik ist die permanente Wiederholung." Daher bedürfe es des ständigen Anbietens neuer Gelegenheiten, Menschen aus beiden Ländern zusammenzubringen. Dass da der Jugend eine bedeutende Rolle zukommt, steht für die Macher des Kunstvereins Hochfranken Selb fest. "Wir bemühen uns junge Leute zusammenzuführen, Schüler in die Ateliers der Künstler zu lotsen, wo sie mitdenken und miterleben sollen", sagt Goller.

"Europa - ganz nah" ist nun eine Fortsetzung des Projekts von 2017. Thematisch natürlich, aber in gewissem Sinn auch optisch. Damals entstanden unter anderem sechs rhönradartige Skulpturen. Große Räder aus Baustahl sollen auch 2020 von Künstlern gestaltet werden. "Einheit in Vielfalt" ist die Aktion überschrieben. Die zwei 2,50 Meter hohen Räder werden von je einem deutschen und einem tschechischen Künstler bearbeitet. Dafür steht ihnen mundgeblasenes, farbiges Glas zur Verfügung. Nur drei Unternehmen in Europa würden Glas von der benötigten Qualität liefern können. "Und das mit Abstand beste kommt aus Waldsassen", erklärt Goller die Entscheidung für die Glashütte Lamberts. "Die leuchtend farbigen Gläser werden Aufsehen erregen, davon bin ich überzeugt", sagt Hans-Joachim Goller.

"Handreichung" ist eine weitere Kunstaktion genannt. In entfernter Anlehnung an Michelangelos "Die Hand Gottes" sollen sich zwei hölzerne Hände in einem angedeuteten Würfel mit drei Metern Kantenlänge zum Händedruck nähern. "Das möchten wir direkt auf der Grenzlinie aufstellen", erklärt der Projektleiter.

Zwei Fotosafaris unter dem Titel "Blick aus dem Fenster" binden die Fotoclubs aus Selb und Asch ins Geschehen ein. Die Mitglieder machen sich in der jeweils anderen Stadt auf Motivsuche. Weiter geplant ist ein Gesprächsforum "Fenster weit auf" im Walter-Gropius-Gymnasium in Selb. Namhafte Teilnehmer sind angefragt. Auch der Kinder-Kunst-Workshop in Bad Alexandersbad wird wieder stattfinden.

"Die Planungen für das Projekt laufen seit über einem Jahr", macht Dr. Claus Triebel, Vorsitzender des Kunstvereins Hochfranken Selb deutlich. Die enorme Vorarbeit sei notwendig, um an Fördergelder zu kommen. Denn das Projekt ist nicht billig. Honorare für Künstler und Referenten, vor allem aber für das Material - nichts kommt von der Stange, zählen Triebel und Goller auf. Das mundgeblasene Glas aus Waldsassen müsse durch Panzerglas geschützt werden. "Billiger geht es nur, wenn wir den Künstlern weniger zahlen - und das machen wir nicht", stellt Goller klar. 200 000 Euro stehen dem Kunstverein für das Projekt zur Verfügung, zu 85 Prozent finanziert durch die EU und einen Anteil der Oberfrankenstiftung. Der Knackpunkt sind die Eigenmittel: 30 000 Euro muss der Kunstverein Hochfranken Selb stemmen. "Und das schaffen wir nicht aus unseren Mitgliedsbeiträgen", sagt Vorsitzender Claus Triebel. "Deswegen bitten wir um Unterstützung aus der Wirtschaft." Triebel macht in dem Zusammenhang auf den Erfahrungsschatz des Kunstvereins in Sachen großer grenzüberschreitender Projekte aufmerksam, und dass nicht zuletzt der Europäische Rechnungshof über die korrekte Verwendung des Geldes wachen würde. "Wenn wir die Eigenmittel nicht aufbringen, dann fließt die Förderung auch nicht in die Region."

Doch Goller und Triebel sind zuversichtlich, kunstsinnige Spender zu finden, die im Sinne der deutsch-tschechischen Verständigung das Projekt unterstützen.

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Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
14. 06. 2019
16:34 Uhr

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Gerd Pöhlmann

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14. 06. 2019
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