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Selb

Moderner Jazz fiebert mit Vampir

Zeitgenössische Musik und Murnaus Nosferatu-Film von 1922? Wie das zusammenpasst, zeigt ein Abend im Rosenthal-Theater in Selb.



Mit modernen Jazz-Klängen verlieh "Küspert & Kollegen" dem Stummfilm-Horror-Klassiker "Nosferatu" eine besondere Atmosphäre. Foto: Jürgen Henkel
Mit modernen Jazz-Klängen verlieh "Küspert & Kollegen" dem Stummfilm-Horror-Klassiker "Nosferatu" eine besondere Atmosphäre. Foto: Jürgen Henkel  

Selb - War das jetzt ein Musikereignis der besonderen Art? Oder ein ganz eigenes Filmerlebnis? Nun, es war wohl beides. Mit dem Titel "Stummfilm-Live-Jazz" war am Dienstag das Abendprogramm im Rosenthal-Theater überschrieben. Und das hatte es in sich. Geboten wurde dafür eigens komponierter, moderner, fiebrig-vibrierender Jazz zu dem legendären Stummfilmklassiker "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" aus dem Jahre 1922. Dieser berühmte Streifen von Friedrich Wilhelm Murnau ist eine Adaption von Bram Stokers Vampir-Roman "Dracula" in fünf Akten und einer der ersten Horrorfilme weltweit.

94 Minuten lang wabert, schwebt und saugt sich Max Schreck als untoter Graf Orlok - "Nosferatu" - durch die Handlung, die 1838 spielt. Er macht sich mit einer Geisterfahrt auf einem Schiff von seiner finsteren Burg in Transsilvanien aus nach Deutschland auf, löst in der fiktiven deutschen Stadt Wisborg Pest, Panik und Verfolgungswahn aus. Erst das Blutopfer einer Jungfrau stoppt seinen dunklen Zauber. Der Bräutigam der vom Vampir begehrten Jungfer, Thomas Hutter, dessen Besuch auf dem Schloss des Grafen das Unheil auslöst, kämpft gegen Furcht und Schrecken zwischen der Vampir-Behausung und der Atmosphäre des Grauens in der Stadt. Diese Geschichte des Vampirs Nosferatu aus den Karpaten, der in Liebe zur schönen Ellen entbrennt, hat schon bei vielen Generationen für Grusel und Gänsehaut gesorgt.

Nun ist dieser Film ein Stummfilm. Nur die Musik war früher dabei zu hören. Die Stummfilme jener Zeit leben von oft pathetischer, manchmal übertriebener Begleitmusik. Was aber passiert, wenn ein Jazzensemble diesen Film mit neuer Musik illustriert? Das vierköpfige Jazzensemble "Küspert & Kollegen" griff die Atmosphäre des Klassikers auf und richtete sich mit einer Jazzbegleitung an das Hörpublikum des Jahres 2018. Der Gitarrist und Komponist Werner Küspert hat diese höchst ungewöhnliche Musik komponiert. Er ist auch der Kopf des hochkarätigen Jazz-Quartetts. Zum Ensemble gehören außer ihm der Echo-Preisträger Bastian Jütte am Schlagzeug, Dietmar Fuhr, der zu den bedeutendsten europäischen Kontrabassisten zählt, und Klarinettist Till Martin, der unter anderem mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik und dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet wurde.

Die unbehaglichen Szenen dieses Streifens werden durch die Jazz-Interpretation des Inhalts noch eindringlicher, packender, wilder, ungestümer, beklemmender, ja unheimlicher und schauerlicher als ohnehin schon. Auf punktgenauen Einsatz hin komponiert, treffen die Takte ins Mark des Publikums, sie interpretieren den Film musikalisch kongenial und geben die Stimmung einzigartig wieder.

Sind beim Einspielen von Filmmusik oft ganze Orchester im Einsatz, so schaffen es diese vier Musiker mühelos, laute und leise Klangfantasien zu zaubern und gleichzeitig phasenweise bei den besonders dramatischen Szenen ein vor jazzigem Temperament überschäumendes Klangvolumen zu erzeugen. Viel wird hier mit Lautmalerei gearbeitet, viel mit Lautstärke.

"Küspert & Kollegen" malen das Tempo und den bizarren Aberwitz der Szenen, die Dramatik und das Grauen der Handlung, die rätselhaft-diabolische Gestalt des Vampirs und die Hilflosigkeit, Bangigkeit und das Entsetzen seiner Opfer gleichermaßen betörend musikalisch in den Saal. Die Vier holen so das Publikum mitten hinein in den Film. Die Zuschauer können mit Film und Musik gleichzeitig mitschlottern. Ein für Augen und Ohren gleichermaßen berauschende Seh- und Hörerfahrung.

Autor

Jürgen Henkel
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Veröffentlicht am:
05. 10. 2018
17:00 Uhr

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Jürgen Henkel

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05. 10. 2018
17:00 Uhr



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