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Selb

SPD-Urgestein prangert Populisten an

Günter Verheugen hält beim Europatag in Selb keine Wahlkampfreden, sondern spricht besorgte Worte. Dafür bekommt er langen Beifall.



Den Menschen zuhören und die Wahrheit sagen: Günther Verheugen beim Europatag der SPD Fichtelgebirge im Selber Rosenthal-Casino. Foto: David Trott
Den Menschen zuhören und die Wahrheit sagen: Günther Verheugen beim Europatag der SPD Fichtelgebirge im Selber Rosenthal-Casino. Foto: David Trott  

Selb - Keine vorgedruckte Rede, nur wenige handschriftliche Notizen hat Günther Verheugen gebraucht, um die zahlreichen Politiker und Bürgermeister im Selber Rosenthal-Casino zu überzeugen. Der SPD-Kreisverband Fichtelgebirge hatte den Vollblut-Politiker zum Europatag eingeladen. Der Ort für dieses Treffen war nicht ohne Grund gewählt worden: Günther Verheugen war nach seinem SPD-Eintritt 1982 der direkte Nachfolger des Kulmbacher Bundestagsabgeordneten Philip Rosenthal. Dieses Mandat bekleidete Verheugen bis 1999. Nach dieser Zeit ging es für ihn als Vizepräsident der Europäischen Kommission und Staatsminister politisch steil bergauf.

"Ich bin nicht hier um eine Wahlkampfrede zu halten. Wahlkampf hatte ich schon genug im Leben. Ich habe schon 1961 Plakate geklebt. Damals wollten wir Konrad Adenauer loswerden", begann Verheugen seine Rede. Es habe immer schwierige Zeiten gegeben. Gerade die Älteren seien in einer Zeit groß geworden, in der sich Atommächte gegenüberstanden. "Leider sind die Zeiten heute noch unsicherer als damals. Die Machthaber waren einst berechenbar. Heute haben wir Politiker wie Donald Trump an der Macht." Die Kinder, die das kommende Jahrhundert erleben werden, seien bereits geboren. "Wie diese Zukunft aussieht, ist aber leider mehr als unklar", meint der Politikexperte.

Die schleichende Mutlosigkeit in der Politik würde an den Kräften der EU zehren. Zusätzlich würden Populisten und Nationalisten das gemeinsame Wirken in Europa erschweren. "Diese Gruppen haben keine Vorschläge, aber können sehr gut stören. Anstatt Offenheit und Toleranz wollen sie Abgrenzung", bedauerte Verheugen. Er habe noch heute Gänsehaut wegen AfD-Chef Alexander Gaulands Aussage aus dem Wahlkampf 2017: "Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen." "So etwas Unglaubliches kann man nur sagen, weil sich im Moment viele Menschen abgehängt fühlen." Viele Sorgen seien aber auch teilweise begründet. "Egal ob die steigende Kluft zwischen Arm und Reich oder die Angst vor Masseneinwanderung und religiösen Konflikten, diese Sorgen werden, wenn wir als SPD und Bürger nicht handeln, verstärkt auf uns zukommen", warnte Verheugen. Die SPD solle das machen, was ihre Aufgabe sei. "Die Menschen und ihre Probleme ernst nehmen, zuhören und mit einem vernünftigen Regelwerk den Willen des Volkes durchsetzen." Es sei an der Zeit zu sagen, dass es so nicht weitergehe. "Ihr braucht klare Ziele und müsst den Menschen immer die Wahrheit sagen. Nur so kann das kleine Mädchen, welches das nächste Jahrhundert erleben wird, eine friedvolle Zukunft erwarten."

"Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung", waren sich die SPD-Regionalpolitiker Jörg Nürnberger, Holger Grießhammer, Roland Graf und Walter Wejmelka einig. "Weil meine Frau aus Tschechien kommt, kam von meinen Kindern schon mal die Frage, ob sie wohl eher Deutsche oder Tschechen seien. Ich habe ihnen gesagt, dass diese Frage zu Zeiten eines gemeinsamen Europas unwichtig ist. Interessant wird die Frage vielleicht erst, wenn es um Fußball oder Eishockey geht", scherzte Unterbezirksvorsitzender Jörg Nürnberger. "Noch vor ein paar Jahren war die Welt an der Grenze bei Wildenau zu Ende. Heute haben wir gerade wegen des offenen Europas Weltmarktführer und internationale Unternehmen in der Region. Die Bürger, die sich geschlossene Grenzen und Abschottung wünschen, sollten dies vielleicht mal mit ihren Arbeitgebern und Chefs besprechen. Diesen Unternehmen ist schon beim Gedanken an den Brexit flau im Magen", waren sich Ortsvorsitzender Roland Graf und Fraktionsvorsitzender Walter Wejmelka von der SPD in Selb einig. Selb, das Fichtelgebirge und ganz Deutschland seien ein wichtiges Stück Europa.

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David Trott
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Veröffentlicht am:
10. 05. 2019
16:46 Uhr

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David Trott

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10. 05. 2019
16:46 Uhr



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