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Selb

Polizei rettet 13 Katzen und einen Papagei aus verwahrloster Wohnung

Die Polizei befreit Katzen und einen Vogel aus einem verwahrlostem Haushalt. Die Dunkelziffer solcher Fälle sei hoch. Tierschützer kritisieren mangelnden Einfluss.



Selb - Die Räume, aus denen Beamte der Marktredwitzer Polizei gemeinsam mit Helfern des Tierheims Selb 14 Tiere befreit haben, beschreibt ein Sprecher der Polizeiinspektion als "abenteuerlich" und "unbewohnbar". "Die Katzenklos waren mit Kot überfüllt, am Fußboden lagen tierische Exkremente, und die Futternäpfe der Tiere waren leer", teilt der Sachbearbeiter im Bereich Einsatz mit.

Das Tierdrama hat überregional für Schlagzeilen gesorgt: 13 Katzen und einen Papagei hat ein 30 Jahre alter Mann aus Selb vermutlich mehrere Tage unversorgt in einer stark verunreinigten Wohnung zurückgelassen. Wie lange die Katzen und der Vogel dort unbeaufsichtigt hausten und ohne Nahrung und Wasser auskommen mussten, ist momentan noch unklar.

Die hungernden Tiere seien verschreckt gewesen und hätten sich zum Teil in Löchern in den Sofapolstern versteckt, als Einsatzkräfte der Feuerwehr Schönwald den Polizisten Zutritt zu den Wohnräumen verschafften. Ein Nachbar hat den Tierhalter fünf Tage lang nicht mehr gesehen und die Beamten wegen des unerträglichen Gestanks aus der Wohnung zum Jahreswechsel alarmiert. Durch ein Fenster im Erdgeschoss entdeckten die Polizisten mehrere Katzen. Sie versorgten die ausgehungerten Tiere zunächst mit einer Dose Futter. Anschließend brachten sie die Tiere ins Selber Tierheim.

Noch während der Rettungsaktion kam der Halter hinzu. Wie der Sprecher der Polizei weiter mitteilt, verhielt er sich uneinsichtig und war gegenüber den Polizisten vorlaut. Der junge Mann müsse nun wegen eines Vergehens gegen das Tierschutzgesetz vermutlich ein Bußgeld bezahlen. Letztendlich liege es aber in der Hand des Landratsamtes Wunsiedel, welche Strafe ihn erwarte. "Ein solches Verhalten nicht zu ahnden, würde ein völlig falsches Signal senden", stellt der Sachbearbeiter jedoch klar. Obwohl man nicht von einer Häufung solcher Fälle sprechen kann, befürchtet er, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist.

Nicht nur der Polizei, sondern auch dem Selber Tierheim und dem Tierschutzverein ist der Mann schon vor dem jüngsten Vorfall negativ aufgefallen. "Weil Nachbarn um das Wohl der Katzen besorgt waren, haben Tierschutzbeauftragte vor Monaten schon einmal nach dem Rechten gesehen", berichtet Julia Stopp, Leiterin des Tierheims Selb. Obwohl die Katzen keine Auffälligkeiten zeigten, vermuteten die Tierschützer bereits damals, dass sie zu wenig Futter bekommen. "In der Regel haben Hauskatzen ein wenig mehr auf den Rippen. Die Tiere des Mannes waren hingegen ungewöhnlich schlank", erzählt Stopp.

Im Gespräch mit der Frankenpost gibt sie nun aber Entwarnung: "Den Tieren geht es soweit gut. Sie sind sehr schlank, aber nicht abgemagert." Zwei Katzen wackeln jedoch mit dem Kopf. Ob das angeboren oder auf die schlechte Haltung zurückzuführen ist, will das Tierheim noch klären. Alle Tiere seien zudem stark von Milben befallen. Zwei hätten sich wegen des Juckreizes die Ohren aufgekratzt, und eine weitere Katze habe eine Verletzung am Trommelfell. "Es ist möglich, dass das eine Spätfolge des Milbenbefalls ist", sagt Stopp.

Obwohl der Einsatz an Silvester keine Rettung in letzter Sekunde war, kritisiert die Tierheimleiterin die mangelnde Möglichkeit für Tierschützer, Einfluss zu nehmen. "Ich finde es sehr schade, dass in der Regel erst etwas passieren muss, bis wir etwas unternehmen können. Uns sind die Hände gebunden."

Bei der Ankunft im Heim hätten sich die Katzen - darunter zwei Babys und fünf junge Tiere - am Silvesterabend auf das Futter gestürzt. Das sei typisch für vernachlässigte Tiere. "Nicht nur wegen der Unterversorgung, sondern auch aus Angst, wieder nichts zu essen zu bekommen, fressen Tiere unter solchen Umständen viel", erklärt Stopp.

Logistisch ist die Unterbringung der Katzen keine Herausforderung für das Heim. "Wir hatten zum Jahreswechsel verhältnismäßig wenig eigene Tiere", berichtet Stopp. Erst wenige Tage vorher sei ein ganzes Zimmer frei geworden, in dem die Katzen jetzt vorübergehend gemeinsam lebten. Da sie kein Eigentum des Tierheims sind, dürfen die Tiere nicht vermittelt werden. "Wir warten auf die Anweisungen der Polizei."

Autor

Katharina Melzner
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Veröffentlicht am:
01. 01. 2019
09:46 Uhr

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Katharina Melzner

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01. 01. 2019
09:46 Uhr



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