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Mexikaner mit Wurzeln in Selb

Der kleine Giuseppe sieht zum ersten Mal Schnee. Kevin Schoberth besucht mit seiner Familie die Heimatstadt. Jetzt freuen sich alle auf das Wiesenfest im nächsten Jahr.



Familienbesuch in Selb (von links): Roland Schoberth, Gina Garcia Campuzano, Kevin Schoberth und Sohn Giuseppe Garcia Schoberth. Foto: Silke Meier
Familienbesuch in Selb (von links): Roland Schoberth, Gina Garcia Campuzano, Kevin Schoberth und Sohn Giuseppe Garcia Schoberth. Foto: Silke Meier  

Selb - Schneeflocken, die in den vergangenen Tagen in Selb durch die Luft wirbelten, wird der kleine Giuseppe Schoberth länger nicht mehr zu sehen bekommen. Wenn Giuseppe wieder zu Hause in seinem Kinderzimmer spielt, ist er Luftlinie 9764 Kilometer von seinem Feriendomizil in Stopfersfurth entfernt. Giuseppe und seine Eltern Gina und Kevin Schoberth wohnen in Queretaro, einer Stadt in Mexiko, auf 2100 Höhenmetern und mit 800 000 Einwohnern. Fünf Wochen war die junge Familie in Europa zu Besuch bei der Familie und Freunden, vor wenigen Tagen ging der Flug zurück nach Mexiko.

"Giuseppe ist ein Viertel Selber", erzählte Papa Kevin, der in Selb aufgewachsen ist und 1998 am Walter-Gropius-Gymnasium Abitur gemacht hat. Im Juli 2019 wollen die Schoberths wieder kommen. Der Familienvater freut sich, dann nach elf Jahren zum ersten Mal wieder das Selber Wiesenfest zu besuchen. "Ich hoffe, es gibt das Entenziehen und die Pinocchio-Wurfbude noch", ist er gespannt. Giuseppe soll die Karussells fahren dürfen, auch das nostalgische mit den Holzpferdchen, den Autoscooter und das Kettenkarussell. "Gina kann dann ein Dirndl tragen", strahlt Kevin Schoberth seine hübsche Frau an.

Kennengelernt haben sich die beiden über weite Wege - und damit steht Schoberth ganz in der Tradition der Familie. Sein Vater Roland Schoberth fand sein Glück in den Siebzigern jenseits vom Brenner. Mit einem Fußballverein ist er Anfang der 1970er-Jahre nach Riva del Garda gefahren. Im "Leon D'Oro" haben die Amateurfußballer jeden Abend gegessen. Dabei hat er seine spätere Ehefrau kennen gelernt und 1977, nach ein paar Jahren Briefkontakt, in Italien geheiratet. Danach lebte die Familie zunächst in Selb, zwei Jahre später wurde Sohn Kevin geboren. Vater wie Sohn spielten in Selb Fußball, Kevin Schoberth ist der SV 13 bis heute verbunden. Und auch zum VER Selb hat er eine enge Bindung. Als einer der Moderatoren in einem Internet-Forum der Fans der Selber Wölfe ist er immer auf dem Laufenden, die Zeitverschiebung störe kaum. Einmal, als die Oma noch im Fichtenweg wohnte, sei er bei einem früheren Besuch mit Ehefrau Gina von der Siedlung Süd zur Eishalle zu einem Eishockeyspiel gegangen, erinnert er sich. Und auch daran, dass die junge Mexikanerin wohl sehr gefroren und mit ihm geschimpft habe.

Geheiratet haben die beiden 2013 in Mexiko. Und das kam so: Nach dem Wehrdienst in Italien lernte Schoberth in Selb Groß- und Einzelhandelskaufmann. Er studierte anschließend in Nürnberg Wirtschaftspädagogik und arbeitete, während er an der Diplomarbeit schrieb, in einem Werk in Rovereto, das nach der Krise in der Porzellanindustrie zum Wohnort der Eltern geworden ist. Nach dem Studium packte Kevin Schoberth seine Sachen und reiste nach Mexiko.

Er denkt gerne zurück: "Ich kam bis Panama, ich habe viel gesehen." 2010 kehrte er zurück nach Italien. "Selb war damals für mich keine Option, Nürnberg auch nicht", bekennt er heute. Und auch an eine romantische Beziehung habe er nicht gedacht. "Ich hatte nicht die Absicht, mich zu verlieben und ich habe nichts Romantisches gesucht." Drei Monate schrieb er mit Gina in Mexiko via E-Mail. Dann, im Oktober 2011, flog Schoberth wieder nach Mexiko, diesmal verliebt. Am Flughafen traf er seine Gina zum ersten Mal. "Sie hatte eine Brille, das wusste ich nicht. Ich wusste auch nicht, ob ich sie gleich erkenne." Wieder warf Kevin Schoberth die Pläne, ein geordnetes Leben führen zu wollen, über den Haufen und bewarb sich als Volontär in einem Altenheim in Mexiko-Stadt. Eine schöne Erfahrung sei es gewesen. Deutsche Einwanderer habe er kennengelernt, die sich die Pflege leisten konnten, aber nie Spanisch gelernt haben. "Für die Senioren war es schön, mit mir Deutsch sprechen zu können."

Im gleichen Jahr flogen Kevin Schoberth und Gina zum ersten Mal gemeinsam nach Europa. Landeten in Verona, verlobten sich in Rom und besuchten die Oma in Selb. In Mexiko liest Schoberth die Frankenpost online, schaut auf Youtube und Facebook nach neuen Bildern und Einträgen aus Selb.

Auswandern, aus freien Stücken, sei "kein großes Ding", sagt er. Wer aber fliehen muss und zur Flucht gezwungen wird, erlebe das sicher anders. "Den Flüchtlingen gegenüber sollten sich die Menschen öffnen", meint Schoberth.

Seit 2013 ist er für ein Logisitik-Unternehmen mit mehreren Filialen in Mexiko und dem Firmensitz im südlichen Bayern tätig. Giuseppe wächst in Mexiko zweisprachig auf. Wenn Giuseppe wieder kommt, ist er drei Jahre alt. Dann sieht er zum ersten Mal in seinem Leben den Festumzug zum Selber Wiesenfest.

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Silke Meier
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Veröffentlicht am:
09. 04. 2018
22:38 Uhr

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Silke Meier

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09. 04. 2018
22:38 Uhr



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