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Selb

Polizei-Präsenz in Selb - "ein Jammertal"

Jochen Goller wendet sich wegen der Situation in der Stadt an den Ministerpräsidenten Markus Söder. Er beklagt die Entscheidungen der "Oberen" in Sachen Sicherheit.



Polizeifahrzeuge
Polizeifahrzeuge mit eingeschaltetem Blaulicht.   Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv

Selb - Der ehemalige Kulturdezernent der Stadt Selb, Hans-Joachim Goller, ist ein unermüdlicher Kämpfer gegen die Verschmelzung der Polizeiinspektion Selb mit der in Marktredwitz. In dieser Sache hat er sich jetzt in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten Markus Söder gewandt. Eine Abschrift des Briefes hat Goller nicht nur der Frankenpost, sondern auch dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und Harald Pickert, dem Inspekteur der bayerischen Polizei, zukommen lassen.

"Dies tue ich deshalb, damit Sie nicht innerhalb der Staatsregierung beziehungsweise innerhalb des Innenministeriums diese Zeilen zeitraubend weiterreichen müssen, was nach meiner bisherigen Erfahrung Praxis ist", schreibt Goller.

Zuerst nimmt er Stellung zur Grenzpolizei, die bis vor gut einem Jahr noch den Namen "Schleierfahnder" getragen habe und noch die gleiche Arbeit verrichte. "Deren Beamte leisten ihren Dienst an der Grenze bei uns seit vielen Jahren erfolgreich für das ganze Land, denn die aufgegriffenen Übeltäter wollten ihre Waren und Drogen nicht in erster Linie bei uns in der Region vermarkten." Ihre Arbeit sei zweifellos zu loben, nütze aber den Bürgern in den Städten und Gemeinden hier im Umkreis wenig.

"Deshalb ist das leidige Thema ,Polizei in Selb’ bei uns in der Region ganz und gar nicht gestorben, auch wenn wir uns in Selb und Umgebung des Eindrucks nicht erwehren können, dass es die Staatsregierung im weitesten Sinn nicht nur totschweigen möchte, sondern auch tatsächlich totschweigt. Zum Beispiel wartet mein Brief vom Dezember des vorigen Jahres an den Herrn Polizeiinspekteur heute noch auf seine Beantwortung. An dieser Stelle muss ich Ihnen nicht die Geschichte der Wegnahme der Polizeiinspektion repetieren, denn Sie selbst haben diese Beseitigung ja veranlasst und somit zu vertreten. Das Ganze nach wie vor gegen den Willen und gegen das Verständnis des Großteils der hiesigen Bevölkerung.

Dieser Polizei-Entzug schmerzt gerade jetzt wieder ganz bewusst viele Bürger, da in der Zeitung von einer deutlichen Zunahme von Einbrüchen zu lesen ist. Das gilt zwar für den ganzen Landkreis, aber für Selb, wo die Polizei mindestens 25 Kilometer entfernt angesiedelt ist, ist die gefühlte und die tatsächliche Unsicherheit bei den Menschen deutlich größer als anderswo. Das wirkt wie eine Geißel für weite Teile der Bevölkerung. Überlegungen zur Bildung von Bürgerwehren oder ähnlichem geistern durch die Köpfe, können aber auf keinen Fall eine Lösung sein. Die von mir schon in früheren Briefen wiederholt angesprochenen Probleme wie die Verkehrsverstöße (bei Rot über die Ampel, Geschwindigkeitsübertretungen, Parkvergehen, Befahren gesperrter Straßen) nehmen tatsächlich weiterhin zu, da keine Uniformierten im Stadtbild auftauchen. Die Auflösung der Inspektion der Schutzpolizei als Spätfolge des Spar- und Privatisierungsehrgeizes von Herrn Stoiber trägt weiterhin ihre bitteren, zum Teil vergifteten Früchte.

Da nützt es herzlich wenig, wenn wir vor einigen Tagen in der Zeitung lesen konnten, dass ein neues Gebäude für die Wache in Betrieb ging. Eine Meisterleistung scheint dabei nicht geglückt zu sein. Auf der einen Seite dauerte die Schaffung von weniger als 200 Quadratmetern zwei Jahre lang, nachdem im Abrissgebäude vorher noch 700.000 Euro fehlinvestiert wurden. Auf der anderen Seite fehlt dem Gebäude für die eigene Sicherheit der Polizisten eine Schleuse. Die Bürger müssen im Bedarfsfall bei jedem Wetter im Freien stehen und warten."

Außerdem sei das Personal der Wache nicht zum "Ausrücken" bestimmt; dafür sei die Streifenbesatzung der Inspektion Marktredwitz zuständig. Die Wache Selb sei nachts (ab 20 Uhr werktags und 18 Uhr an Wochenenden), wenn Einbrecher vorwiegend aktiv seien, nicht besetzt. "Wenn man sich den gesamten, jetzt schon jahrelangen Umgang der oberen Entscheidungsträger mit der polizeilichen Gesamtsituation in Selb überlegt, kommt man zu dem Ergebnis: Welch ein Jammertal! Unzulänglichkeit ohne jegliches Ende.

Wohlgemerkt: Das ist nicht den einzelnen Polizisten zuzuschreiben. Sie erledigen rechtschaffen ihren Dienst. Das sind Fehler und Fehlentscheidungen aus München, die endlich korrigiert und rückgängig gemacht werden müssen, wenn denn wirklich der Mensch im Mittelpunkt stehen soll, versehen mit möglichst viel tatsächlicher und empfundener Sicherheit."

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Veröffentlicht am:
21. 08. 2019
17:52 Uhr

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21. 08. 2019
17:52 Uhr



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