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Selb

Ohne Fahrer quer durch Selb

Ein autonomer Bus, der in Selb zwischen dem Bahnhof und der Schillerstraße pendelt: für Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch ein mögliches Pilotprojekt.



Er fährt - und zwar ganz alleine ohne Fahrer: der Ioki in Bad Birnbach. Der autonom fahrende Bus hatte bislang nur einen leichten Zusammenstoß mit einem ausparkenden Auto. Foto: Bad Birnbach
Er fährt - und zwar ganz alleine ohne Fahrer: der Ioki in Bad Birnbach. Der autonom fahrende Bus hatte bislang nur einen leichten Zusammenstoß mit einem ausparkenden Auto. Foto: Bad Birnbach  

Selb - Fast lautlos fährt der kleine Bus unbeirrt auf der immer gleichen Strecke durch Selb. Das Gefährt, das aussieht wie eine Seilbahn-Gondel mit Rädern, scheint einem Science-Fiction-Film entsprungen zu sein. Denn es fehlt der Fahrer. Dennoch bringt es seine sechs Fahrgäste sicher von der Schillerstraße zum Selber Bahnhof. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, für Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch allerdings auch eine Chance. Denn den autonomen Bus gibt es bereits: In Bad Birnbach verkehrt er in einer Testphase bereits seit April 2017.

Der Bus, der in Bad Birnbach rund 700 Meter vom Neuen Marktplatz über die Haltestelle "Atrium" bis zur Kurallee an der Rottal-Therme und demnächst weiter bis zum Bahnhof fährt, ist mit etwa acht Stundenkilometern unterwegs. Zwischen 8 und 18 Uhr absolviert er 30 Fahrten am Tag. Zwar ist kein Fahrer an Bord, aus rechtlichen Gründen allerdings ein Fahrtbegleiter, der eingreifen und zur Not auch steuern kann. Mittlerweile wurden über 25 000 Fahrgäste befördert, berichtet Viktor Gröll, Leiter der Kurverwaltung Bad Birnbach. Und die mussten nicht einmal etwas bezahlen: Die Fahrt ist kostenlos.

Auf dem elektrisch betriebenen Kleinbus prangt die Aufschrift "ioki" für "Input Output künstliche Intelligenz". Ioki ist eine Tochterfirma der Deutschen Bahn. Am Projekt beteiligt sind der Landkreis Rottal-Inn, die Marktgemeinde Bad Birnbach, die Regionalbus Ostbayern und der Fahrzeughersteller, das französische Unternehmen Easymile.

Gesteuert wird der Bus mit GPS und Laserscanning. Weicht ein Fahrzeug von der Route ab oder taucht ein Hindernis auf, reagiert es mit einer Zwangsbremsung. Die wird durch die rundum angebrachten Sensoren ausgelöst. Einen einzigen und zudem folgenlosen Zusammenstoß hat es bisher gegeben: Beim Ausparken hatte ein Autofahrer nicht aufgepasst.

"Wir sind gerade in einer spannenden Phase", erzählt Gröll. Erstens komme eben die vierte Haltestelle dazu, außerdem ersetzten in absehbarer Zeit zwei Fahrzeuge der zweiten Generation das Ursprungsmodell. Mit der zusätzlichen Haltestelle am Bahnhof sei es den Fahrgästen dann möglich, jeden der im Halbstunden-Takt verkehrenden Züge zu erreichen. "Das ist gerade im ländlichen Bereich wichtig", sagt Gröll.

Für Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch wäre eine solche Verbindung in Selb ein Beitrag, um die Entwicklung des autonomen Fahrens zu unterstützen und direkt daran teilzunehmen. "Ich bin fest überzeugt, dass autonomes Fahren in Zukunft immer wichtiger wird", sagt Pötzsch. Denn aus seiner professionellen Einschätzung heraus ist der eigentliche Schwachpunkt im Straßenverkehr der Mensch. Natürlich sei die Technik noch nicht ausgereift, vielmehr brauche es noch viel Entwicklung und Erprobung. "Aber es wäre sicher von Vorteil, wenn Selb in dieser Mobilitäts-Testphase dabei wäre", ist sich der Oberbürgermeister sicher.

Da im Landkreis ja auch ein Mobilitätskonzept diskutiert werde, habe er sich im vergangenen Sommer zusammen dem Weißenstädter Bürgermeister Frank Dreyer und Vertretern des Landratsamtes in Bad Birnbach informiert. Dabei hätten sich mehrere Erkenntnisse ergeben. Die Sensoren des Ioki seien sehr empfindlich: Schon im Wind flatterndes hohes Gras löse eine Vollbremsung aus. Außerdem seien die Fahrzeuge noch sehr wartungsaufwendig. "Es gibt noch einige Aufgaben, die gelöst werden müssen, bis das System alltagstauglich ist", fasst Pötzsch zusammen.

Und deswegen wäre ein Pilotprojekt im Landkreis sicher eine Möglichkeit, die Entwicklung des autonomen Fahrens zu unterstützen. In Selb könnte sich Pötzsch die Strecke zwischen dem geplanten Busbahnhof hinter dem Brauhaus (Stadtverkehr) und dem Bahnhof Selb-Stadt (regionale Bushaltestelle) vorstellen. "Das wäre eine relativ leichte Route, ohne enge Durchfahrten oder große Büsche am Fahrbahnrand."

Deswegen habe er das Thema auch im Kreisausschuss angesprochen. Der Landkreis könnte Test- und Entwicklungspartner werden. Der Kreisausschuss habe die Anregung offen aufgenommen und autonomes Fahren als Thema erkannt, sagt Pötzsch. Immerhin wäre eine Teststrecke auch ein Imagegewinn für den Landkreis. Natürlich müsse man nun im Rahmen des Mobilitätskonzeptes erst einmal die Kosten zusammenstellen. In Selb kann sich Pötzsch einen autonomen Bus zu den bayerisch-tschechischen Freundschaftswochen vorstellen - und die finden 2023 statt.

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Andreas Godawa

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Veröffentlicht am:
05. 04. 2019
14:58 Uhr

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